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"Alle sind krank": Kohleenergie ist auch in Bosnien ein umkämpftes Thema

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Kohlekraftwerk Tuzla
Kohlekraftwerk Tuzla   -   Copyright  Euronews
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"Alle, die noch leben, sind krank"

Goran Stojak steht vor dem Kohlekraftwerk von Tuzla. "Ich kenne keinen, der hier eines natürlichen Todes gestorben wäre", sagt er. "Selbst die Jungen nicht. Und alle, die noch leben, sind krank." Schuld ist seiner Ansicht nach das Kraftwerk.

Stojak wurde in Tuzla geboren und wuchs hier auf. In den vergangenen Jahren ist die rund 100 Kilometer von der bosnischen Hauptstadt Sarajewo entfernte Stadt zu einem Symbol für die Kohleenergie in Bosnien geworden, bzw. für die damit verbundenen Probleme.

Ein 700-Megawatt-Kraftwerk, das größte des Landes, spuckt Schwefel- und Stickoxide in die Luft. Und das ist nicht alles: Die giftigen Überreste der Stromproduktion verschmutzen das Grundwasser ebenso wie Nahrungsmittel mit Schwermetallen.

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Goran Stojak vor Kohlekraftwerk TuzlaEuronews

"Verschmutzter Staub weht in die Stadt"

Denis Žiško vom Tuzlaer Center for Ecology and Energy zeigt auf eine Deponie mit Abwasser aus dem Kraftwerk: "Hier sehen wir das Problem konzentriert auf ein Gebiet. Es gibt hier keinerlei Schutzvorrichtungen, damit das Wasser nicht in der Erde versickert. Der pH-Wert des Wassers liegt bei 11 oder 12 statt bei um die 7, was normal wäre. Der Boden ist voller Schwermetalle und Chemikalien, die im Kraftwerk genutzt werden. Die gesamte Verschmutzung dringt in die Erde ein."

Es gibt hier keinerlei Schutzvorrichtungen, damit das Wasser nicht in der Erde versickert.
Denis Žiško
Umweltschützer aus Tuzla

Das Kohlekraftwerk von Tuzla hat rund 30 Millionen Kubikmeter Abfall auf der 250 Hektar großen Deponie gelagert. Allein im städtischen Gebiet gibt es drei solcher Deponien.

Denis Žiško: "Im Sommer trockent das aus und der Wind weht den Staub dann in die umliegenden Dörfer und, wenn er stark genug ist, bis in die Stadt."

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Umeltschützer Denis Zisko vor AbwasserdeponieEuronews

Kohlekraftwerk wird ausgebaut, "nach EU-Standards"

Vergangenes Jahr erlaubte die bosnische Regierung den Ausbau der Anlage, dank eines 630-Millionen-Euro-Darlehens der Export-Import Bank von China. Die Behörden sagen, durch den Ausbau werde sich vieles verbessern.

Goran Misic arbeitet im Umweltministerium. Er erklärt: "Der im Bau befindliche Block 7 entsteht nach EU-Standards. Wir erwarten, dass sich die Luftqualität um 20 Prozent verbessert und das Kraftwerk deutlich weniger Schadstoffe ausstößt."

Wir erwarten, dass sich die Luftqualität um 20 Prozent verbessert und das Kraftwerk deutlich weniger Schadstoffe ausstößt.
Goran Misic
Mitarbeiter im bosnischen Umweltministerium

Laut einer vergangenes Jahr von der kohlekritischen Organisation "Europe Beyond Coal" veröffentlichten Studie verursachen Kohlekraftwerke jährlich den Tod Tausender Menschen in Europa.

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Ministerialbeamter Goran Misic in SarajewoEuronews

Tausende Tote durch Kohle

2016 gab es mehr als 1200 kohlebedingte vorzeitige Todesfälle auf dem Westbalkan. Unter ihnen auch Freunde von Goran Stojak.

"Ich habe Freunde an Krebs sterben sehen. Niemand konnte ihnen helfen. Sie starben unter großen Leiden," so Stojak.

Und deshalb, sagt er, werde er weiterkämpfen. Es ist allerdings kein einfacher Kampf. Nicht nur Bosnien plant, neue Kohlekraftwerke zu bauen. Bis 2030 sollen in Westbalkanstaaten 17 neue Anlagen entstehen.