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Papst Franziskus: Coronavirus könnte eine "natürliche Reaktion" auf den Klimawandel sein

Papst Franziskus hat eine mögliche Erklärung der weltweiten Gesundheitskrise
Papst Franziskus hat eine mögliche Erklärung der weltweiten Gesundheitskrise   -   Copyright  AP
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Papst Franziskus glaubt, dass die Coronavirus-Pandemie eine der "Antworten" der Natur auf den Menschen ist, der die ökologische Krise ignoriert. Das sagte er in einem Interview mit der katholischen Wochenzeitschrift The Tablet and Commonwealth.

"Auf die anderen Teilkatastrophen haben wir nicht reagiert. Wer spricht jetzt von den Bränden in Australien? Wer erinnert sich daran, dass vor 18 Monaten ein Boot den Nordpol überqueren konnte, weil die Gletscher geschmolzen waren, und an die Überschwemmungen?" fragt er.

"Ich weiß nicht, ob es die Rache der Natur ist, aber ich glaube, es ist die Antwort der Natur", sagt der Pontifex aus Rom, der schon immer ein entschiedener Verfechter der Ökologie war und regelmäßig auf die Folgen des Klimawandels hinweist.

Virologen unterstützen die Theorie

Dies ist eine Idee, die von Virologen geteilt wird, die auf einen Zusammenhang zwischen der Übertragung von Viren und den Auswirkungen des Klimawandels hinweisen. In den letzten Jahren gab es eine Zunahme von Ausbrüchen von Krankheiten tierischen Ursprungs, die zu Krankheitserregern wie dem Coronavirus führen. Das sei weitgehend auf das Eindringen des Menschen in die Natur zurückzuführen.

"Der zunehmende Einfluss des Menschen auf Ökosysteme und wildlebende Arten in Verbindung mit dem globalen Klimawandel schwächt die natürlichen Ökosysteme und erleichtert die Verbreitung von Krankheitserregern", erklärt das WWF in einer Studie.

Für den Pontifex ist diese Epidemie eine Gelegenheit, die Produktions- und Konsumrate zu senken und die Natur verstehen und betrachten zu lernen. Dieses Bewusstsein müsse auch nach der Krise präsent bleiben.

Darüber hinaus sprach der Pontifex über die Macht der Wirtschaft in Bezug auf das Dilemma, in dem sich die Regierungen der Welt in jüngster Zeit befinden, nämlich zwischen der Gewährleistung der öffentlichen Gesundheit und der Aufrechterhaltung des Wachstums der Wirtschaft.

"Viele Regierungen haben beispielhafte Maßnahmen ergriffen, um ihr Volk mit klaren Prioritäten zu verteidigen. Aber wir stellen fest, dass unser Denken, ob es uns gefällt oder nicht, von der Wirtschaft bestimmt wird", sagte er in dem Interview.

Franziskus erholt sich derzeit von einer Bronchitis. Zwei Coronavirus-Tests, die er durchführen ließ, waren aber negativ.

Die Pandemie hat auch auf die Rituale des Vatikans Auswirkungen, insbesondere während dieser Ostertage. Die Palmsonntagsmesse, die den Beginn der Karwoche markiert, fand in einer leeren Kirche statt.

Arme Menschen werden vergessen

Der Pontifex kritisierte auch die Behandlung der Armen angesichts der Coronavirus-Pandemie und sagte, Obdachlose sollten in Hotels und nicht auf Parkplätzen untergebracht werden.

"Jetzt sind die Obdachlosen immer noch obdachlos. Neulich erschien ein Foto von einem Parkplatz in Las Vegas, auf dem sie unter Quarantäne gestellt worden waren. Und die Hotels waren leer. Aber die Armen können nicht in ein Hotel gehen", beklagt Papst Franziskus.

"Dies ist die Zeit, um die Armen zu sehen", sagte er und fügte hinzu, dass die Gesellschaft die Bedürftigen manchmal wie "gerettete Tiere" behandelt.

Das EU-Parlament hat unterdessen angekündigt, Obdachlose für die Corona-Zeit unterzubringen.

Populismus auf dem Vormarsch

Neben dem Klimawandel und der Wirtschaft verwies Papst Franziskus auch auf die Zunahme des Populismus. "In Europa hören wir immer mehr populistische Diskurse und sehen selektive politische Entscheidungen, die uns an die Reden Hitlers im Jahr 1933 denken lassen... gar nicht so weit entfernt von einigen der heutigen europäischen Politiker", sagte er mit Besorgnis.

In dem Interview sagte er auch, er sei besorgt über die "Scheinheiligkeit gewisser politischer Persönlichkeiten, die davon sprechen, sich Krisen und Hunger in der Welt zu stellen, während sie mit der Herstellung von Waffen beschäftigt sind".