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Holocaust und Covid-19: "Einige werden nie ihre Geschichte erzählen"

Israel Holocaust
Israel Holocaust   -   Copyright  Ariel Schalit/Copyright 2018 The Associated Press. All rights reserved.
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Der 20. April 2020 war der erste Yom HaShoah, der Gedenktag für die Märtyrer und Helden des Holocaust, an dem keine Überlebenden des Massenmordes der Nazis an den Juden an der Gedenkzeremonie teilnehmen konnten. Wegen der Coronavirus-Pandemie ist auch die Gedenkstätte Yad Vashem seit Wochen geschlossen. Eine vorab aufgenommene Zeremonie wird im Internet und in Israel auch im Radio und im Fernsehen verbreitet (siehe weiter unten).

"Viele Überlebende sind am Coronavirus gestorben"

Stephen Smith von der Shoah-Stiftung in den USA berichtet der Nachrichtenagentur AFP, dass wegen der Pandemie zahlreiche Projekte mit Überlebenden des Holocaust unterbrochen werden mussten, da Covid-19 vor allem alte Menschen bedroht. Er sagt: "Ich kenne viele Überlebende, die nach Komplikationen am Coronavirus gestorben sind."

"Wir mussten alle unsere Interviews (mit Überlebenden) absagen", bedauert Smith. "Deshalb werden manche Menschen nie in der Lage sein, ihre Geschichte zu erzählen."

Am Dienstag ertönen in ganz Israel die Sirenen. Aber das Leben liegt schon wegen der strikten Ausgangssperre schon seit Ende März weitgehend still.

Ausgangssperre nicht mit dem Holocaust vergleichen

Der Überlebende Dov Landau, der in Frankreich lebt, ärgert sich darüber, dass einige die Ausgangssperren mit dem Holocaust vergleichen. Er sagt: "Heute sind wir weder hungrig noch durstig, wir riskieren nicht, lebendig verbrannt zu werden, Männer, Frauen und Kinder. Ja, mir ist langweilig, ich kann nicht mehr reisen oder einkaufen, aber es ist nichts Ernstes."

Am Dienstag ertönen in ganz Israel die Sirenen. Aber das Leben liegt schon wegen der strikten Ausgangssperre schon seit Ende März weitgehend still.

Doch am Montagabend haben Ministerpräsidente Benjamin Netanjahu und Oppositionschef Benny Gantz sich auf die Bildung einer Koalition der nationalen Einheit geeinigt.

Der deutsche Außenminister Heiko Maas (SPD) hat sich am Online-Projekt der Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem beteiligt. Unter den Hashtags #RememberingFromHome und #ShoahNames konnten sich Internet-Nutzer beteiligen. Heiko Maas verlas am Montag die Namen von zwei Holocaust-Opfern aus seiner Heimatstadt Saarlouis in einem Video auf Twitter. "Eine Pandemie mag uns davon abhalten, physisch zusammenzukommen", schrieb der 53-Jährige dazu auf Englisch. "Aber es wird uns nicht davon abhalten, an die Shoah zu erinnern."

Die deutschen Nationalsozialisten hatten während des Zweiten Weltkrieges sechs Millionen Juden ermordet. Seit 1951 erinnert Israel am Holocaust-Gedenktag an die Opfer.