Eilmeldung
This content is not available in your region

Kolonialherrschaft im Kongo: König Philippe drückt Bedauern aus

euronews_icons_loading
Eine Statue des Kolonisators Leopold II.
Eine Statue des Kolonisators Leopold II.   -   Copyright  Virginia Mayo/AP
Schriftgrösse Aa Aa

Der belgische König Philippe hat sein Bedauern für Gewalt und Unterdrückung während der belgischen Kolonialherrschaft im Kongo ausgedrückt. Zum 60. Jahrestag der Unabhängigkeit des Kongo schrieb der Monarch in einem Brief an den Präsidenten des afrikanischen Landes, zu Zeiten des Freistaats Kongo, als das Land Privatbesitz Leopolds II. war, seien grausame Taten verübt worden. Auch die darauffolgende Kolonialzeit habe Leid und Erniedrigungen hervorgebracht, deren Schmerz heute durch die weiterhin viel zu sehr präsenten Diskriminierungen wiederlebt werde.

Philippe ist der erste König des Landes, der sich entschuldigend in Bezug auf die Kolonialzeit äußert. Auch die belgische Ministerpräsidentin Sophie Wilmès nahm Bezug auf die Gewaltherrschaft. "Belgien hat eine gemeinsame Geschichte mit dem Kongo", so Wilmès. "Im Jahr 2020 sollten wir in der Lage sein, diese Vergangenheit mit Klarheit und Überlegtheit zu betrachten. Eine Vergangenheit, die von Ungleichheit und Gewalt gegenüber den Kongolesen geprägt ist." Um die Vergangenheit aufzuarbeiten, müsse der Schmerz des Anderen anerkannt werden, so die Regierungschefin.

Wilmès wünschte dem Kongo eine schöne Feier zum Unabhängigkeitstag

Félix Antoine Tshisekedi Tshilombo, der Präsident der Demokratischen Republik Kongo (DRK) rief zu einer gemeinsamen Vergangenheitsbewältigung auf. Die gemeinsame Geschichte solle wissenschaftlich von Historikern aus beiden Ländern aufgearbeitet werden, so Tshisekedi bei seiner Ansprache zum Unabhängigkeitstag. "Aber das Wichtigste für die Zukunft sind harmonische Beziehungen zu Belgien."

Die Black-Lives-Matter-Bewegung hatte auch in Belgien die Verbrechen der Kolonialgeschichte aufs Tableau gebracht. Statuen Leopolds II. waren beschmiert worden.

Leopold II. kolonialisierte das Land 1885 und gründete den Freistaat Kongo. Er beutete das Land gnadenlos aus, acht bis zehn Millionen Kongolesen sollen nach Schätzungen von Historikern unter seiner Herrschaft ums Leben gekommen sein - knapp die Hälfte der damaligen Bevölkerung. Anschließend war das Gebiet bis 1960 belgische Kolonie.