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Konflikt um Bergkarabach: Besuch im Kampfgebiet

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Konflikt um Bergkarabach: Besuch im Kampfgebiet
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In der Konfliktregion Bergkarabach in Aserbaidschan dauern die Kämpfe an. Das aserbaidschanische Verteidigungsminsterium beschuldigte Armenien, verschiedene Städte in der Nähe der Demarkationslinie zu bombardieren. Tartar ist eine von ihnen. euronews ist der einzige ausländische Sender, der hier bisher hier filmen durfte, in Begleitung des aserbaidschanischen Militärs.

Dass dort Krieg herrscht, wird schnell deutlich, so euronews-Reporter Emin Ibrahimov. "Ich bin in Tartar. Hier ist gerade eine Granate explodiert. Sie traf erst ein Dach und ist dann auf die Straße heruntergefallen."

Auch in einer Einkaufsstraße gab es einen Angriff. "Hier ist eine armenische Rakete gelandet", so ein Bewohner, "da noch eine. Wir wohnen schon lange in Tartar und wir haben keine Angst davor, hier zu bleiben."

Verwüstete Häuser in Naftalan

Auch andere Städte wurden beschossen. Wir sind von Tartar nach Naftalan und dann nach Gandscha gefahren. In Naftalan sah zunächst alles normal und friedlich aus. Aber dieser Eindruck änderte sich schnell. Häuser wurden verwüstet, Fenster hatten Löcher von den Einschlägen.

Ibrahimov: "Als wir in Naftalan gedreht haben, hat jemand aus unserem Team in den Nachrichten gesehen, dass Gandscha, die zweitgrößte Stadt Aserbaidschans, bombardiert wurde. Wir wollen wissen, was dort passiert ist."

"Auf einmal flog die Tür aus den Angeln"

In Ganja sind wir auf weitere bombardierte Häuser und traumatisierte BewohnerInnen gestoßen. "Ich bin krank und ich war gerade am kochen für mich und meinen Sohn, der auch krank ist", so eine ältere Frau. "Auf einmal flog die Tür hinter mir aus den Angeln und auf den Boden. Als ich mich umdrehte, war alles zerstört."

Doch auch nach den Bombardierungen bleibt die Lage gefährlich. Ibrahimov fand eine 300-Millimeter-Smerch-Rakete, die nicht explodiert war, ein einem Garten, der offenbar zu einem bewohnten Haus gehört: "Man sieht einen Kinderwagen und andere persönliche Dinge. Ich vermute, dass die Familie zu Hause ist."

Auf der armenischen Seite gab es ähnliche Angriffe. Aserbaidschan und Armenien werfen sich gegenseitig vor, dass ZivilistInnen attackiert werden. Die armenische Seite spricht bisher von mehr als 200 Toten, darunter überwiegend Soldaten. Über Tote und Verletzte in den Reihen der aserbaidschanischen Streitkräfte gab es keine Angaben. Baku sprach von mehr als 24 getöteten Zivilisten seit Beginn der neuen Kämpfe. Außerdem habe es mehr als 120 Verletzte gegeben.

Der seit Jahrzehnten dauernde Konflikt zwischen den beiden ehemaligen Sowjetrepubliken war vor rund einer Woche wieder aufgeflammt. Es handelt sich um die schwerste Eskalation seit Jahren. Armenien und Aserbaidschan geben sich gegenseitig die Schuld dafür.