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Nachtzug-Comeback: Einschlafen in Paris, Frühstück an der Côte d'Azur

Von Euronews mit AFP, dpa
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Die Strandpromenade in Nizza an einem Sonnentag im Februar 2021
Die Strandpromenade in Nizza an einem Sonnentag im Februar 2021   -   Copyright  Lionel Cironneau/Copyright 2021 The Associated Press. All rights reserved
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Die Nacht im Zug lebt wieder auf: Kaum zerknautscht und trotz über 12 Stunden Fahrt gut gelaunt wird Frankreichs Premierminister Jean Castex aus Paris kommend in Nizza von Bürgermeister Christian Estrosi empfangen.

Die reguläre Nachtzugverbindung zwischen den Städten war Ende 2017 gestrichen worden. Jetzt wird in Frankreichs Bahnsektor wieder richtig Gas gegeben. Das Corona-Konjunkturprogramm "France Relance" beinhaltet 5,3 Milliarden Euro für den Schienenverkehr. 100 Millionen enfallen auf den Nachtzugbereich.

Mit dem Schnellzug TGV dauert die Fahrt nicht einmal halb so lang, ist aber auch deutlich teurer. Das Nachtzug-Comeback sieht Castex als kleinen Teil eines großen Ganzen: "Die Regionen sind seit meinem Amtsantritt das Herzstück meines Handelns. Ich denke, dass die Territorien das Frankreich von morgen sind. Durch die Regionen werden wir unsere Wirtschaft noch schneller wiederbeleben, noch stärker, Arbeitsplätze und Innovation. Die Wiederherstellung dieser Verbindungen steht auch für den Respekt, den wir der Provinz und denen, die sie bewohnen, schulden."

Europaweiter Bedarf? Abwarten!

In mehreren europäischen Ländern laufen Vorbereitungen für das Nachtzug-Revival. In Frankreich soll bis zum Jahresende auch die Verbindung zwischen Paris, München und Wien stehen. Darauf haben viele Fahrgastorganisationen und Bahnfreunde lange gewartet.

Christiane Dupart ist die Vizepräsidentin des französischen Verbands der Nutzer von Verkehrsmitteln (Fnaut): "Die SNCF hatte die Nachtzüge abgeschrieben, aber es gibt eine starke europäische Bewegung ihrer Befürworter. Das hängt natürlich mit dem Klimaproblem zusammen, aber sie sind auch eine exzellente Alternative zu Flugzeugen und Autos."

Das kleine Abenteuer Nachtzug beginnt täglich gegen 21 Uhr am Pariser Bahnhof Austerlitz und endet um 9 Uhr morgens in der Blumenstadt an der Côte d'Azur. Sechs Zwischenstopps gibt es. Darunter sind auch die von vielen Urlaubern angesteuerten Städte Marseille, Toulon und Cannes.

Ein Makel: Komfort von gestern im Nachtzug von heute

Der Komfort ist allerdings nicht auf TGV-Niveau: Steckdosen gibt es in der zweiten Klasse vorerst nur im Gang, Wi-Fi gar nicht.

Pandemiebedingt dürfen die Sechser-Abteile zur Zeit nur mit vier Reisenden belegt werden. Große Pluspunkte sind der Fahrpreis und die eingesparten Übernachtungskosten.

Und für den erklärten Bahnfreund Castex, der sogar ein Buch über eine Bahnstrecke in Frankreich geschrieben hat, dürfte es gerade noch zu einem Solo-Abteil gereicht haben.