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„Wie ein Gruselfilm“: Viele Fragen um Tote in spanischen Pflegeheimen

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„Wie ein Gruselfilm“: Viele Fragen um Tote in spanischen Pflegeheimen
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Alfonso Ariza und Cesarea Andrés verbrachten 56 Jahre ihres Lebens gemeinsam. Als sie an Alzheimer erkrankte, zog er mit ihr in ein Madrider Pflegeheim. Nun sind beide an Covid-19 gestorben, sie waren 87 und 85 Jahre alt.

Die Kinder des Paares durften ihre Eltern in ihren letzten Stunden nicht besuchen, das hätte gegen die Hygienebestimmungen verstoßen, mit denen eine weitere Ausbreitung des Virus verhindert werden soll.

Kinder durften sterbende Eltern nicht sehen

„Es ist sehr schmerzhaft. Mein Vater wurde 1932 geboren, er hat den Bürgerkrieg und 40 Jahre Diktatur überlebt. In den letzten Tagen seines Lebens wurde er krank, aber ihm wurde das Recht verweigert, in einem Krankenhaus behandelt zu werden. Ich verstehe, dass man manche Patienten bevorzugt behandeln muss, aber solch einen Tod hat er nicht verdient. Weder er noch meine Mutter“, so Almudena Ariza, die Tochter der Verstorbenen.

Rund 6000 Menschen sind bisher in Alten- und Pflegeheimen der spanischen Hauptstadt an Covid-19 gestorben. Carmen Flores, die Vertreterin einer Patientenvereinigung, berichtet von vielen Vorwürfen, die dem Pflegepersonal gemacht werden und von zahlreichen Fragezeichen. In einem Fall seien in einem Pflegeheim sieben Leichen gefunden worden. „Warum waren die da? Warum wurden die nicht in ein Krankenhaus gebracht? Warum wurden die Familien nicht in Kenntnis gesetzt? Es war furchtbar, wie ein Gruselfilm", sagt sie.

Vom Altenheim ins Hotel

Das spanische Pflegepersonal hat immer wieder auf die unzureichende Ausrüstung und auf Überforderung hingewiesen. Um die Zahl weiterer Ansteckungen in Alten- und Pflegeheimen einzudämmen, kommt jetzt das Gastgewerbe ins Spiel. euronews-Reporter Jaime Velazquez berichtet: „In Hotels wie diesem haben dutzende Bewohner von Pflegeeinrichtungen die Möglichkeit erhalten, den besonders von der Pandemie betroffenen Orten zu entkommen.“

Bis zu 200 Menschen werden in Madrid auf diese Weise in Hotels untergebracht. Allerdings ist die Aufrechterhaltung der Pflegeleistungen eine Herausforderung. „Wir haben 35 Angestellte und zwölf Bewohner. Das sind ungefähr drei Angestellte pro Bewohner. Das ist schwierig, doch wir wollen beweisen, dass das geht“, so die Hotelangestellte Marina Cendrero.

Das Ehepaar Mari und Juan Ángeles wurde von einem Altenheim in ein Hotel umquartiert. Das Zimmer kann sich sehen lassen und bietet einen tollen Ausblick auf die Stadt. Aber: „Drei meiner Freunde sind gestorben. Einem weiteren geht es schlecht. Er sagte: Ich komme hier nie heraus. Er dachte, es sei für ihn vorbei, er wurde dann doch dort weggebracht“, sagt Juan Ángeles.

Andere machen schon Pläne für die Zeit danach. „Wenn ich wieder frei bin, gehe ich auf den Plaza Mayor und esse Tintenfisch mit Brot und Trinkschokolade mit Churros. Noch davor möchte ich meine Enkel wiedersehen, auch wenn ich sie nicht berühren darf“, so Maria Rivas Arroyo.