Eilmeldung
Dieser Inhalt ist in Ihrer Region nicht verfügbar

Burn-out durch Corona: Therapie für traumatisiertes Pflegepersonal

Von Euronews
euronews_icons_loading
Klinikpersonal in Italien zu Beginn der Pandemie im März 2020
Klinikpersonal in Italien zu Beginn der Pandemie im März 2020   -   Copyright  PAOLO MIRANDA/AFP or licensors
Schriftgrösse Aa Aa

Sie kommen in die Klinik im französischen Le Gouz, weil sie nicht mehr weiterwissen: Pflegepersonal, Ärztinnen und Ärzte. In dieser Klinik können sie ihre Batterien wiederaufladen, lernen, nach einem Burn-out zurück ins Leben zu finden.

Virginie ist Altenpflegerin. Ihr ohnehin schon stressiger Arbeitsalltag wurde durch die Corona-Pandemie zur enormen Belastung. Jeden Tag wurde sie mit dem Tod konfrontiert - bis sie irgendwann nicht mehr konnte. Sie kapselte sich von Familie und Freunden ab, zog sich immer mehr zurück.

"Covid-19 hat eine Situation verschlimmert, die bereits katastrophal war. Wir Pflegerinnen und Pfleger sind sowieso allen egal. Uns wurden von der Politik alle möglichen Dinge versprochen und was haben wir bekommen? Nichts. Ständig müssen wir einspringen. Als ich als Pflegerin anfing, wurde uns gesagt: 'Können Sie bitte einspringen'. Jetzt heißt es: 'Sie müssen kommen'."

Die erste Welle sei hart gewesen, die zweite unerträglich. Auf Virginies Station gab es im November neun Todesfälle innerhalb von zwei Tagen. Kurz darauf brach sie zusammen.

"Viele meiner Patienten sind Traumatisierte der ersten Welle. Es gibt eine Geste, die sie mir immer wieder vormachen. Wenn sie von all den Leichensäcken sprechen, die sie schließen mussten", sagt Psychiaterin Agnès Oelsner und imitiert die Bewegung mit ihren Händen.

"Wir haben die Erfahrung gemacht, dass es eine gewisse Zeit dauert, bis die Menschen zusammenbrechen. Das heißt, die Traumatisieren der ersten Welle in Frühling brechen im Sommer zusammen. Die der zweiten Welle gegen Ende des Winters oder Anfang des Jahres."

Hier in der Klinik drehen sich die Rollen plötzlich um. Pflegerinnen und Pfleger werden zu Gepflegten. Sich verletzlich zu zeigen, falle den Betroffenen oft schwer. Doch sei dieser Schritt geschafft, gehe es langsam aufwärts. Bis sie wieder zurück in den Alltag können, um sich den Schwächsten zu widmen.