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"Grund zur Angst": Litauens jüdische Gemeinde schließt Synagoge

"Grund zur Angst": Litauens jüdische Gemeinde schließt Synagoge
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Gemeinde erhält zunehmend Drohbriefe und Drohanrufe

Anlässlich einer Kundgebung von Nationalisten hat die jüdische Gemeinde in Litauen ihre Synagoge sowie ihr Büro in Vilnius an diesem Mittwoch geschlossen. In letzter Zeit habe man vermehrt Drohbriefe und Drohanrufe erhalten, so Faina Kukliansky, die Leiterin der Gemeinde.

"Diese jungen Leute kennen den Krieg nur aus dem Fernsehen. Ihre Eltern haben ihnen nichts über den Krieg erzählt, sie haben nie darüber gelesen. Sie können sich nicht vorstellen, was das für uns bedeutet, die Opfer der zweiten Generation. Wir haben Anlass zur Angst."

Erinnern an zwei Antisemiten

Die Demonstranten protestieren gegen die Entscheidung der Stadt Vilnius, eine Erinnerungstafel für den antisowjetischen Kämpfer Jonas Noreika zu entfernen sowie eine nach dem ehemaligen Militär Kazys Škirpa benannte Straße umzuwidmen. Beiden wird Antisemitismus und eine Verwicklung in den Holocaust vorgeworfen.

Der Bürgermeister von Vilnius, Remigijus Šimašius, sagte: "Wir müssen ganz klar eine Linie ziehen bei Leuten, die durch ihre Handlungen, aber auch durch ihre Unterschrift, durch die Übernahme von Verantwortungen mit totalitären Regimes kollaborierten."

Die Entscheidungen der Stadtverwaltung haben eine hitzige Debatte ausgelöst. Die jüdische Gemeinde begrüßte die Schritte während Nationalisten an der Stelle der entfernten Ehrentafel eine provisorische Ersatzgedenkstätte für Noreika errichteten.

Noreika und Škirpa: Volkshelden und Antisemiten

Dieser hatte in seiner Rolle als Beamter zu Beginn der Besetzung durch die Nazis 1941 der Errichtung eines jüdischen Ghettos im Norden Litauens ebenso zugestimmt wie dem Raub jüdischen Eigentums. Bereits 1933 hatte Noreika eine antisemitische Broschüre veröffentlicht.

Später bekämpfte Noreika die Nazis allerdings, verbrachte Zeit in einem KZ, bevor er nach dem Krieg gegen die Sowjets aktiv wurde. Er wurde 1947 vom Sowjetregime hingerichtet.

Škirpa wiederum, der 1919 als erster die litauische Nationalflagge über Vilnius hisste und für die Unabhängigkeit des Landes kämpfte, bat die Nazis 1940 um Unterstützung gegen die Sowjetbesatzung. Im selben Jahr gründete er die Litauische Aktivistenfront, die unter anderem brutal gegen Juden vorging.

1944 wandte sich Škirpa gegen die Nazis. Er emigrierte in die USA, wo er 1979 starb.