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Bauernprotest mit 5.000 Traktoren in Berlin

Bauernprotest mit 5.000 Traktoren in Berlin
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Reuters
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Mehr als 5.000 Traktoren rollten am Dienstag nach Berlin. Dort, vor dem Brandenburger Tor, haben Landwirte aus ganz Deutschland gegen schärfere Regeln in der Agrarwirtschaft demonstriert.

Es war vielleicht einer der größten Bauernproteste, den die Hauptstadt je erlebt hat. Zu der Großkundgebung waren mehr als 10.000 Teilnehmer bei der Polizei angemeldet. Im Berufsverkehr sorgten die vielen Traktoren in Berlin und Brandenburg für Behinderungen.

Der Protest richtet sich insbesondere gegen die Pläne für schärfere Düngeregeln zum Schutz des Grundwassers sowie strengere Vorschriften in der Tierhaltung.

Martin Lakamp, Landwirt aus Nordrhein-Westfalen:

"Wir brauchen eine bessere Agrarpolitik, damit wir in der Landwirtschaft weitermachen können, wir können nicht nur immer Formulare ausfüllen und neuen Regeln befolgen, wir müssen auch in der Lage sein zu arbeiten und zu existieren."

Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU), Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) und Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU) hatten im September einen Aktionsplan zum Schutz der Insekten vorgestellt. Danach soll das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat 2023 verboten und Insektizide in Schutzgebieten untersagt werden.

Brüssel hatte Deutschland wegen überhöhter Nitratwerte im Grundwasser verklagt. Betroffen sind vor allem Regionen mit intensiver Tierhaltung wie Niedersachsen, dort sind etwa 60 Prozent des Grundwassers in einem schlechten Zustand.

Bauern fordern mehr Mitsprache in der Agrarpolitik

Die Landwirte kritisieren die geplanten Änderungen in der Agrarpolitik. Sie sehen sich durch die Pläne der Regierung in ihrer Existenz gefährdet. Neben den Plänen für schärfere Düngeregeln zum Schutz des Grundwassers sowie strengeren Vorschriften in der Tierhaltung demonstrieren die Landwirte außerdem für einen Erhalt landwirtschaftlicher Betriebe sowie gegen eine "Verunglimpfung" von Bauern.

Berndt Bleiss, Landwirt aus Sachsen-Anhalt:

"Den Bauern wird für alles die Schuld gegeben, was man in der Medienwelt sieht. Das stört uns. Für uns ist das Fass zu voll und es reicht und das wollen wir heute mit unserer Demonstration zum Ausdruck bringen."

Am Vormittag hatte im Bundestag eine Debatte zum Agrarhaushalt stattgefunden. Nach Nachmittag hatten die Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) und die Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) zu den Bauern gesprochen.

In Berlin und Brandenburg sorgten die Traktoren am Dienstagmorgen im Berufsverkehr zum Teil für Behinderungen. Auf beiden Seiten des Brandenburger Tors standen am frühen Morgen bereits erste Bauern mit ihren Fahrzeugen. Zwischen Siegessäule und Brandenburger Tor war kaum noch ein normaler Verkehr möglich. Viele Traktoren hatten Plakate an ihren Fahrzeugen befestigt.

Auf ihrer Fahrt kam es bei Überholmanövern zu zwei Unfällen. Die Brandenburger Polizei rief Autofahrer zur Vorsicht auf. "Überholen Sie nur an übersichtlichen Stellen und wenn Sie die gesamte Überholstrecke überblicken können!", twitterte die Brandenburger Polizei.

Sternfahrt aus allen Bundesländern, Bauern seit Sonntag unterwegs

Für die Großkundgebung machten sich Bauern aus allen Bundesländern in einer Sternfahrt auf den Weg in die Hauptstadt. Traktor-Konvois aus Süddeutschland waren bereits seit Sonntag unterwegs.

Umweltverbände warnen, Landwirtschaft und Klimaschutz gegeneinander auszuspielen

Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) kritisiert eine "Verweigerungshaltung" der Bauern. Die Verbände hätten maßgeblich dafür gesorgt, dass es einen Reformstau zu Lasten der bäuerlichen Strukturen gebe, so der BUND-Chef Olaf Bandt. So seien der Umbau der Nutztierhaltung und eine Änderung des Düngerechts jahrelang blockiert worden. Bandt warnte davor, die Landwirtschaft und den Klimaschutz gegeneinander auszuspielen.

Naturschutzbund (Nabu) fordert eine bessere Verteilung von EU-Subventionen, damit die rund 60 Milliarden Euro, die dafür aus Brüssel zur Verfügung stehen, auch bei den Landwirtinnen und Landwirten ankommen, die umwelt- und klimafreundlich produzieren wollen, so der Nabu-Präsident Jörg-Andreas Krüger.

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