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"Staatsskandal": Kritik an verpatztem Impfstart in Frankreich

JOEL SAGET / AFP
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"Staatsskandal" und "Fiasko" schimpft die Opposition: In Frankreich wächst der Ärger über den extrem langsamen Impfstart im Kampf gegen das Coronavirus.

Angesichts der Kritik an ihrer Impftsrategie, versucht Regierung, gegenzusteuern: Man werde die Corona-Impfstrategie jetzt "verstärken, beschleunigen und vereinfachen", kündigte der französische Gesundheitsminister Olivier Véran am Dienstag im Gespräch mit dem französischen Radiosender RTL an.

Anmeldungen für eine Impfung sollen über Internet und Telefon möglich sein. Wie das konkret funktionieren soll, will er am Donnerstag vorstellen.

"Vor Ende Januar werden wir die Impfung auch auf Menschen über 75 ausdehnen, die nicht in Seniorenheimen leben, sondern zu Hause. Das sind 5 Millionen Menschen. Dies wird also einige Zeit dauern: nicht wegen der Organisation, aber es wird dauern bis genügend Impfstoffdosen für die Nachfrage zur Verfügung stehen. Das wird einige Wochen und vielleicht mehrere Monate dauern. Aber wir möchten jetzt schon all jenen Menschen Sichtbarkeit geben, die sagen: 'Ich möchte geimpft werden', 'Ich bin 80 Jahre alt, wann und wo kann ich das machen?', so Olivier Veran.

Seit der symbolischen Impfung der ersten 5 Personen am 27. Dezember herrschte am Dienstag zunächst noch immer Unklarheit über die konkrete Zahl der geimpften Menschen in Frankreich.

Nur gut 500 Menschen geimpft

Bis Sonntag wurden laut der Website "Covid Tracker" seit Impfstart vor gut einer Woche nur gut 500 Menschen geimpft. Es handelt sich dabei allerdings nicht um eine offizielle Seite der Regierung, der Betreiber erhält die Zahlen eigenen Angaben nach von den Gesundheitsbehörden.

Am Montag sei die Zahl von 2000 Impfungen überschritten worden, so Gesundheitsminister Véran. Fakt ist, dass Frankreich im Vergleich mit vielen anderen Staaten hinten liegt. Zum Vergleich: In Deutschland wurden mit Stand Montagmittag offiziell mehr als 260 000 Impfungen gemeldet.

Die schleppende Kommunikation der Regierung könnte auch die besonders hohe Impfskepsis der Franzosen noch verstärken. Fast 6 von 10 Franzosen wollen sich laut einer aktuellen Umfrage nicht impfen lassen.

Véran versprach in dem RTL-Interview, dass man in den kommenden Tagen zu den Nachbarn aufschließen werde: "Ja, ich bestätige: es wird bald viele tausend Impfungen pro Tag geben."

"Das wurde auch Zeit", entgegnet der Journalist Yves Calvi.

"Wie ich bereits zuvor gesagt habe ist einer der Gründe, dass wir uns entschieden hatten, zunächst die besonders gefährdeten Menschen in Altenheimen zu impfen und dies dauert eben etwas länger, insbesondere zu diesem Zeitpunkt im Jahr. Aber ich mache mir keine Sorgen wegen der Kapazitäten Frankreichs. Unser medizinisches Personal ist äußerst mobilisiert, um dieses wichtige Problem der Impfung und des Schutzes der Franzosen anzugehen", antwortet Veran.

Warum nicht einfach impfen?

Momentan erhält Frankreich 500.000 Pfizer-Impfstoffdosen pro Woche. Weitere 500.000 Dosen Moderna-Impfstoff werden bald monatlich dazu kommen, wenn er von der Europäischen Arzneimittel-Agentur validiert wird.

"Warum also nicht einfach impfen? Wie die Israelis, die Briten oder die Deutschen?", schrieben rund 30 Medizinerinnen und Mediziner in einem offenen Brief.

Sie monieren einen «Wettlauf gegen die Zeit» und kritisieren etwa komplizierte Zustimmungsverfahren beim Impfen. Das derzeitige System sei dem Ernst der Lage nicht gewachsen.