Eilmeldung
Dieser Inhalt ist in Ihrer Region nicht verfügbar

Kurz vor der Wahl: 20.000 Israelis demonstrieren gegen Netanjahu

euronews_icons_loading
Kurz vor der Wahl: 20.000 Israelis demonstrieren gegen Netanjahu
Copyright  /AFP
Schriftgrösse Aa Aa

Wenige Tage vor den Parlamentswahlen in Israel haben tausende Menschen gegen Ministerpräsident Benjamin Netanjahu demonstriert.

In den vergangenen Monaten hatten die wöchentlichen Proteste, die schon seit neun Monaten andauern, etwas an Kraft verloren, teils wegen des Winterwetters, teils nachdem im Dezember vorgezogene Wahlen ausgerufen wurden. Aber an diesem Wochenende waren die Protestaktionen besonders groß. Mehr als 20.000 Menschen, schätzten israelische Medien, kamen zu Netanjahus Residenz in Jerusalem und forderten seinen Rücktritt.

Noam Leshem ist eine derjenigen, die ihrem Ärger in Jerusalem Luft gemacht haben, sie erklärt ihre Motvation: "Ich will jemanden in der Regierung, der mir hilft, der meinen Freunden und Leuten hilft und sich um mich kümmert. Und wenn er das nicht tut, dann bedeutet das, dass etwas falsch ist. Und es ist schon lange etwas falsch. Die Leute sind aufgewacht, und ich hoffe, dass die Dinge besser werden."

Protestteilnehmerin Neora sagt: "Ich bin hier, um Benjamin Netanjahu zu stürzen. Wir sind seit dem Sommer hier und wollen, dass es in Israel besser wird."

Als erster amtierender Ministerpräsident des Landes muss sich Netanjahu derzeit wegen Korruption vor Gericht verantworten.

Meinungsumfragen sagen knappes Rennen voraus

Bei der Parlamentswahl am Dienstag hofft Netanjahu, der seit zwölf Jahren Regierungschef ist, auf eine weitere Amtszeit. Im Wahlkampf hat er vor allem auf die erfolgreiche Impfkampagne gesetzt. Knapp die Hälfte der rund neun Millionen Einwohner sind bereits zwei Mal mit dem Wirkstoff von BioNTech/Pfizer geimpft worden. Israel liegt im weltweiten Vergleich beim Impfen mit Abstand vorne.

Viele bemängeln ein Missmanagement des 71-Jährigen in der Coronavirus-Krise. Seine Kritiker sagen, dass die Wirtschaft durch wiederholte Lockdowns zu stark gelitten hätte. Viele Israelis haben ihren Job verloren, die Arbeitslosigkeit bleibt zweistellig.

Meinungsumfragen haben ein enges Rennen vorausgesagt, bei dem Netanjahu und seine religiösen und nationalistischen Verbündeten um die Mehrheit der Sitze in der 120-köpfigen Knesset, dem Parlament, kämpfen.

Benjamin Netanjahus Likud-Partei könnte erneut stärkste Kraft werden. Der liberale Politiker Yair Lapid könnte mit seiner Partei Yesh Atid -"Es gibt eine Zukunft"- den Umfragen zufolge zweitstärkste Kraft werden. Er möchte Netanjahu aus dem Amt kriegen. Bei den letzten Parlamentswahlen vor rund einem Jahr gehörten Yair Lapid und seine Partei noch zu einem Bündnis mit Spitzenkandidat Benny Gantz, der sein Wahlversprechen brach und eine Koalition mit Netanjahu einging.

Die Parlamentswahl am 23. März in Israel ist die vierte innerhalb von zwei Jahren.