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Obdachlos im Urlaubsparadies: "Ich schlafe am liebsten am Wasser"

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Von Euronews mit AFP
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Ein Jogger zieht seine Runden am Strand von Venice Beach, der auch durch den Sportplatz "Muscle Beach" bekannt geworden ist
Ein Jogger zieht seine Runden am Strand von Venice Beach, der auch durch den Sportplatz "Muscle Beach" bekannt geworden ist   -   Copyright  Marcio Jose Sanchez/Copyright 2021 The Associated Press. All rights reserved.

Strandimpressionen in Venice Beach. Noch vor einigen Jahren der Ort, an dem sich Urlauber- und Surferträume erfüllten. Sonne, Brandung, Meer - die typischen Kalifornien-Klischees haben früher erfolgreich verdeckt, dass es sich auch um einen Tummelplatz für Aussteiger handelte und immer noch handelt.

Jetzt bevölkern aber nicht mehr Hippies, coole Kiffer und langmähnige Surfer das Areal, sondern in der Coronakrise Gescheiterte.

Trace Tiev ist einer der Obdachlosen, die sich hier ein kleines Zelt aufgebaut haben: "Als das mit Covid losging, haben sie uns noch erlaubt, hier draußen zu sein und keinen Druck gemacht. Nach und nach wurde es aber ein Problem. Jetzt herrschen hier überall Regeln und sie sagen uns, dass wir uns hier oder da nicht aufhalten können."

Nicht weit von ihm nächtigt sein Schicksalsgenosse Rodrick Mims: "Guckt euch das da vorne doch an. Das ist wie ein Zirkus der in die Stadt gekommen ist. Sie bleiben dem Strand fern, weil sie dann nicht bedroht werden, glaube ich."

Obdachlose Frauen scheinen in Venice Beach eher in der Unterzahl zu sein. Eine von ihnen ist Denise Diangelo: "Ich schlafe am liebsten unten am Wasser, am Pazifik, um keinen Ärger zu kriegen. Der vergangene Monat war sehr hart für mich."

Dringend gesucht: Hausbesitzer mit Herz

Vor der Pandemie gab es in Venice Beach knapp 2.000 von den Behörden erfasste Obdachlose. Jetzt sind es deutlich mehr. Und die Dunkelziffer ist gar nicht mehr abzuschätzen. Unter ihnen sind auch viele reguläre Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die sich schlicht kein Dach über dem Kopf leisten können.

Um sie kümmert sich die NGO SHARE!, für die sich vor Ort in einer Art kleinem Pavillon auch Tom Haberkorn ehrenamtlich engagiert: "Wir suchen nach Hausbesitzern, die ein großes Herz haben, die etwas für die Gemeinschaft tun wollen und nicht nur denken, dass sie acht Leute in ein Haus mit vier Schlafzimmern stecken können und damit mehr Geld verdienen werden."

Das Hauptproblem sind und bleiben aber die hohen Mieten. Die Preise stiegen hier zwischen 2010 und 2020 um 65 Prozent. Das mittlere Haushaltseinkommen in Los Angeles erhöhte sich parallel nur um 36 Prozent.

Für diejenigen, deren kalifornischer Traum hier in Strandnähe endete, brechen womöglich noch härtere Zeiten an. Mit den wieder einsetzenden Touristenströmen machen sich Anwohnerinitiativen und auch die Polizei gerade für strenge Evakuierungsmaßnahmen stark.