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Wirecard meldet Insolvenz an

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Firmensitz Wirecard, Aschheim
Firmensitz Wirecard, Aschheim   -   Copyright  Peter Kneffel/dpa via AP
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Wirecard ist pleite. Der in einen milliardenschweren Bilanzskandal verwickelte Münchner Zahlungsdienstleister will wegen Überschuldung und drohender Zahlungsunfähigkeit Insolvenz anmelden, so der Vorstand in einer Mitteilung. Der gesamte Konzern könnte betroffen sein. Man wolle prüfen, ob auch Tochtergesellschaften in Insolvenz gehen müssen. Weltweit beschäftigt Wirecard knapp 6000 Menschen.

An der Frankfurter Börse kam es zu Panikverkäufen: Die Wirecard-Aktien hatten in den vergangenen sieben Tage bereits neunzig Prozent ihres Wertes verloren. Unter den Leidtragenden sind sehr viele Kleinaktionäre.

Mutmaßliche Luftbuchungen über 1,9 Milliarden Euro

Vorstandschef Markus Braun war am Freitag zurückgetreten und am Montag in München verhaftet worden. Er wurde nach einer Nacht in Untersuchungshaft gegen eine Kaution von fünf Millionen Euro freigelassen. Ihm wird vorgeworfen, Einnahmen vorgetäuscht haben, um die Bilanzsumme und Umsätze seines Unternehmens aufzublähen.

Im Zentrum des Skandals stehen zudem der ehemalige Finanzchef in Südostasien und ein Treuhänder, der für fiktive Geschäfte mit Drittfirmen verantwortlich gewesen sein soll. Insgesamt geht es um mutmaßliche Luftbuchungen in Höhe von 1,9 Milliarden Euro.

BaFin-Chef: "Komplettes Desaster"

Die ersten Vorwürfe gegen das als innovativ geltende Digitalunternehmen waren bereits Anfang 2019 aufgetaucht. Der Chef der deutschen Finanzaufsicht Bafin, Felix Hufeld räumte im Umgang mit den Vorwürfen am Montag Fehler ein. Er sprach von einem "kompletten Desaster" und gab sich selbstkritisch: "Wir sind nicht effektiv genug gewesen, um zu verhindern, dass so etwas passiert", räumte der Behördenpräsident in Frankfurt ein. "Wir befinden uns mitten in der entsetzlichsten Situation, in der ich jemals einen Dax-Konzern gesehen habe." Wichtig sei nun rasche Aufklärung.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) warnte vor einem Imageverlust für den Wirtschaftsstandort Deutschland und forderte eine rasche Aufklärung des Vorfalls. "Es muss ermittelt werden, wie es dazu kommen konnte, dass sich offenbar Milliardenbeträge in Luft aufgelöst haben, oder möglicherweise nie da waren", sagte der Minister dem Nachrichtenportal "t-online.de". "Und es muss herausgefunden werden, ob die bestehenden gesetzlichen Bestimmungen eingehalten wurden - oder ob jemand dafür auch juristisch zur Rechenschaft gezogen werden muss." Ein solcher Fall dürfe sich mit Blick auf das Vertrauen in den Bankenstandort Deutschland so schnell nicht wiederholen, sagte Altmaier.