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"Weder Opfer noch schuldig": Beste Freunde

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Simon Gronowski und Koenraad Tinel
Simon Gronowski und Koenraad Tinel   -   Copyright  KENZO TRIBOUILLARD/AFP or licensors
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Simon Gronowski und Koenraad Tinel verbindet eine einzigartige Freundschaft. Die beiden Belgier sind Kinder des Zweiten Weltkriegs.

Simon überlebte als einziges Mitglied einer jüdischen Familie die Deportation. Koenraad bezeichnet sich als "Nazi-Kind". Als sich ihre Wege viel später im Leben kreuzten, war es Freundschaft auf den den ersten Blick.

"Du bist viel mehr als ein Freund für mich, Du bist mein Bruder!", sagt Simon Gronowski. "Ich weiß, wir nennen uns gegenseitig Bruder", bestätigt Koenraad Tinel.

"Kinder von Nazis trifft keine Schuld"

Die außergewöhnliche Freundschaft wurde vor wenigen Tagen von der Freien Universität in Brüssel mit einem Ehrendoktortitel ausgezeichnet - als Symbol für menschliche Werte wie Toleranz und Solidarität.

Die Begegnung der beiden Männer kam erst im Alter beinah zufällig auf Initative eines belgischen Jugendlichen zustande, der die Autobiografien beider Männer gelesen und Parallelen festgestellt hatte.

Koenraad: "Als wir uns zum ersten Mal trafen, gab ich ihm die Hand und sagte: 'Ich habe Ihre Geschichte gelesen und geweint.' Darauf sagte er: 'Kinder von Nazis trifft keine Schuld.' Das war eine wunderbare Botschaft für mich, denn es bedeutete, meine Familie war schuldig, aber nicht ich. Das war eine enorme Erleichterung."

Vergebung auf dem Totenbett

Simon überlebte, weil ihn seine Mutter in letzter Sekunde aus dem Zug nach Auschwitz schubste. Koenraad , der "Nazi-Sohn" wurde Künstler und trug schwer an der geerbten Schuld.

Koenraads Vater sollte nie irgendetwas bereuen. Sein Bruder hingegen, der als junger Mann belgische Deportationslager bewachte, bat Simon auf dem Totenbett um Vergebung. Simon kam und umarmte den Sterbenden.

Die beiden sind sich damals begegnet. Simon war in einer dieser Kasernen eingesperrt. "Ich verließ den Unglücksort und wurde von Soldaten mit Helmen und Gewehren eskortiert, sein Bruder war einer von ihnen, das war seine Aufgabe. Gemeinsam mit diesen Soldaten brachte er mich in den Todeszug. Als Koenraads Bruder darum bat, mich zu sehen, war ich einverstanden. Und es hat mir sehr gutgetan."

Ihre Freundschaft, die seit nunmehr acht Jahren andauert, mündete in ein gemeinsames Buch: "Ni victime, ni coupable " Enfin libérés ", auf Deutsch übersetzt: "Weder Opfer noch schuldig. Endlich befreit"...