Eilmeldung
This content is not available in your region

Peru: Höchste Coronavirus-Sterberate wegen billiger Antikörper-Tests

Peru hat die höchste Coronavirus-Sterberate der Welt
Peru hat die höchste Coronavirus-Sterberate der Welt   -   Copyright  Rodrigo Abd/Copyright 2020 The Associated Press. All rights reserved.
Schriftgrösse Aa Aa

Der Andenstaat Peru hat gemessen an seiner Bevölkerungszahl von 33 Millionen Einwohnern die höchste Coronavirus-Sterberate der Welt.

Perus gefährliche Wette auf billige Coronavirus-Antikörper-Tests

Zum einen hat das schwache Gesundheitssystem in dem armen Land mehr als 33.000 Menschenleben gekostet. Der andere Grund ist, dass die Regierung auf billige Antikörper-Schnelltests aus China gesetzt hat, statt auf PCR - also molekulare Covid-19-Labortests - wie in anderen Ländern.

Im Gegensatz zu fast jeder anderen Nation hat sich Peru bei der Diagnose aktiver Fälle auf schnelle Bluttests für Antikörper verlassen - ein Zweck, für den sie nicht vorgesehen sind.

Mit Antikörpertests kann man herausfinden, ob jemand bereits mit dem Virus infiziert war, nicht aber, ob jemand aktuell mit dem Virus infiziert ist. Wenn er denn überhaupt funktioniert. Die Tests in Peru waren nach Aussage vieler Menschen minderwertig.

An einem Finger Covid-negativ, am anderen Finger Covid-positiv

Marco Mayo ist Beschäftigter im Baugewerbe und hatte sich über sein Testergebnis gewundert: "Ich hatte zwei Schnelltests an derselben Hand, an der linken, an verschiedenen Fingern, mit einem Zeitunterschied von maximal einer Stunde. Dabei kam an dem einen Finger mit einem Testkit ein negatives Ergebnis heraus und an dem anderen Finger mit einem anderen Testkit ein positives."

Olinda Silvano gehört zur indigenen Gemeinschaft der Shipibaan. Ein Bekannter von ihr ist an Covid-19 gestorben. Er hatte Fieber und Kopfschmerzen, die nicht weggehen wollten. Auf seiner Arbeitsstelle als Straßenreiniger wurde ein Schnelltest bei ihm durchgeführt. Olinda Silvano: "E__r sagte, er habe Fieber, aber der Covid-19-Test sei negativ gewesen. Wenn du Fieber hast, warum war der Test dann negativ, habe ich gesagt. Er meinte nur, dass der Test eben negativ war. Eine Woche später habe ich gehört, dass er tot ist."

Kaum ein Land in Südamerika investiert so wenig in sein Gesundheitssystem wie Peru

Im März hatte die Regierung 1,6 Millionen Tests gekauft - fast alle für Antikörper. In Peru gibt es nur wenig Laborkapazitäten. Die Regierung argumentiert, die Mortalität in Peru sei nur deshalb die höchste der Welt, weil kein anderes Land die Zahlen so offen kommuniziere. Die Ärzte sind der Meinung, dass der fehlerhafte Testansatz des Landes ein Grund dafür ist.

Kaum ein Land in Südamerika investiere so wenig in sein Gesundheitssystem wie Peru, sagen Experten.

Der stellvertretende Leiter des Nationalen peruanischen Gesundheitsinstituts, Victor Suarez, hat Fehler eingeräumt: "Wir haben 77 Prozent der Covid-19-Fälle mit Schnelltests erkannt. Hätte die Situation besser sein können? Hätten wir mehr molekulare Tests verwenden sollen? Ja."

In den USA schon vom Markt genommen, in Peru werden die Tests noch verwendet

Unabhängige, vom National Cancer Institute gesponserte Studien haben ergeben, dass einige der Schnelltests, die in den USA inzwischen vom Markt genommen wurden, aber in anderen Ländern wie Peru immer noch verwendet werden, nur eine geringe Genauigkeit bei den Ergebnissen haben.

In den frühen Tagen der Coronavirus-Pandemie standen die Gesundheitsbehörden in Peru vor dem Problem, dass Labore, Vorräte und Techniker fehlten, um umfangreiche Laboruntersuchungen durchzuführten. Die günstige Alternative versprach eine einfach durchzuführende Testung mittels Picks und Blutentnahme vom Finger und einem Ergebnis in nur wenigen Minuten.