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Japan ist auf dem Weg zum digitalen Gesundheitssystem

Japan ist auf dem Weg zum digitalen Gesundheitssystem
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Japan ist eines der modernsten Länder der Welt mit der weltweit älteste Bevölkerung: Zwei Faktoren, die eine digitale Krankenversicherung und Geschäftsmöglichkeiten im privaten Sektor inspiriert haben: In Japan stehen Spitzentechnologien im Dienst der älteren Menschen. Das ist das Thema dieser Folge von Sci-Tech.

Die Bevölkerung Japans ist die älteste der Welt: Rund 27 Prozent der Menschen sind älter als 65 Jahre. Diese Bevölkerungsgruppe hat sich in den vergangenen sechzig Jahren fast verdoppelt - von 5 auf 9 Prozent. Kein Land altert schneller als Japan.

"Länger leben, aber vor allem besser leben", so euronews-Reporter Claudio Rosmino. "Neueste Technologien inspirieren in Japan öffentliche Hand und die private Wirtschaft in den Bereichen Gesundheitspolitik und Innovation, um älteren Menschen eine bessere Lebensqualität zu bieten."

Alternde Gesellschaft: Herausforderung für das Gesundheitssystem

Eine alternde Gesellschaft ist eine große Herausforderung für das Gesundheitssystem. Japans Lösungsansätze dafür standen im Mittelpunkt eines internationalen Gipfels in Tokio, der Medizin-Experten, Beamte, Start-ups und ausländische Delegationen aus aller Welt versammelte:

"Ich bin total beeindruckt von dem, was hier in Japan passiert", sagt Prof Dr. Erwin Böttinger, Chef des Digital Health Center am Hasso-Plattner-Institut in Potsdam. "Die Vorteile der Digitalisierung, die Vorteile der künstlichen Intelligenz für unsere Bürger und unsere Gesellschaften kann man sehr gut nutzen, wenn es darum geht, die Gesundheitsversorgung zu verbessern, die Gesundheit in ferner Zukunft zu verbessern: Aber dazu muss klar sein, wie man personenbezogene Daten verarbeitet."

Japan arbeitet an einer Verordnung, die es öffentlicher Hand und privater Wirtschaft erlauben soll, anonym verarbeitete medizinische Daten zu verwenden.

Umsetzung des digitalen Wandels

Wie der digitale Wandel umgesetzt wird, kann man am Universitätsklinikum in Kyoto erleben: Die Datensammlung beginnt im Patientenzimmer. Die Krankenschwestern übermitteln Informationen wie Blutdruck, Herzschlag, Körpertemperatur, klinische Tests und Behandlungen direkt an die Server. Die Verarbeitung der riesigen Datenflut - aus der medizinischen Versorgung, regelmäßigen Untersuchungen und Langzeitpflegeeinrichtungen - ermöglicht es, präziser und effizienter zu sein, in die Prävention zu investieren und die Arzneimittelproduktion zu steuern.

"Wir sammeln Daten, um zu verstehen, was in diesem Land passiert und welche Art von medizinischer Behandlung die Menschen brauchen. Durch die Auswertung können wir die unterschiedliche Behandlung oder Pflege bestimmen", erklärt Tomohiro Kuroda, Direktor des Universitätsklinikums in Kyoto. "Die Daten sind anonym und die Regierung bereitet ein System vor, um sie mit allen zu teilen. Dann kann auch der private Sektor die Daten nutzen, um neue Medikamente oder Behandlungen zu entwickeln."

Die japanische Krankenversicherung stützt sich auf Milliarden von Daten, die von mehr als 126 Millionen Bürgern stammen.

