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"Extreme Hölle" - Warum hat Valérie Bacot (40) ihren Mann erschossen?

Von Euronews mit AFP
Valérie Bacot, die ihren Mann erschossen hat, beim Prozess
Valérie Bacot, die ihren Mann erschossen hat, beim Prozess   -   Copyright  JEFF PACHOUD/AFP or licensors
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In Frankreich steht Valérie Bacot (40) vor Gericht, weil sie ihren Mann 2016 erschossen hat. Der Vater ihrer vier Kinder hatte sie jahrelang zur Prostitution gezwungen.

Vor Gericht hat die Angeklagte geschildert, wie sie mit 17 schwanger wird, nachdem der damals 42-jährige Stiefvater sie vergewaltigt hatte. Ihre Mutter schickt die Jugendliche weg. Es sei eine "extreme Hölle" gewesen, so etwas zu erleben, erklärt Valérie Bacot beim Prozess in Chalon-sur-Saône. Der spätere Ehemann habe sie geschlagen, getreten und bedroht.

"Ich wollte immer Kinder und dass sie einen Vater haben", sagt die Angeklagte, die selbst darunter gelitten hatte, dass es keinen Vater in ihrem Leben gab. "Es musste also sein."

"Liebe?", fragt die Gerichtspräsidentin, Celine Therme. "Ich habe immer getan, was er mir gesagt hat", antwortet Valérie Bacot.

"Er konnte es nicht ertragen, die Kinder weinen zu hören oder sie in seinem Weg zu haben. Ich habe alles getan, was ich konnte, um sie zu beruhigen, aber es war kompliziert. Am Anfang waren es Ohrfeigen, dann wurden es Tritte, Schläge und er würgte mich. Im Laufe der Zeit gab es Drohungen mit der Pistole."

Mit einer Pistole hat Valerie Bacot ihren Ehemann, Daniel Polette, Jahre später erschossen. Damals war sie 35.

"Er hat mir die Pistole an den Kopf gesetzt und gesagt: Nächstes Mal werde ich nicht daneben schießen", erzählt die Angeklagte unter Tränen. Sie sagt, dass "man vor allem nicht schreien darf, weil es sonst noch schlimmer ist".

Sie wollte die Tochter retten

Valérie Bacot hat ihren Peiniger geheiratet, weil ihre vier Kinder "gefragt haben, warum sie nicht den gleichen Namen wie ich haben". Zwei von ihnen und der Freund ihrer Tochter wurden bereits 2019 zu sechs Monaten Haft auf Bewährung verurteilt, weil sie ihrer Mutter geholfen hatten, die Leiche des Vaters zu verstecken.

Die Mutter wurde von ihrem Ehemann als "Taugenichts" bezeichnet und er verlangte von ihr, sich im umgebauten Kleinlaster an der Hauptstraße zu prostituieren, um Geld zu verdienen.

In die abgedichtete Heckscheibe hatte der Mann ein Loch gebohrt, damit "Dany" zuschauen und vor allem kontrollieren konnte, ob sie "das Richtige" tat. Wenn nicht, würde er ihr "Anweisungen" geben.

Aber am Sonntag, den 13. März 2016, sagte Dany ihr, dass sie am selben Abend mit dem "Ekel" schlafen müsse, vor dem sogar er Angst hatte. Sie müsse "etwas Besonderes" tun.

"Ich hatte Schmerzen. Da war Blut. Alles, was ich durchgemacht hatte, war auf einmal wieder da", sagt Valérie Bacot, um zu erklären, warum sie sich die im Fahrzeug versteckte Pistole ihres Mannes schnappte und ihm in den Hals schoss.

"Aber diese Pistole, die hatten Sie doch mitgebracht?", korrigiert die Richterin.

"Ich hatte Angst vor dem Kunden", antwortet Valérie Bacot.

Die Angeklagte erzählt auch von dem "großen Schreck", den sie an jenem Sonntag hatte, als ihre Tochter Karline, 14, gestand, dass ihr Vater sie gefragt habe, wie sie "sexuell" denn so sei.

"Ich wollte sie retten", versichert Valerie Bacot, die in Frankreich auch als die "neue Jacqueline Sauvage" bezeichnet wird. Jacqueline Sauvage wurde für den Mord an ihrem Mann verurteilt und 2016 begnadigt.

Mehr als 600.000 Menschen - auch aus anderen Ländern - haben eine Petition für die Angeklagte im Internet unterschrieben. Auch eine ehemalige Ministerin setzt sich für sie ein, sie hat Präsident Emmanuel Macron aufgefordert, Valérie Bacot zu begnadigen.