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Militärputsch in Mali - Präsident Keïta erklärt Rücktritt

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Militärputsch in Mali - Präsident Keïta erklärt Rücktritt
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Nach einem mutmaßlichen Putschversuch des Militärs in Mali hat Präsident Ibrahim Boubacar Keïta seinen Rücktritt erklärt. In einer Fernsehansprache am frühen Mittwochmorgen kündigte er auch die Auflösung des Parlaments an.

Ibrahim Boubacar Keïta: "Ich möchte heute dem Volk von Mali für seine Unterstützung während der langen Jahre, für die Wärme und Zuneigung danken und Ihnen meine Entscheidung mitteilen, dass ich ab sofort von allen meinen Ämtern zurücktrete."

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In der Garnisonsstadt Kati, rund 15 Kilometer von der Hauptstadt Bamako, gab es eine MeutereiEuronews

Am Dienstag hatten Soldaten bei einer Meuterei in der Garnisonsstadt Kati, rund 15 Kilometer von der Hauptstadt Bamako entfernt, Präsident Keïta und weitere Mitglieder seiner Regierung festgenommen.

Die Krise hatte wegen Gehaltsforderungen von Soldaten begonnen und sich nach monatelangen regierungsfeindlichen Protesten nun offenbar zu einer Machtergreifung entwickelt.

Keïta war 2018 für eine zweite Amtszeit gewählt worden. Aber seine Popularität sank, dem Präsidenten wurden Korruption und Wahlmanipulationen vorgeworfen. Außerdem wird er dafür kritisiert, dass er den islamistischen Terror nicht in den Griff bekomme.

In den vergangenen Monaten gab es teilweise gewalttätige Proteste im Land. In Bamako gab es am Dienstag der US-Botschaft zufolge Berichte von Soldaten, die durch die Stadt fuhren und in die Luft schossen. Zudem gebe es Berichte über Demonstranten, die sich in der Stadt versammelten. Zuvor hatten mehrere westliche Botschaften vor Spannungen und Unruhen gewarnt und ihren Bürgern vor allem in Bamako geraten, Zuhause zu bleiben.

Regierungskritische Demonstranten reagierten mit Jubel auf den Rücktritt des Präsidenten. Einer der Demonstranten, Mamadou Traoré, meint: "Ganz Mali ist befreit worden, das malische Volk ist wirklich sehr glücklich. Es gibt hier keine Bildung, keine Gesundheit, keine Sicherheit."

Internationale Gemeinschaft kritisiert den Putsch und ist besorgt

Die internationale Gemeinschaft zeigt sich besorgt über die Lage in Mali und kritisiert den Militärputsch.

Der deutsche Außenminister Heiko Maas und UN-Generalsekretär António Guterres forderten die Freilassung der festgesetzten Regierungsmitglieder.

Heiko Maas erklärte: „Wir verurteilen entschieden den Versuch, in Mali eine verfassungswidrige Machtübernahme durch das Militär herbeizuführen."

Mali ist der gefährlichste Auftrag der Bundeswehr

In dem Land sind auch deutsche Soldaten als Teil der UN-Stabilisierungsmission Minusma sowie der EU-Ausbildungsmission EUTM Mali im Einsatz. Im Mai hatte der Bundestag mit großer Mehrheit für eine Ausweitung der Beteiligung deutscher Soldaten an der EUTM-Mission gestimmt. Minusma soll den Friedensprozess in Mali unterstützen, nachdem der Norden des Landes im Jahr 2012 vorübergehend in die Hände islamistischer und anderer Rebellengruppen geraten war, bevor Frankreich militärisch eingriff. Die UN-Mission gilt als der gefährlichste derzeit laufende Auftrag der Bundeswehr.

In Mali - sowie anderen Ländern der Sahelzone - sind etliche islamistische Terrorgruppen aktiv, einige haben dem Islamischen Staat (IS) oder Al-Kaida die Treue geschworen. Bereits rund 250.000 Menschen wurden aufgrund anhaltender Angriffe allein in Mali vertrieben.