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"Mehr als 95 Prozent der Pflegeleistungen der japanischen Bevölkerung sind durch die Datenverarbeitung abgedeckt"_, sagt Genta Kato, Chef des "Solution Centre for Health Insurance Claim" am Universitätsklinikum in Kyoto. "Es gibt einen Trend, sowohl medizinische Behandlungs- als auch Pflegedaten als Gesamtpaket für die digitale Versorgung zu nutzen. Japan ist eine überalternde Gesellschaft, und unser Wissen bei der Verarbeitung von Gesundheitsdaten könnte eine Referenz für viele andere Länder der Welt sein."

Japan: zweitgrößter Gesundheitsmarkt der Welt

Japan ist der zweitgrößte Gesundheitsmarkt der Welt. Der Innovationsprozess der digitalen Versorgung hat Geschäftsmöglichkeiten für medizinische Unternehmen geschaffen. So entwickelt beispielsweise das Projekt Future Care Lab von Sompo Spitzentechnologien, um den Bedürfnissen der alternden Gesellschaft gerecht zu werden. Produkte wie ein A-one Rollstuhl, der sich autonom bewegen kann, ein Klappbett, Körpersensoren für Bad und Bett können älteren Menschen helfen, unabhängiger zu leben.

"Japan ist eine sehr schnell alternde Gesellschaft und durch den Einsatz von Technologien können wir die Belastung der Pflegekräfte verringern und auch die Produktivität ihrer Arbeit verbessern", meint Shinichiro Kataoka, Chef des "Future Care Lab" von Somp Holdings Inc. "Eine der Lösungen, um Pflegekräfte zu unterstützen, ist das Assistenzbett. Es reduziert die Arbeitslast und die Anzahl der Betreuer für eine Person."

Faktor Mensch bleibt wichtig

Neben den High-Tech-Lösungen ist der Faktor Mensch und die Interaktion zwischen Patient und Pflegepersonal nach wie vor wichtig. So wie beim Virtual Reality Headset, das von Silver Wood Corp. entwickelt wurde. Die Simulation einer Demenz kann helfen, die Auswirkungen der Krankheit zu verstehen und bei ihrer Behandlung zu helfen:.

"Wir wollen vermeiden, dass Pflegekräfte und Patienten sich nicht verstehen", sagt Tadamichi Shimogawara, Präsident Silverwood Co. LTD. "Wir wollen ein verantwortungsvolles Verhältnis schaffenmit gegenseitigem Respekt. Auf diese Weise wird die Welt, wie sie von dementen Menschen wahrgenommen wird, exakt wiedergegeben. Man kann es durch Virtuelle Realität erleben, was uns den Schmerz und die Schwierigkeiten dieser Menschen verstehen lässt. Mit dieser Technologie kann man all das nachspüren."

Eine Pflegekraft hat das Gerät ausprobiert, sie meint: "Auf diese Art und Weise habe ich viel mehr über Demenz gelernt, als ich es jemals durch das Lesen von Lehrbüchern getan hätte."

Internationale Zusammenarbeit

Die qualitativ hochwertigen japanischen medizinischen Daten könnten auch internationale Geschäftsmöglichkeiten bieten. Dieser kombinierte Ansatz zur Förderung der Nutzung von Daten und Spitzentechnologien, um ein Gesundheitssystem der nächsten Generation zu entwickeln, macht Japan zu einer Art offenem Innovationsökosystem. Aufgrund des globalen Alterungstrends, der sich auf die internationale Zusammenarbeit und die Unternehmen auswirken kann, inspiriert durch die große Menge an hochwertigen medizinischen Daten, die Japan besitzt.

"Der Erfolg dieser Ansätze in Japan wird ansteckend sein und die Bürger dazu motivieren, das Konzept anzunehmen, so dass wir in ganz Europa, in der entwickelten Welt und in den Entwicklungsländern einen einheitlichen Ansatz haben werden: den Weg zur digitalen Gesundheit", so Prof. Dr. Erwin Böttinger.

Die internationale Zusammenarbeit ist der Schlüssel zur Maximierung des Potenzials der digitalen Gesundheitsinnovation - für eine zukünftige Gesellschaft, in der die Lebenserwartung bei 100 Jahren liegt.

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