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Madrid: Covid-19 macht Kult-Flohmarkt den Garaus

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Madrid: Covid-19 macht Kult-Flohmarkt den Garaus
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Fünf Monate lang war der Flohmarkt El Rastro im Madrider Stadtviertel La Latina geschlossen. Die Kaufleute fordern nun, dass die Hälfte der Stände wieder öffnen darf. Die Stadt hingegen will, dass der Großteil des Marktes umzieht. Eine 300jährige Tradition fände damit ein Ende.

"Das ist eine Verbundenheit, die respektiert werden muss. Ich verkaufe hier seit 40 Jahren", so der Sprecher der Händlervereinigung Pedro Santos. Und ein anderer Händler sagt: "Ein Umzug wäre das Ende des Rastro. Und wer die Geschichte der Stadt kennt, weiß, dass Verlorenes nicht wiederkehrt."

Stadt will Besucherzahl deckeln

Der Second-Hand-Markt El Rastro ist bei Touristen äußerst beliebt. Vor der Coronaviruspandemie kamen jeden Sonntag rund 100.000 Besucher. Die Stadt will ihre Zahl in Zukunft limitieren - das bedeutet wirtschaftliche Einbußen. Händlerin Francisca Gutiérrez sagt: "Die Händler sind ruiniert, einige müssen sogar gemeinnützige Hilfe in Anspruch nehmen."

In Madrid hat Juan Carlos de Santos mit den Händlern gesprochen: "Der Bürgermeister der Stadt hat versprochen, Zäune aufstellen zu lassen und Polizisten einzusetzen. Auch solle der Markt letztlich an seinen Ursprungsort zurückkehren. Noch aber sprechen die leeren Straßen des Marktes eine deutliche Sprache."

Auf Twitter werden dieser Tage Bilder aus geschäftigeren Zeiten gepostet:

Umsatzeinbußen vor Ort, mehr Handel online

Betreiber ähnlicher Stände in anderen Teilen der Stadt beklagen einen Umsatzeinbruch von 70 Prozent. Juan Francisco Gonzalez gehört der Laden Second-Hand-Laden "Sostenible": "Plötzlich kaufen Kunden online, die das vorher nie getan haben. Ein Kauf ohne Zwischenhändler. Es geht von Verkäufer direkt zum Käufer."

Viele Händler haben ihrerseits nachgezogen und bieten Waren nun auf Online-Plattformen an. Deren Betreiber wiederum verzeichnen erhöhte Werbeeinnahmen. Magalí Rey ist Markenmanagerin der Plattform "Milanuncios". Sie gibt sich optimistisch: "Unsere Zahlen sind auf Vorkrisenniveau. Im Vergleich zum Vorjahresmonat sogar 20 Prozent mehr."

Und José Luis Zimmermann Generaldirektor von "Adigital" sagt: "Mit all diesen Schutzmaßnahmen gegen Covid-19 im realen Leben wendet sich der Käufer dem direkten Handel zwischen Privatpersonen zu. Das war in jeder bisherigen wirtschaftlichen Krise der Fall."

Die Händler hoffen, dass diese Entwicklung dem Second-Hand-Geschäft am Ende zugute kommen wird.