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Frankreichs Altpräsident Giscard d'Estaing ist tot

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Januar 2020
Januar 2020   -   Copyright  Michel Euler/Copyright 2020 The Associated Press. All rights reserved
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Der frühere französische Staatschef Valéry Giscard d'Estaing ist tot. Der Zentrumspolitiker, der von 1974 bis 1981 im Élyséepalast amtiert hatte, starb im Alter von 94 Jahren, wie das Umfeld des Altpräsidenten am späten Mittwochabend bestätigte.

Die Fondation Valéry Giscard d'Estaing twitterte, er sei an den Folgen von Covid-19 gestorben. Die Beisetzung solle im Familienkreis stattfinden. Ein Termin wurde nicht genannt.

Der Altpräsident war Mitte November in der Kardiologie im westfranzösischen Tours behandelt worden, hatte das im Krankenhaus aber nach wenigen wieder verlassen.

Bereits im September war Giscard d'Estaing wegen einer Lungenentzündung in einem Pariser Krankenhaus behandelt worden.

Enge Beziehung zu Deutschland

Giscard war überzeugter Europäer und äußerte sich in der französischen Öffentlichkeit bis ins hohe Alter zu EU-Fragen. In den 1970er Jahren bildete er mit dem damaligen Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) ein vorbildhaftes deutsch-französisches Duo.

Giscard d'Estaing hatte auch persönlich eine enge Beziehung zu Deutschland. Er wurde am 2. Februar 1926 in Koblenz im damals französisch besetzten Rheinland geboren. Nach dem Zweiten Weltkrieg absolvierte er die französische Elitehochschule ENA. Er stieg dann zum Wirtschafts- und Finanzminister auf. Nach dem Tod von Präsident Georges Pompidou wurde er dann im Alter von 48 Jahren in das höchste Staatsamt gewählt.

Der hochgewachsene Franzose mit einem aristokratischen Auftreten überlebte seine Nachfolger François Mitterrand (1916-1996) und Jacques Chirac (1932-2019). Bei der Trauerfeier für Chirac im September 2019 in Paris nahm er - gebückt gehend - noch teil.

Im Mai war der Ex-Präsident wegen des Vorwurfs der sexuellen Belästigung in die Schlagzeilen geraten. Eine Reporterin des WDR hatte dem früheren Staatsoberhaupt vorgeworfen, ihr nach einem Interview mehrfach ans Gesäß gefasst zu haben. Die Pariser Staatsanwaltschaft begann daraufhin eine Untersuchung. Giscard d'Estaing wies den Vorwurf zurück.