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Valéry Giscard d'Estaing: Ein Konservativer, der den Wandel mochte

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Mai 2015
Mai 2015   -   Copyright  Pavel Golovkin/AP
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Valéry Giscard d'Estaing bezeichnete sich selbst gerne als Konservativen, der den Wandel mochte. Der Mitte-Rechtspolitiker wurde 1974 französischer Präsident nach einer sehr engen Wahl.

Mit 48 Jahren war er der drittjüngste Präsident in der französischen Geschichte. Sein Ziel: Reformen, die Frankreich modernisieren sollten.

Er begann damit, das Wahlalter von 21 auf 18 Jahre herabzusetzen. 1975 ließ er ein Gesetz ausarbeiten, das Abtreibungen legalisierte. Es war eine emotionale Debatte.

Die damalige Gesundheitsministerin Simone Veil, die Auschwitz überlebt hatte, wurde gefragt, ob sie Kinder in die "Öfen schicken wolle".

Valéry Giscard d'Estaing glaubte an die europäische Idee. Er arbeitete eng mit dem deutschen Kanzler Helmut Schmidt zusammen. Gemeinsam hoben sie den Europäischen Rat aus der Taufe und stärkten die Rechte des Europäischen Parlaments.

Die Diamanten-Affäre

1979 wurde die sogenannte Diamanten-Affäre öffentlich. In seiner Zeit als Finanzminister waren Valéry Giscard d'Estaing Diamanten angeboten worden vom Präsidenten der Zentralafrikanischen Republik Bokassa.

Vom Skandal blieben Kratzer im Image. Außerdem musste sich Valéry Giscard d'Estaing mit einer schwächelnden Wirtschaft herumschlagen. Frankreich litt stark unter den Ölkrisen der 1970er Jahre.

Die Arbeitslosigkeit war auf einem Höchststand. 1981 verlor er die Wahl gegen den Sozialisten François Mitterrand.

Eine Verfassung für Europa

Aber seine politische Karriere war noch nicht vorbei. 2001 wurde er Präsident des Europäischen Verfassungskonvents mit der Aufgabe, eine Verfassung für Europa zu erarbeiten.

Nach 16 Monaten gab es ein Ergebnis. Zur Feier des Tages fütterte Valéry Giscard d'Estaing eine Schildkröte. Ein Symbol für die langsame und sorgfältige Vorgehensweise des Konvents.

Der Politiker warb vor der Volksabstimmung in Frankreich für die Verfassung, dennoch siegten die Gegner. Genau wie wenige Tage später in den Niederlanden. Nach Ansicht von Valéry Giscard d'Estaing ein Votum gegen die jeweiligen Regierungen, nicht gegen die Verfassung selbst. Er blieb trotz dieser Enttäuschung bei seinem Eintreten für Europa.

Karlspreis und Freund von Helmut Schmidt

Valéry Giscard d'Estaing bekam den Karlspreis der Stadt Aachen und die Ehrenbürgerschaft seiner deutschen Geburtsstadt Koblenz.

Er war nicht nur ein Politiker, er war auch ein Autor. 2004 sagte er, dass er auch als Schriftsteller in Erinnerung bleiben wolle. Er schrieb zahlreiche Bücher, politische und literarische Texte.

"Ich würde mich freuen, wenn von mir die Erinnerung bleibt, dass meine Texte eine bestimmte Wichtigkeit hatten.