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System versagt: 1. bundesweiter Warntag sorgt für Hohn und Spott

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Blaulicht und Martinshorn am Samstag, 13. Sept. 2008, auf dem Dach eines Feuerwehrautos
Blaulicht und Martinshorn am Samstag, 13. Sept. 2008, auf dem Dach eines Feuerwehrautos   -   Copyright  Eckehard Schulz/AP
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Mehr als 30 Jahre ist es her, dass es in Deutschland zum letzten Mal einen landesweiten Probealarm gegeben hat. Am Donnerstag um 11 Uhr fand der groß angekündigte erste, bundesweite Warntag seit Ende des Kalten Krieges statt.

Das Ziel: die Bevölkerung mit dem Warnsystemen vertraut machen und sie so besser auf Gefahrensituationen wie Naturkatastrophen, terroristische Bedrohungen oder Chemieunfälle vorbereiten.

Wie erfolgt die Warnung?

Im Ernstfall soll aus einem Mix auf verschiedenen Kanälen kommuniziert werden, dazu gehören neben klassischen Sirenen oder Lautsprecherdurchsagen auch Mitteilungen über Soziale Netzwerke, digitale Warntafeln und Warn-Apps für das Handy. Gegenüber Spiegel Online erklärte Christoph Unger, Präsident des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK), dass das Warnsystem in Deutschland längst nicht alle Menschen erreiche. Die Bevölkerung sei sehr unvorbereitet, was Katastrophen angehe.

Warum gerade jetzt: Drohen mehr Gefahren?

Tatsächlich drohen gerade bei Natureignissen mehr Gefahren. BKK-Chef Unger erklärte, dass es immer "ungemütlicher" werde, wenn man sich mit dem Themenkomplex "Folgen des Klimawandels" beschäftige. In der vergangenen Dekade hatten Unwetter vermehrt große Schäden angerichtet.

Deutschland warnt, und keiner kriegts mit

Doch in vielen Teilen des Landes war nichts zu hören, Sirenen sind vielerorts nicht mehr vorhanden oder nicht funktionsfähig.

Neben Sirenen und Durchsagen per Lautsprecher sollten auch zeitgemäße Warnmöglichkeiten für den Katastrophenfall wie etwa die bundeseigene Handy-Warn-App NINA getestet werden.

NINA warnte wenn überhaupt 30 Minuten zu spät. Nutzer der App machten sich auf Twitter über den verspäteten Alarm lustig. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe räumte eine Überlastung des Systems ein.

Euronews-Korrespondentin Jessica Saltz berichtet aus Berlin:

"Hier in Berlin ist es um 11 Uhr still geblieben, denn seit den 90ern gibt es in der Hauptstadt keine Zivilschutzsirenen mehr. Berlin ist dafür zu dicht besiedelt, sagt der Senat, man könnte vor Gefahren nicht genau genug warnen. Auch die Warn-Apps haben nicht richtig funktioniert - es darf also weiter geprobt werden. Der bundesweite Warntag soll künftig jedes jahr am zweiten Donnerstag im September stattfinden".

Diese Nutzerin postete die lauten Sirenen, die bei ihr in Köln deutlich zu hören waren: