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Hinter Nato-Draht: Afghanische Ortskräfte im berüchtigten Camp Röszke

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Von Nora Shenouda mit Euronews
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Hinter Nato-Draht: Afghanische Ortskräfte im berüchtigten Camp Röszke
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Mehrere europäische Regierungen haben in den vergangenen Tagen Evakuierungsflüge aus Kabul durchgeführt. Bewegtbilder der Evakuierungen von afghanischen Ortskräften durch das ungarische Militär gibt es nicht.

Absicht darf angenommen werden, denn ungarische Medien, darunter das Budapester Büro von Euronews, wurden nicht über deren Ankunft informiert. Möglich scheint angesichts der Medienpoliutik der ungarischen Regierung, dass Bild- und Tonaufnahmen der Neuankömmlinge unterbunden werden sollten.

"Gesichert und schwer bewacht"

Euronews-Korrespondentin Nora Shenouda begab sich in der ungarischen Provinz an der Grenze zu Serbien auf Spurensuche: "Gemeinsam mit den Ortskräften, die ungarische Missionen jahrelang unterstützt haben, trafen ihre Familienmitglieder in Ungarn ein. Kinder, Ältere, Frauen, die zum Teil traumatisiert sind. Sie werden in diesen Containern hier hinter mir untergebracht, die mit Nato-Draht gesichert und schwer bewacht werden."

Aufwendiges Verfahren in kompletter Isolation

Nach Angaben des ungarischen Innenministeriums haben die Schutzsuchenden noch keinen Aufenthaltstitel. Sie würden zunächst für zehn Tage unter Quarantäne gestellt. Dies geschehe in zwei Einrichtungen in Röszke und Tompa an der ungarisch-serbischen Grenze. Das gesamte Immigrationsverfahren werde mindestens drei Wochen in Anspruch nehmen, hieß es.

Kritik kommt von der der NGO Ungarisches Helsinki Komitee, für die Zsolt Szekeres als Anwalt tätig ist: "Der Innenminister hat die Befugnis, diese Menschen ohne Einwanderungsverfahren als Flüchtlinge anzuerkennen. Er hat diese Möglichkeit. Wie man hört, will er diese Möglichkeit nicht wahrnehmen , so dass die Generaldirektion für Einwanderung sich mit den Asylverfahren befassen wird. Das Innenministerium spricht von einem Einwanderungsverfahren, was irreführend ist, denn nur diejenigen sind Gegenstand eines Einwanderungsverfahrens, die sich illegal im Land aufhalten."

Tabuzone im Niemandsland

Wird also den Neuankömmlingen aus Afghanistan der Neustart trotz ihrer Verdienste für Ungarn schwerer gemacht als nötig? Der Verdacht liegt zumindest nahe. Die Vereinten Nationen hatten die Containerdörfer in der ehemaligen ungarisch-serbischen Transitzone bereits als Gefängnis-ähnlich eingestuft, bevor sie nach einer ähnlichen Einschätzung des Europäischen Gerichtshofs im vergangenen Jahr geschlossen wurden. Eine unrühmliche Tabuzone im ungarischen Niemandsland - bis afghanische Ortskräfte nach Ungarn kamen.