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Die Küste von Torre Guaceto: Ein Musterbeispiel in Sachen Naturschutz

Die Küste von Torre Guaceto: Ein Musterbeispiel in Sachen Naturschutz
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Unsere Weltmeere sind in Gefahr. Viele Meeresarten verlieren ihren Lebensraum - ihre Populationen nehmen ab. Was können wir tun, dass sich unsere empfindlichen marinen Ökosysteme erholen, bevor die Schäden irreversibel werden? In Torre Guaceto in Italien, kommen die Bemühungen zum Schutz des Meeres nicht nur der Umwelt, sondern auch der regionalen Wirtschaft zugute. Thema in dieser Folge von "Ocean".

In Apulien, an der italienischen Adriaküste, hat die Hauptsaison noch nicht begonnen - das Gros der Touristen lässt noch auf sich warten. Dennoch sind die ersten Schnorchler bereits hier. Sie helfen, den Meeresboden von gelegentlich auftauchendem Müll zu befreien.

Torre Guaceto, ein acht Kilometer langer Küstenabschnitt nahe der Stadt Carovigno, steht unter Naturschutz: Es gelten strenge Vorschriften, damit Tourismus und Fischerei der Natur nicht schaden.

"Bevor das Gebiet unter Naturschutz gestellt wurde, waren Dynamitfischerei, Zigarettenschmuggel und illegale Einwanderung an der Tagesordnung", sagt Cosimo De Biasi, ein lokaler Fischer. "Dank des Schutzgebietes, sehen wir heute nichts außer dem unberührten Meer."

2001 wurde ein fünf Jahre andauerndes Fischfangverbot verhängt, damit sich die katastrophal rückläufigen Bestände erholen können. Heute dürfen hier nur ein paar wenige Einheimische einen Tag in der Woche mit Netzen fischen, die es nicht möglich machen, kleine Fische zu fangen. Für die Fischer ist das kein Problem.

"Wenn wir einen großen Fisch fangen und an Land bringen, verdienen wir damit nicht nur fünf, sondern gleich 25 Euro", so De Biasi.

Verdoppelung der Fischbestände

Das Schutzgebiet wird von einem Konsortium verwaltet, das lokale Gemeinschaften und den WWF vertritt. Es setzt die mit den Fischern vereinbarten Vorschriften durch. Dazu gehören auch Kontrollen der Fänge, um sicherzustellen, dass die Schutzmaßnahmen greifen - pro Ausfahrt sind es etwa 20 Kilogramm.

"Außerhalb des Schutzgebiets haben sich die Fischbestände im Wesentlichen nicht verbessert, innerhalb haben sie sich dagegen etwa verdoppelt", sagt Francesco de Franco, Leiter der Umwelt- und Technikabteilung des Konsortiums von Torre Guaceto.

Nicht nur das Meer wird geschützt, auch die Dünen und Feuchtgebiete entlang der Küste. Sie sind eine wichtige Zwischenstation für Zugvögel und bieten vielen einheimischen Arten Schutz.

Torre Guaceto, benannt nach einem jahrhundertealten Wachturm, steht Tag und Nacht unter der Aufsicht der Küstenwache und der Polizei. Sie sagen, dass die größte Gefahr von nachlässigen Touristen ausgeht, die Blumen pflücken oder Korallen in Ufernähe beschädigen könnten.

Touristen, die die Natur achten, sind herzlich willkommen.)

Früher waren die Sandstrände vermüllt und überfüllt. Das Großreinemachen in diesem Gebiet, geführte Touren und die Beschränkung des Autoverkehrs machen den Unterschied: In der Hochsaison, kommen 5.000 bis 6.000 Öko-Touristen nach Torre Guaceto.

Mimmo Miccoli, ein Tourist aus Brescia kommt oft nach Torre Guaceto:

"Hier herrschte früher das reinste Chaos - die Autos parkten überall. Jetzt müssen alle Autos oben auf dem Parkplatz an der Straße abgestellt werden - es ist viel schöner und sauberer."

Nachhaltigkeitstrend auch in der lokalen Wirtschaft

Die Touristenströme kommen dem örtlichen Gewerbe zugute. Dort hat der Trend zur Nachhaltigkeit ebenfalls Einzug gehalten - wie zum Beispiel im Familienrestaurant "Casale Ferrovia" in Carovigno. Hier hat man sich auf lokale Bio-Küche spezialisiert hat.

"Wir servieren immer frischen, guten, gesunden Fisch aus dem Meer und es wachsen hier vor Ort Tomaten und vieles mehr", so Restauranbesitzerin und Köchin Maria Lanzilotti. Für mich und für alle Gastronomen hier ist dieses Naturschutzgebiet von großem Wert. Es ist ein Segen!"

Mit Hilfe europäischer Gelder konnte bislang ein Drittel der lokalen Bauern den eigenen Betrieb auf biologische Landwirtschaft umstellen. Der Umsatz stieg - auch durch eine Art Herkunftslabel auf den Produkten.

Die Europäische Union hat sich dazu verpflichtet, bis 2020 zehn Prozent aller ihrer Gewässer als Meeresschutzgebiete auszuweisen. Dieses Ziel wurde zwei Jahre vor Ablauf der Frist erreicht. Heute sind 625.000 Quadratkilometer Meeres- und Küstengewässer in Europa geschützt - was jährlich mehr als drei Milliarden Euro einbringen dürfte.

Das Meeresschutzgebiet Torre Guaceto hat sich zu einem attraktiven Ökotourismusziel mit nachhaltiger Wirtschaft entwickelt. Eine Erfolgsgeschichte, die laut Experten anderen Orten als Beispiel dienen soll.

Nicolò Carnimeo, Vize-Präsident des Konsortiums von Torre Guaceto:

"Meiner Meinung nach, reicht der Schutz von zehn Prozent der europäischen Gewässer immer noch nicht aus. Wir sollten weiter vorangehen und die sogenannte Kreislaufwirtschaft - wie wir sie hier haben - im Hinterkopf behalten. Sie funktioniert und sollte auch in anderen Meeresschutzgebieten eingeführt werden."