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Weltweite Proteste gegen “Kavaliersdelikt” Gewalt gegen Frauen

Von su mit dpa
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Weltweite Proteste gegen “Kavaliersdelikt” Gewalt gegen Frauen
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Jeder vierte Mensch findet es ganz ok, wenn ein Mann seine Frau schlägt – wird eine UNO-Studie von Anfang des Jahres zitiert („Berliner Zeitung“). Gegen die Verharmlosung dieser Gewalt als „Kavaliersdelikt“ wandten sich am „Internationalen Tag zur Beseitigung der Gewalt gegen Frauen“ weltweit Protestgruppen – trotz Corona. Oder wegen Corona: Gerade während erzwungener häuslicher Quarantäne brechen offenbar in vielen Partnerschaften Konflikte auf, häufen sich Übergriffe.

FRANKREICH

Eine Gewerkschafterin demonstrierte in Paris, Place de la Republique, gegen sexuelle und Partnerschafts-Gewalt.

Murielle Guilbert, Gewerkschaft Solidaires:

"Es ist immer noch erlaubt, sexistisch zu sein, und es ist immer noch zulässig, gegen Frauen Gewalt anzuwenden. Ein Glück, dass das bekämpft wird, ein Glück, dass weltweit viele dagegen auf die Straßen gegangen sind. Aber es ist klar, dass die Maßnahmen dagegen bisher weithin nicht ausreichen."

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In einem Tweet des französischen Gleichstellungsministeriums heißt es: "Alle zwei Tage stirbt eine Frau durch die Gewalt eines Partners oder Ex-Partners."

Und die Regierung stellte Notrufnummern und Websites dazu, an die sich jeder wenden kann, besonders während der Corona-Sperren.

UKRAINE

In der Ukraine forderte eine einzelne Aktivistin der Bewegung Femen das Land auf, die Istanbul-Konvention zu ratifizieren. 34 Mitgliedstaaten haben diesen Menschenrechtsvertrag des Europarates gegen häusliche Gewalt verabschiedet.

Anna Alyain, Femen-Aktivistin:

"Wir glauben, dass Gewalt gegen Frauen eine Verletzung der Menschenrechte darstellt und eine Diskriminierung. Die Istanbul-Konvention hält das fest. Heute fordern wir, dass die Ukraine diese Konvention endgültig ratifiziert."

TÜRKEI

In der Türkei beteiligten sich tausende Frauen an den friedlichen Kundgebungen rund um den Globus und prangerten Gewalt gegen Frauen an.

In der Türkei sind Aktivisten zufolge seit Anfang des Jahres 269 Frauen ermordet worden. Täter seien in den meisten der Fälle zwischen Januar und Mitte November Partner oder ehemalige Partner gewesen, sagte Fidan Ataselim von der türkischen Organisation «Frauenmorde stoppen». Weil Frauen durch zeitweise Ausgangssperren in ihren Häusern eingesperrt seien, habe die Gewalt gegen sie zugenommen. Das zeige sich unter anderem daran, dass sich mehr Frauen bei Hilfe-Telefonen meldeten, so Ataselim.

Die Istanbul-Konvention wurde 2011 vom Europarat ausgearbeitet und soll einen europaweiten Rechtsrahmen schaffen, um Gewalt gegen Frauen zu verhüten und zu bekämpfen.

Führende Kräfte der Vereinten Nationen und Europas hatten die Pandemie als einen zusätzlichen Auslöser häuslicher Gewalt beklagt.

su mit dpa