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Welche Gefahr geht von Leichen der an Covid-19 Verstorbenen aus?

Sabatino Di Girolamo,Francesco Di Girolamo,Marisa Di Felice
Sabatino Di Girolamo,Francesco Di Girolamo,Marisa Di Felice   -   Copyright  Domenico Stinellis/Ap
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Im italienischen Bergamo waren viele entsetzt über die Bilder: eine ganze Reihe von Armeefahrzeugen transportierten Särge durch die Stadt. In Ecuador lagen die Leichen tagelang in den Straßen von Guayaquil, weil die Bestatter es nicht schafften, die vielen an Covid-19 Verstorbenen abzuholen. Mit Kühllastern versuchten die Krankenhäuser in New York während des Höhepunkts der Coronavirus-Krise im April ähnliche Bilder zu vermeiden.

In ganz Europa - fast auf der ganzen Welt - wurden zur Eindämmung der Pandemie Abstandsregeln eingeführt, auch die Zahl der Menschen, die an Beerdigungen teilnehmen dürfen, ist vielerorts begrenzt. Die Art und Weise, wie mit den Leichen der in Zusammenhang mit dem Coronavirus Gestorbenen umzugehen ist, ist in verschiedenen Ländern unterschiedliche geregelt.

In Frankreich müssen die Leichen so schnell wie möglich in "hermetisch schließende" Säcke oder Särge gesteckt werden. Die Behörden haben Regeln erlassen, wie die Angehörigen eventuell das Gesicht der Verstorbenen noch einmal sehen dürfen. In den Richtlinien heißt es: "Das Infektionsrisiko verschwindet nicht sofort mit dem Tod eines infizierten Patienten, aber die Übertragungsweise ist reduziert, insbesondere über die Atemwege, die der primäre Übertragungsweg von CoV-2 SARS sind."

In Großbritannien haben Pathologen Guidelines aufgestellt, wie mit Covid-19-Toten umgegangen werden soll - und welche Schutzkleidung Rechtsmediziner tragen sollten. Dabei sind Leichensäcke - sogenannte "body bags" - keine Pflicht, werden aber als "sinnvoll" angesehen.

Wie lange geht eine Gefahr von den Leichen der an Covid-19 Verstorbenen aus?

"Eine Leiche könnte zumindest Stunden oder sogar Tage nach dem Tod des Patienten ansteckend sein", erklärte Dr. Otto Yang, Professor für Medizin, Mikrobiologie, Immunologie und Molekulargenetik an der David Geffen School of Medicine in den Los Angeles. "Das Virus wird immer in Atemwegssekreten vorhanden sein und könnte sich möglicherweise in Zellen vermehren, die in der Lunge noch nicht abgestorben sind."

Besondere Regeln gelten deshalb auch für Rechtsmediziner, die Leichen von Coronavirus-Patienten obduzieren. In Thailand soll sich im März 2020 ein Pathologe bei der Arbeit infiziert haben.

Virus 5 Tage nach dem Tod nachgewiesen - doch war es noch aktiv?

Wissenschaftler haben herausgefunden, dass das Coronavirus auch mehrere Tage nach dem Tod eines Patienten noch im Körper nachgewiesen werden kann. Im Gespräch mit LE PARISIEN erklärte der Leiter der Abteilung für pathologische Anatomie und Rechtsmedizin am Raymond-Poincaré-Krankenhaus in Garches: "Selbst nach einem Zeitraum von fünf Tage zwischen Tod und Autopsie war das Virus noch nachweisbar, obwohl die RNA (d. h. die vom Virus freigesetzte Säure) in der Regel ein relativ fragiles Molekül in der postmortalen Phase ist. Aber der Post-Mortem-Nachweis des Virus bedeutet nicht unbedingt, dass das Virus noch aktiv ist."

Eine ähnliche Problematik gibt es bei Rückständen des Virus, die auf Flächen wie Türgriffen oder Haltestangen in öffentlichen Verkehrsmitteln gefunden werden. Der Virologe Hendrick Streeck geht in der Heinsberg-Studie davon aus, dass die zum Beispiel an Türen in Haushalten von an Covid-19 erkrankten Personen gefundenen Viren kaum noch als infektiös zu betrachten sind.

Wichtige Erkenntnisse durch Obduktionen

Ein Team des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) hat vor Kurzem eine Studie veröffentlicht, die anhand der Obduktionen von an Covid-19 Verstorbenen nachweist, dass diese vor allem an Thrombosen gestorben sind. Die Forscher sind der Ansicht, dass meinen, dass auch in Deutschland meist wohl aus Angst vor Infektionen nicht genug Obduktionen von Covid-19-Toten durchgeführt werden. Die Untersuchung der Leichen sei für neue Erkenntnisse über die Krankheit extrem wichtig.