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Eine traumhafte Nacht an der Mailänder Scala

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Eine traumhafte Nacht an der Mailänder Scala
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Von Katharina Rabillon
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Wenn die Mailänder Scala eine neue Spielzeit eröffnet, ist das immer ein ganz besonderes Ereignis. Dass die Veranstaltung 2020 anders als sonst werden würde, war angesichts der Einschränkungen aufgrund der Coronavirus-Pandemie unumgänglich.

Aber das änderte nichts an der Tatsache, dass die Scala viele herausragende zeitgenössische Größen aufbot - 24 an der Zahl. Publikum war aufgrund der Pandemiebestimmungen nicht zugelassen, aber die Welt wohnte dem Opernereignis am Bildschirm bei.

Der spanische Tenor Plácido Domingo sprach von einer „einzigartigen Spielzeiteröffnung". Der 79-Jährige gab sich ebenso die Ehre wie viele weitere große Namen der Welt der Oper. Ebenfalls mit dabei: Die bulgarische Sopranistin Sonja Yoncheva. Sie schwärmte: „Es hat unglaubliche Symbolkraft - nicht nur für mich, sondern für uns alle." Benjamin Bernheim war nicht minder begeistert. „Man hat wirklich den Eindruck, Teil von etwas Großem zu sein", so der französische Tenor. „Es ist so emotional. Wie eine große Familie. Es ist außergewöhnlich", fand der Peruaner Juan Diego Flórez.

„Die Sterne wiedersehen"

Ein magischer Abend und eine glanzvolle Gala - unter dem Motto „Die Sterne wiedersehen" (A riveder le stelle) - ausgestrahlt weltweit.

„Das Motto 'Die Sterne wiedersehen' versinnbildlicht: Die Oper, die Kultur kann man nicht aufhalten, es geht weiter. Und es zeigt, dass die Menschen Kultur brauchen, um sich besser zu fühlen und um positiv in die Zukunft zu blicken", sagte Flórez. Seit Ende Oktober ist die Scala wegen der behördlichen Bestimmungen im Kampf gegen die Pandemie geschlossen.

Im Laufe der Veranstaltung gaben die Stars unter der Leitung von Dirigent Riccardo Chailly unter anderem Werke von Georges Bizet, Giuseppe Verdi, Richard Wagner und Giacomo Puccini zum Besten.

Ich wollte schon immer mal La Mamma Morta singen und verrate Ihnen ein Geheimnis: Auf dieser Gala singe ich die Arie zum ersten Mal.
Sonja Yoncheva
Sopranistin

„Es geht nicht nur um den Tod, sondern auch um Liebe. Die Liebe ist größer als alles Andere und größer als das Leben. Das ist eine Botschaft, an die ich wirklich glaube", so Yoncheva.

Die Mailänder Scala ist ein Tempel der Opernmusik, und Plácido Domingo ein Urgestein der Szene. Natürlich trat der Spanier nicht zum ersten Mal in dem berühmten Gebäude auf: „Ich habe mein Debüt - stellen Sie sich das mal vor - vor 51 Jahren an der Scala gegeben", berichtete Domingo. „Es ist einfach magisch, denn in jeder Ecke spürt man, wer hier durch die Gänge gewandelt ist: Rossini, Donizetti, Verdi", zählte der Tenor auf.

„Botschaft der Hoffnung"

„Meine erste Erinnerung an die Scala ist etwas sehr, sehr Intensives", sagte Bernheim. Der Franzose gehört zur jungen Opern-Generation - ein Auftritt an der Scala gilt als Ritterschlag, bei dem selbst die größten Namen manchmal das Lampenfieber packt. „Ich habe wirklich das ganze Gewicht der Geschichte dieser Mailänder Scala auf meinen Schultern gespürt. Wenn man auf die Bühne tritt, das Publikum und diesen wunderbaren Saal sieht", so Bernheim.

Die Musikwelt macht schwierige Zeiten durch. Ohne Auftritte vor Publikum, ohne Konzerte und Darbietungen fehlt vieles. „Vergessen wir nicht, was wir tun: Es ist nicht nur ein Beruf, sondern es geht um eines der größten Erben überhaupt. Es ist nicht nur Kunst, sondern unsere Geschichte. Diese müssen wir bewahren", so Sonja Yoncheva.

Die Gala in der Scala sei auch dazu angetan, eine Botschaft der Hoffnung auszusenden, betonte Juan Diego Flórez, der peruanische Tenor:„Dass ich weiterkämpfen, weitersingen und der Welt weiterhin diese wunderbare Kunst schenken werde."