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Sommerurlaub 2020: "Bald mehr Masken als Quallen im Mittelmeer"?

Qualle oder Gesichtsmaske? Beim Baden in diesem Sommer ist Vorsicht geboten.
Qualle oder Gesichtsmaske? Beim Baden in diesem Sommer ist Vorsicht geboten.   -   Copyright  Laurent Lombard / Opération Mer Propre
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Benutzte und entsorgte Schutzmasken und Gummihandschuhe, die den Meeresboden verunreinigen: Könnte dies das neue hässliche Gesicht unserer Küsten nach der Coronavirus-Pandemie sein?

Die französische Umwelt-NGO Opération Mer Propre (Operation Sauberes Meer) schlägt Alarm wegen einer neuen Art von Abfall, der zusätzlich zur bereits verheerenden Verschmutzung durch Plastik auf die Weltmeere zukommmt.

"Das ist erst der Anfang", sagte der Mitbegründer der Gruppe, Joffrey Peltier, gegenüber Euronews.

Bei einem Tauchgang in der Nähe des Ferienortes Antibes an der Französischen Riviera, um Müll zu entsorgen, fand die NGO Gesichtsmasken und Handschuhe, die neben anderem Müll, wie leeren Bechern und Bierdosen, auf dem Mittelmeerboden lagen.

Der Gründer der Organisation, Laurent Lombard, ein Video von dem Tauchgang veröffentlichte, schrieb dazu: "Möchten Sie diesen Sommer mit COVID-19 ein Bad nehmen?"

Er warnte davor, dass es bald "mehr Masken als Quallen in den Gewässern des Mittelmeers" geben könnte.

Von der Straße ins Meer

Wenn Abfall nicht ordnungsgemäß in einen Mülleimer geworfen wird, sondern auf die Straße oder auf dem Bürgersteig landet, fällt er normalerweise in eine Rinne, vermischt sich mit Regenwasser und wird in einen Fluss oder ins Meer gespült, erklärte Peltier.

"Alles, was es braucht, ist ein wenig Wind oder Regen, und alles landet direkt im Meer", sagte er.

Opération Mer Propre fordert die Menschen auf, sich verantwortungsbewusst zu verhalten und die Straßen nicht länger zu verschmutzen. Sie plädiert auch für eine Abkehr von Einwegmasken, Plastikhandschuhen und -behältern, um die Verschmutzung an der Quelle zu reduzieren.

"Natürlich müssen wir uns vor COVID-19 schützen, aber ich glaube nicht, dass Plastik die angemessene Lösung ist", sagte Peltier.

"Wir können wiederverwendbare Masken tragen und unsere Hände mit Seife waschen, anstatt hydroalkoholisches Gel zu verwenden, weil wir jetzt auch anfangen, diese Gelflaschen im Meer zu finden.

Ein Abgeordneter in der Region Alpes-Maritimes, Eric Pauget, hat vorgeschlagen, das Bußgeld für die Vermüllung eines öffentlichen Platzes mit Masken von derzeit 68 Euro auf 300 Euro zu erhöhen.

Peltier begrüßte die Idee, äußerte aber Zweifel an ihrer Durchsetzung.

"Vielleicht müssen wir eine Umweltpolizei schaffen", sagte er.

Die Ozeane schützen

Regierungen und führende Umweltpolitiker haben in der vergangenen Woche eine Online-Konferenz zum Schutz der Weltmeere abgehalten.

Gastgeber der fünftägigen Virtual Ocean Dialogues waren das Weltwirtschaftsforum und Friends of Ocean Action. In diesem Jahr liegt der Schwerpunkt auf der Bekämpfung der Wasserverschmutzung und dem Aufbau einer sogenanntenn Blue Economy. Außerdem wurde UpLink ins Leben gerufen, eine neue Plattform, um Ideen für Nachhaltigkeitsprojekte zu sammeln.

"Meine Hoffnung ist, dass wir keine Zeit damit verbringen, den Patienten zu diagnostizieren, sondern dass wir nach Lösungen suchen und uns daran erinnern, dass der Ozean (...) Teil unserer menschlichen Gesundheit und unseres menschlichen Reichtums ist", sagte Kristian Teleki, der Direktor der Friends of Ocean Action, gegenüber Euronews.

Die UNO schätzt, dass jedes Jahr 13 Millionen Tonnen Plastik in den Ozean gekippt werden und dass die Hälfte des weltweit produzierten Plastiks von Einwegartikeln stammt.

Der Anblick von weggeworfenen Masken, die das Mittelmeer verunreinigen, steht in scharfem Kontrast zu positiveren Bildern der Natur, wo die Maßnahmen gegen das Coronaviren positive Auswirkungen hatten. Die Einwohner von Venedig haben beispielsweise bemerkt, wie viel sauberer die Kanäle der Stadt ohne Touristen und Bootsverkehr sind.

"Einige der Dinge, die wir in Venedig gesehen haben, lassen uns hoffen, dass kleine Verhaltensänderungen eine große Wirkung haben können", sagte Teleki.