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30 Jahre Deutsche Einheit: "Ossi, Wessi, das spielt keine Rolle mehr"

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Verlassener Grenzturm in Unterweid, Thüringen
Verlassener Grenzturm in Unterweid, Thüringen   -   Copyright  Michael Probst/ Associated Press
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30 Jahre Deutsche Einheit - während sich viele noch an das geteilte Deutschland erinnern, an das Leben vorher und an das Leben danach, gibt es mittlerweile auch immer mehr junge Deutsche, die mit der Teilung wenig anfangen können. Was verbinden sie mit dem deutschen Nationalfeiertag am 3. Oktober? Wem sind die historischen Ereignisse noch präsent und für wen spielen sie keine Rolle mehr?

Wir haben mit Thomas Rippe gesprochen. Er ist 34 und arbeitet als Geschichtslehrer an einer integrierten Gesamtschule in Niedersachsen. Deutsche seiner Generation hätten wenig Verbindung zum Tag der Deutschen Einheit, sagt er. Ein Kollege von ihm wundere sich sogar jedes Mal am 3. Oktober wenn er vor verschlossenen Ladentüren stehe. "Es ist anders als in Frankreich, wo man sieht, wie die Leute am Nationalfeiertag abgehen und Fahnen schwenken. Die Deutschen sind da sehr viel reservierter."

"Dass es mal eine Grenze gab, verschwimmt immer mehr"

Jugendliche können heute mit der Teilung noch weniger anfangen, so die Erfahrung des Lehrers: "Zu meiner Jugendzeit gab es immer noch diese Ausprägung Ossi-Wessi, das war so um die 2000er und vielleicht auch noch in meiner Kindheit in den 90er-Jahren. Aber für meine Schüler spielt Ossi, Wessi, das spielt überhaupt keine Rolle mehr. Dass wir ein einiges Deutschland sind, wird so angenommen und dass es mal eine Grenze gab, das verschwimmt immer mehr."

Dass sich die Mauer in den Köpfen auch bei den Älteren langsam abbaut, bestätigt eine Studie der Otto-Brenner-Stiftung. Waren sich 1991 in Ost und West noch knapp ein Drittel fremd, sind es 27 Jahre später ein Fünftel. Ein Anteil, den die Autoren der Studie trotzdem als hoch einstufen und dem vor allem durch Bildung beizukommen sei.

Dabei ist es relativ einfach zu verstehen, wie die Situation für die jeweils andere Seite damals war, so Thomas Rippe, denn es gebe ja noch viele Dokumente aus der Zeit. Er versucht seinen SchülerInnen durch Zeitzeugenberichte, Zeitungsartikel und Videos verständlich zu machen, was die Überwindung der Teilung damals bedeutete. Sie lernten zu begreifen, was Ostdeutsche und Westdeutsche dachten. "Wie denkt der ostdeutsche Grenzer, wie der westdeutsche Bankier." So könnten sie sich ein eigenes Geschichtsbild schaffen. "Es gibt ja in der Geschichte nicht die eine Wahrheit. Es gibt nur verschiedene Perspektiven auf eine Entwicklung und das kann man anhand der deutschen Wiedervereinigung sehr gut thematisieren."

Ist die Einheit positiv? Unterschiedliche Wahrnehmung in Ost und West

Ob die Wiedervereinigung Wessis oder Ossis Vorteile gebracht gebracht hat, wird weiterhin unterschiedlich wahrgenommen. Generell sieht man im Osten mehr Vorteile für den eigenen Landesteil als im Westen. So fanden laut Otto-Brenner-Stiftung kurz nach der Wende nur ein Drittel der Westdeutschen, dass die Einheit positiv für den Westen ist. 27 Jahre später sind es etwas mehr als die Hälfte. Im Osten finden heute immerhin 35 Prozent, dass die Wiedervereinigung für sie nicht positiv war. Aber auch hier gilt: Je jünger die Menschen in den alten und neuen Bundesländern, desto größer ist die positive Einstellung.