Eilmeldung
Dieser Inhalt ist in Ihrer Region nicht verfügbar

US-Invasion in Afghanistan nach 9/11: "Selbstüberschätzung und Selbsttäuschung"

Access to the comments Kommentare
Von Euronews
euronews_icons_loading
US-Invasion in Afghanistan nach 9/11: "Selbstüberschätzung und Selbsttäuschung"
Copyright  AFP
Schriftgrösse Aa Aa

Die USA haben sich erst kürzlich aus Afghanistan zurückgezogen. Die Attentate vom 11. September jähren sich an diesem Freitag zum 20. Mal.

Euronews fragte den ehemaligen US-Soldaten und Verteidigunsexperten Gil Barndollar, ob die Militäraktionen in Irak und Afghanistan die beste Antwort auf 9/11 waren.

Gil Barndollar: "Ich denke, es ist klar, dass das nicht die beste Reaktion auf den Angriff war. Ich glaube nicht, dass man darum herumkommt, diese Kriege als etwas anderes als Misserfolge zu betrachten. Sechseinhalb Billionen Dollar wurden ausgegeben, wahrscheinlich mehr. 7000 tote US-Soldaten, Hunderttausende tote Zivilisten. Der Rückzug aus Afghanistan war schon lange geplant, schon seit Jahren. Wie es zuletzt abgelaufen ist, das war demütigend für die US-Streitkräfte. Man kann wirklich nicht sagen, dass diese Kriege der beste Weg waren, um auf einen Terroranschlag - wenn auch auf einen sehr aufsehenerweckenden - zu reagieren."

Stefan Grobe, Euronews: "Die Taliban kamen wieder an die Macht, kurz bevor die US-Streitkräfte im vergangenen Monat Afghanistan komplett verließen. Wie sehen Sie das?"

Gil Barndollar: "Das ist der Beweis für die Selbstüberschätzung und die Selbsttäuschung der USA in den vergangenen 20 Jahren. Zu Beginn hatten wir begrenzte Ziele: die Taliban zu stürzen und Al-Kaida zu dezimieren. Das geschah während der ersten sechs bis acht Monate, auch wenn wir damals Bin Laden noch nicht erwischt hatten. Was danach kam, und ich kann das nicht anders ausdrücken, war ein Desaster. Die USA versuchten einen stabilen Staat aufzubauen, in gewisser Weise nach westlichem Vorbild. Damit sind wir komplett gescheitert. Dieser Plan war immer schon unrealistisch."

Stefan Grobe: "Sollten die USA und ihre Verbündeten irgendwann nach Afghanistan zurück?"

Gil Barndollar: "Nein, dazu gibt es keinen Grund. Den gäbe es nur, wenn wir dort in Afghanistan Terroristen bekämpfen würden, die die Absicht, die Möglichkeiten und die Fähigkeit hätten, die USA anzugreifen.

Wir können uns über viele Dinge entsetzen, die jetzt in Afghanistan passiert sind und wahrscheinlich in der Zukunft, einer Zukunft unter den Taliban, auch weiter passieren werden. Wie schrecklich diese Dinge auch sein mögen, ob es um die Frauenrechte, die Minderheitenrechte oder die Unterdrückung Andersdenkender in Afghanistan geht, das sind keine Belange der USA."

Stefan Grobe: "Worauf soll sich der Kampf gegen den Terror auf US-amerikanischem Boden von nun an konzentrieren?"

Gil Barndollar: "Wir müssen die USA von innen heraus schützen, und damit meine ich nicht einen neuen Patriot Act oder neue Einschränkungen der Freiheit. Das war ohnehin die schlimmste Reaktion auf den 11. September, diese schleichende Überwachung des amerikanischen Volkes und neue Polizeibefugnisse, gleichzeitig ein Mangel an Rechenschaftspflicht. Wir sollten uns auf den Schutz der Bürger konzentrieren. Dazu haben wir heutzutage ausreichend Mittel. Die Welt sieht jetzt anders aus als vor 20 Jahren. Wir brauchen nicht im Ausland nach Monstern zu suchen, die wir vernichten können, - um diese Worte aus der amerikanischen Geschichte zu verwenden. von Präsident John Quincy Adams."