Eilmeldung
This content is not available in your region

Weich und flauschig: "Knuffelcontact" ist Wort des Jahres in Flandern

Umarmung vor dem Rijksmuseum, Juni 2020
Umarmung vor dem Rijksmuseum, Juni 2020   -   Copyright  Peter Dejong/Copyright 2020 The Associated Press. All rights reserved
Schriftgrösse Aa Aa

Es hätte "Covidioot" sein können oder "Hoestschaamte" (auf Deutsch etwa "Hustscham"). Aber nein, bei der Wahl zum Wort des Jahres in Flandern setzte sich das kuschligste und in diesen Zeiten wohl begehrenswerteste aller Wörter durch: "Knuffelcontact". So weich wie eine Umarmung, so sanft wie Rückenstreicheln.

Bei der vom Van-Dale-Verlag organisierten Wahl stimmte rund die Hälfte der 25 000 Teilnehmer für "Knuffelcontact".

Dabei existiert das Wort in seiner aktuellen Bedeutung erst seit Oktober, als es der belgische Gesundheitsminister Frank Vandenbroucke in einem Interview prägte, um die neuen Corona-Maßnahmen zu erklären.

Küsschen und alle anderen physischen Kontakte erlaubt

Auf Niederländisch, der Sprache der belgischen Region Flandern, bedeutet "knuffelen" so viel wie drücken oder schmusen. Ein "Knuffelkontakt" ist eine ausgewählte Person (außerhalb der Familienmitglieder), mit der man in Corona-Zeiten ganz normal ohne Abstandsregeln begegnen darf- also sind auch Händeschütteln, Umarmungen, Küsschen und alle anderen physischen Kontakte erlaubt.

Belgierinnen und Belgier duften auch im harten Lockdown weiterhin einen "Knuffelcontact" zu Hause empfangen.

Das Wort ging in Windeseile um die Welt und tauchte in Medien in Großbritannien, China, Deutschland und in vielen anderen Ländern als sympathischer Ausdruck aus Belgien auf.

Viel weicher als "systemrelevant" oder "stosslüften"

Da kann man richtig neidisch werden. In Deutschland beispielsweise kürte die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) "Corona-Pandemie" zum Wort des Jahres.

Gefolgt auf den Plätzen zwei und drei von "Lockdown" und "Verschwörungserzählung".

Auch in der Schweiz ist von weich und flauschig bei der Wahl zum Wort des Jahres keine Spur. "Systemrelevant" machte das Rennen vor "Maskensünder" und "stosslüften".

2013 hatte "systemrelevant" in der Schweiz schon einmal gewonnen – damals war es allerdings Unwort des Jahres.

Auch nicht schlecht: "Babyelefant"

In Österreich hingegen setzte sich "Babyelefant" gegen "Corona" durch. Das Symbol für den Mindestabstand zur Vermeidung einer Sars-CoV-2-Infektion landete mit großem Abstand auf dem ersten Platz.

Zum rot-weiß-roten Spruch des Jahres wurde "Schleich di, du Oaschloch", laut Jury die Aussage eines unbekannten Wieners am 2. November. Er soll die Worte jenem Terroristen nachgerufen haben, der an diesem Abend in der Wiener Innenstadt vier Menschen tötete und zahlreiche verletzte.