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Immer wieder Gewalt: Trauriges Schicksal der Menschen in Berg-Karabach

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Zerstörtes Haus in Stepakankert im Oktober 2020
Zerstörtes Haus in Stepakankert im Oktober 2020   -   Copyright  AP/Copyright 2020 The Associated Press. All rights reserved
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Im Streit um Berg-Karabach haben sich Armenien und Aserbaidschan in den 90er Jahren einen zweijährigen Krieg geliefert. Es folgte ein Waffenstillstand, aber kein wirkliches Ende der Feindseligkeiten.

Die Enklave Berg-Karabach (auch: Bergkarabach oder Nagorny-Karabach oder Nargorno-Karabach) liegt innerhalb der international anerkannten Grenzen Aserbaidschans. Bewohnt wird das Gebiet aber vorwiegend von Armeniern. Der Name der Region bedeutet "Bergiges schwarzes Tal".

Die Gewalt flammt immer wieder auf

Seit mehreren Jahren ist dort ein De-facto-Staat entstanden, der aber international nicht anerkannt wird, die sogenannte Republik Arzach.

Immer wieder flammte die Gewalt erneut auf - zuletzt auch in Form von ferngesteuerten Drohnen und schwerer Artillerie, immer wieder beschuldigten sich beide Seiten gegenseitig, dafür verantwortlich zu sein.

Dabei wird Armenien von Russland und Aserbaidschan von der Türkei unterstützt.

Der aserbaidschanische Präsident Ilham Alijew sprach während der Kämpfe Anfang Oktober mit Euronews. Er sagte: "Ein Waffenstillstand kann nicht einseitig erreicht werden, er muss eine bilaterale Entscheidung sein, und er muss auch vor Ort umgesetzt werden. Wie Sie wissen, hat Armenien uns am 27. September attackiert, unsere militärischen Positionen angegriffen und unsere Infrastruktur beschädigt."

Der armenische Ministerpräsident Nikol Paschinjan wies diese Vorwürfe zurück und beschuldigte die Aserbaidschaner der ethnischen Säuberung. Auch er äußerte sich am 7. Oktober 2020 gegenüber Euronews: "Die internationalen Medien und die internationale Gemeinschaft verfügen über genügend Informationen, dass Armenien und Berg-Karabach diesen Krieg nicht begonnen haben, nämlich weil wir keine militärischen Ziele haben. Die Aufgabe, die wir uns stellen, ist eine politische Aufgabe. Unser einziges Ziel ist es, das armenische Volk vor einem weiteren Völkermord zu schützen."

Kampagnen beider Seiten im Internet

Nicht nur die Politiker, auch die Menschen stehen sich in diesem Konflikt oft unversöhnlich gegenüber. Das zeigt sich besonders in den sozialen Medien. Auf Facebook und Instagram nehmen viele - vor allem die, die aus Armenien oder Aserbaidschan ausgewandert sind - an Kampagnen teil, verbreiten Posts mit Fotos und Videos.

Dabei fühlen sie sich oft von den Medien ungerecht behandelt, glauben, dass das Leid der Angehörigen und die Gewalt gegen die eigene Seite nicht oder nicht genug dargestellt werden.

Zuletzt ging es in dem Konflikt um die strategisch wichtige Stadt Schuscha (auch: Şuşa), die zweitgrößte in Berg-Karabach, die die Armenier Schuschi nennen.

Einst war der Ort in etwa 1.500 Metern Höhe, in dem es auch Thermalquellen gibt, ein Luftkurort.

AP/Copyright 2020 The Associated Press. All rights reserved
Kämpfe bei Schuschi oder Schuscha in Berg-Karabach am 7. November 2020AP/Copyright 2020 The Associated Press. All rights reserved

Schätzungen zufolge sind bei den jüngsten Kämpfen auf armenischer und aserbaidschanischer Seite jeweils mehr als tausend Menschen getötet worden.

Tausende Familien sind vor den Kämpfen geflohen und mussten ihre zerstörten Häuser verlassen.