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Kinder ab 12 Jahren doch impfen? Neue Stiko-Entscheidung erwartet

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Von Euronews mit dpa
Jugendliche in Israel wird gegen Covid-19 geimpft
Jugendliche in Israel wird gegen Covid-19 geimpft   -   Copyright  Sebastian Scheiner/Copyright 2021 The Associated Press. All rights reserved.
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An diesem Sonntag meldet das Robert Koch-Institut, dass die Inzidenz der Neuinfektionen mit dem Coronavirus in Deutschland auf 35 gestiegen ist. Aus mehreren Ländern in Europa wird eine höhere Rate der Ansteckungen von Kindern und Jugendlichen berichtet. Zudem gilt in Frankreich der sogenannte Gesundheitspass für Fernzüge, Restaurants oder Kinos ab dem 12. September auch für 12- bis 17-Jährige. Die Regierung von Emmanuel Macron hatte die Jugendlichen dazu aufgerufen, sich gegen Covid-19 impfen zu lassen.

In Finnland sollen auch Jugendliche zwischen 12 und 17 Jahren selbst entscheiden, ob sie sich impfen lassen wollen.

In Deutschland hat die Ständige Impfkommission (Stiko) die Impfungen für Kinder und Jugendliche bisher nur empfohlen, wenn sie unter Vorerkran­kungen wie starkem Übergewicht oder chronischen Lungenkrankheiten leiden oder sie mit Menschen aus Risikogruppen zusammenleben. Jetzt wird eine neue Empfehlung in den kommenden Tagen geplant. Das hat der Berliner Kinder- und Jugendarzt Martin Terhardt - der der Stiko angehört - im RBB angekündigt. Er sagte: "Wir werden versuchen, der Politik ein bisschen entgegenzukommen." Noch Ende Juli hatte sich Terhardt empört über den Druck von Politikerinnen und Politikern gezeigt.

Gesundheitsminister Jens Spahn befürwortet das Impfen von Kindern und Jugendlichen. Etwa ein Viertel der 12- bis 17-Jährigen in Deutschland ist schon geimpft.

In Berlin sorgte der Brief von Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci für Diskussion. Darin hatte sie 180.000 Schülerinnen und Schüler dazu aufgerufen, sich gegen Covid-19 impfen zu lassen. Laut Berliner Zeitung schrieb Kalayci: "Die Corona-Schutzimpfung schützt nämlich dreifach: Euch selbst – die Personen mit denen Ihr Euch trefft – die gesamte Gesellschaft, also uns alle!"

An Berliner Schulen wurden in der ersten Woche nach den Ferien 228 Infektionen registriert.

Stiko-Mitglied Martin Terhardt meint, inzwischen könne man das Risiko von Herzmuskelentzündungen etwas besser beurteilen. Es sei laut Studien für Jungen etwas höher als für Mädchen und nach der zweiten Impfung etwas größer als nach der ersten.

Das höchste Risiko (1 zu 16.000) hätten Jungen nach der zweiten Impfung. Die meisten dieser Herzmus­kelentzündungen verlaufen dem Mediziner zufolge mild, es habe in der Altersgruppe auch keine Todes­fälle dadurch gegeben.

Schwer zu bewerten seien dagegen noch immer die Daten zum Risiko von Long COVID, den Langzeitfolgen einer Covid-19-Erkrankung bei Kindern und Jugendlichen, sagte Terhardt. Denn auch bei Kindern ohne Coronainfektion zeigten sich ver­gleich­bare Signale: Der Kinder- und Jugendarzt sprach von „Long-Lockdown“-Symptomen.

Einer Umfrage der Krankenkasse Pronova BKK, die das Ärzteblatt zitiert, möchten 17 Prozent ihr Kind ohne Empfehlung der Stiko impfen lassen, 28 Prozent dage­gen auf keinen Fall. 43 Prozent würden ihr Kind impfen lassen, wenn die Stiko zur Impfung rät. Zwölf Prozent hatten laut Umfrage noch nicht darüber nachgedacht.

Falls die Stiko eine Impfung von Kindern und Jugendlichen empfehlen sollte, befürworten 34 Prozent der Eltern sogar eine Impfpflicht.