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Trumps gewaltbereite Anhänger: "Wir kommen zurück"

Das Kapitol in Washington
Das Kapitol in Washington   -   Copyright  AP Photo/J. Scott Applewhite
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Sie stürmten das Kapitol mit teils roher Gewalt, zerschlugen Fenster, verwüsteten Räume, trieben Abgeordnete in die Flucht. Die Bilder vom 6. Januar aus dem Kapitol werden sich ins kollektive Gedächtnis Amerikas einbrennen. Was passiert nun mit den Randalierern?

FBI sucht Randalierer gegen hohes Kopfgeld

Nach der gewaltsamen Erstürmung des Kapitols sind rund 80 Verdächtige verhaftet worden. Viele haben sich durch Posts in den sozialen Medien selbst entlarvt. Dutzende weitere werden vom FBI gesucht – mit online veröffentlichen Fahndungsfotos und gegen hohes Kopfgeld.

Bis zu 50.000 Dollar Belohnung sind auf die Ergreifung der mutmaßlichen Straftäter ausgesetzt. Einige von ihnen könnten für mehrere Jahre hinter Gitter kommen.

Trump höchstpersönlich hatte im Zusammenhang mit den Black-Lives-Matter-Demos vergangenes Jahr eine Verordnung unterzeichnet, nach der Randalierern für die „Zerstörung von Bundeseigentum“ bis zu zehn Jahre Gefängnis drohen.

FBI via AFP
Die Fahndungsfotos des FBI.FBI via AFP

Eindringling in Pelosis Büro festgenommen

Der Mann, der sich stolz im Sessel der demokratischen Vorsitzenden des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, fotografieren ließ, wurde inzwischen festgenommen. Die Vorwürfe gegen ihn: Eindringen in ein besonders gesichertes Gebäude, Hausfriedensbruch, Vandalismus und Diebstahl.

Richard B. soll einen Brief aus Pelosis Büro gestohlen haben. Er sei in Little Rock im Bundesstaat Arkansas festgenommen worden, hieß es aus dem Justizministerium.

SAUL LOEB/AFP
Trump-Anhänger Richard B. in Pelosis Büro.SAUL LOEB/AFP

Einem weiteren Festgenommenen wird vorgeworfen, in seinem in der Nähe des Kapitols geparkten Auto elf Brandsätze und Waffen gebunkert zu haben. Die Molotow-Cocktails seien extrem gefährlich gewesen, weil sie mit einer Art Schaumstoff gemischt gewesen seien, was eine Napalm-ähnliche Brandbombe ergebe, so ein Sprecher des Justizministeriums.

Der stellvertretende Chef des FBI-Büros in Washington, Steven D'Antuono, erklärte, die Ermittlungen würden mit Hunderten Mitarbeitern “rund um die Uhr” fortgesetzt. “Die Ausschreitungen und die Zerstörung, die wir am Mittwoch gesehen haben, werden vom FBI nicht toleriert”, sagte er.

Auch Ermittlungen gegen Donald Trump selbst schloss er dabei nicht aus. Jeder, der mit den Vorfällen in Washington zu tun habe, werde untersucht.

Firmen feuern Kapitol-Stürmer

Die Bilder aus dem Kapitol bleiben auch vielen Arbeitgebern nicht verborgen. Mehrere Firmen haben bereits Mitarbeitern gekündigt, die an der Erstürmung beteiligt waren.

Laut CNN hat die Marketing-Firma “Navistar” einen ihrer Angestellten vor die Tür gesetzt, nachdem dieser mit seinem Firmenausweis um den Hals durchs Kapitol gelaufen und dabei abgelichtet worden sei.

Das Unternehmen sei für freie Meinungsäußerung, aber “jeder Beschäftigte, der durch sein schädliches Verhalten die Gesundheit und Sicherheit anderer gefährdet, verliert seine Arbeitsmöglichkeiten bei Navistar Direct Marketing”, so die Erklärung des Unternehmens.

Auch der Anwalt Paul D. wurde gefeuert. Zuvor hatten viele Social-Media-User seinen Arbeitgeber, das Versichungsunternehmen “Goosehead Insurance”, dazu aufgerufen.

D. hatte am Tag der Gewalt in Washington ein Video gepostet, in dem er von Wahlbetrug spricht und erklärt, Trumps Wahlsieg mit der Erstürmung des Kapitols „zurückholen“ zu wollen.

"Wir kommen zurück"

Während einige Kapitol-“Stürmer“ gefeuert werden, rufen andere schon zu neuer Gewalt auf. “Wir werden am 19. Januar 2021 zahlreich zurückkommen und wir werden Waffen tragen”, droht zum Beispiel “Colonel Perez” im Netzwerk Parler.

“Perez” ist angeblich ein Oberst im Ruhestand und Trump-Fan. Seine Drohung ging nicht nur auf Parler, sondern in allen sozialen Netzwerken viral. Er und viele weitere “Patrioten” würden zur Amtsübergabe nach Washington kommen, so zahlreich, dass “kein stehendes Heer, keine Polizei sich mit uns messen kann." Gemeinsam würden sie den "größten Präsidenten unterstützen, den die Welt je gekannt hat", so "Colonel Perez" in seinem Post.

Drohungen wie diese sind kein Einzelfall. Auch bekannte QAnon-Anhänger und rechtsextreme Proud-Boys drohen damit, die Amtseinführung Bidens mit Gewalt zu verhindern.

War der Sturm auf das Kapitol nur der Anfang? Experten warnen jedenfalls, der “Trumpismus” sei lebendig wie nie und Gewaltbereitschaft nach vier Jahren Trump längst salonfähig. Jüngst veröffentlichte Zahlen scheinen das zu bestätigen. Über 45 Prozent der republikanischen Wähler heißen den Sturm aufs Kapitol demnach gut.