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Verschwundene Alexandra (15): Welche Konsequenzen für Rumänien

Verschwundene Alexandra (15): Welche Konsequenzen für Rumänien
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In Rumänien gehen die Schuldzuweisungen nach dem mutmaßlichen Mord an einer 15-Jährigen und dem Versagen der Polizei weiter. Alexandra hatte mehrfach vergeblich den Notruf verständigt und angegeben, wo sie gefangengehalten wurde. Als die Polizei den Täter festnahm, war sie offenbar schon lange tot.

Tausende demonstrierten am vergangenen Sonntag in Bukarest gegen die Polizei, die Justiz und die Regierung, die sich alle gegenseitig die Schuld für das Versagen der Polizei zuweisen. Für Politikwissenschaftlerin Irina Ilisei ist die Diskussion um den Mordfall Alexandra nur ein Teil eines viel größeren Themas, Gewalt gegen Frauen. Sie erklärt: "Dies ist kein Einzelfall. Die Medien berichten über diesen Fall, aber Gewalt gegen Frauen, das ist Alltag."

"Dient alles nur demselben politischen Klüngel"

Immer öfter melden sich Opfer von Gewalt bei der Polizei. Die rumänische Polizei legte Zahlen für geschlechtsbezogene Gewalttaten. Meistens sind die Täter Männer.

Für das Jahr 2018 wurden mehr als 35.000 geschlechtsbezogene Straftaten angegeben, das heißt etwa 100 pro Tag.

Alexandra hätte gerettet werden können, wenn die Polizei gehandelt hätte. Staatspräsident Klaus Johannis gab der Regierung die Schuld. Sie sei der "moralische Autor der Tragödie", so Johannis.

Als Reaktion auf den Mord an dem Teenager entließ die Regierung den Polizeichef und andere hohe Polizeibeamte. Doch was wird das nutzen?

Gabriel Girnita von Europol hat wenig Hoffnung: "Es ist immer dasselbe. Es rollen ein paar Köpfe, neue Chefs werden ernannt. Sie dienen immer nur dem politischen Klüngel."

"Nachfrage nach sexuellen Diensten groß"

Sollte Alexandra möglicherweise wie so viele ins Ausland verkauft werden, auch das fragen die Ermittler. Im vergangenen Jahr verschwanden 4000 Kinder und Jugendliche. Nach Großbritannien, Deutschland, Frankreich, Spanien und Italien sollen sie gebracht worden sein, um in der Sexindustrie zu arbeiten.

Ciprian Ghituleasa von der für Menschenschmuggel zuständigen Behörde meint: "Beim Problem des Menschenschmuggels und dem Verschwinden von Kindern und Jugendlichen darf Eines nicht vergessen werden: Offensichtlich gibt es eine hohe Nachfrage für sexuelle Dienste und es springt viel Geld dabei heraus. Natürlich ergreifen kriminelle Organisationen da die Gelegenheit und machen das zu ihrem Geschäft."

Euronews-Korrespondent Laurentiu Colintineanu sagt: "Das Entsetzen in der Öffentlichkeit nach dem Mord an Alexandra drängt die Regierung zu Reformen im Justizwesen. Eventuell könnte Alexandras tragischer Tod auch dazu beitragen, die Mentalität der Menschen zu verändern, in einem Land, in dem häusliche Gewalt weitverbreitet ist."