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Philippinische Journalistin und russischer Journalist teilen sich Friedensnobelpreis 2021

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Von Alexandra Leistner  & Euronews
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Bilder der Friedensnobelpreisträger 2021, der Journalisten Maria Ressa (Philippinen), links, und Dmitry Muratov (Russland) auf dem Handy-Bildschirm der Komitee-Vorsitzenden.
Bilder der Friedensnobelpreisträger 2021, der Journalisten Maria Ressa (Philippinen), links, und Dmitry Muratov (Russland) auf dem Handy-Bildschirm der Komitee-Vorsitzenden.   -   Copyright  Heiko Junge/Heiko Junge / NTB
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Den Friedensnobelpreis 2021 teilen sich die investigativen Journalisten Maria Ressa und Dmitri Muratow für ihren Kampf für Meinungsfreiheit auf den Philippinen und in Russland.

Das Nobelpreiskomitee verleiht den beiden Journalisten den Preis, "für ihren Einsatz zum Schutz der Meinungsfreiheit, die eine Voraussetzung für Demokratie und dauerhaften Frieden ist".

Ressa nutze das Recht auf freie Meinungsäußerung, um Machtmissbrauch, Gewaltanwendung und wachsenden Autoritarismus in ihrem Heimatland, den Philippinen, aufzudecken, so die Jury. Als Mitbegründerin und Leiterin des digitalen Medienunternehmens Rappler, das "die kritische Aufmerksamkeit auf die umstrittene, mörderische Antidrogenkampagne des Duterte-Regimes gelenkt" habe.

"Ressa und Herr Muratow erhalten den Friedenspreis für ihren mutigen Kampf für die Meinungsfreiheit auf den Philippinen und in Russland. Gleichzeitig stehen sie stellvertretend für alle Journalisten, die für dieses Ideal in einer Welt eintreten, in der die Demokratie und die Pressefreiheit unter immer schwierigeren Bedingungen leiden", hieß es bei der Preisverkündung.

Alexander Zemlianichenko/Aaron Favila/AP
Bilder von Maria Ressa and Dmitri Muratow, den Journalisten und Nobelpreisträgern 2021Alexander Zemlianichenko/Aaron Favila/AP

"Ressa und Rappler haben auch dokumentiert, wie die sozialen Medien genutzt werden, um Fake News zu verbreiten, Gegner zu schikanieren und den öffentlichen Diskurs zu manipulieren."

Dmitri Andrejewitsch Muratow ist wie Ressa Mediengründer. Er gründete 1993 mit anderen Journalisten in Russland die unabhängige Zeitung Novaja Gazeta, bei der auch die russische Journalistin Anna Politkowskaja arbeitete, die 2006 ermordet wurde.

"Novaja Gazeta ist heute die unabhängigste Zeitung Russlands mit einer grundlegend kritischen Haltung gegenüber der Macht. Ihr faktenbasierter Journalismus und ihre professionelle Integrität haben die Zeitung zu einer wichtigen Informationsquelle für zensierbare Aspekte der russischen Gesellschaft gemacht, die von anderen Medien kaum erwähnt werden."

Novaja Gazeta veröffentlicht nach Angaben des Nobelpreiskomitees kritische Artikel zu Themen wie "Korruption, Polizeigewalt, unrechtmäßige Verhaftungen, Wahlbetrug und "Trollfabriken" bis hin zum Einsatz des russischen Militärs innerhalb und außerhalb Russlands".

Als unabhängiger, regierungskritischer Journalist hätten erlebten Muratow und seine Kollegen Schikanen, Drohungen, Gewalt und Mord seitens ihrer Kritiker. "Seit der Gründung der Zeitung wurden sechs ihrer Journalisten ermordet, darunter Anna Politkowskaja, die aufschlussreiche Artikel über den Krieg in Tschetschenien schrieb."

Trotz allem mache Muratow weiter. "Er hat stets das Recht der Journalisten verteidigt, über alles zu schreiben, was sie wollen, solange sie sich an die professionellen und ethischen Standards des Journalismus halten."

Wer bekam den Friedensnobelpreis in den vergangenen Jahren?

Der Friedensnobelpreis wurde erstmals im Jahr 1901 vergeben. Manche Auszeichnungen lösten Kontroversen aus, darunter besonders die Verleihung an den damaligen US-Präsidenten Barack Obama im Jahr 2009. In den vergangenen zehn Jahren gab es diese Preisträgerinnen und Preisträger:

2020: Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen für seine Bemühungen zur Bekämpfung von Hunger, seinen Beitrag zur Verbesserung der Bedingungen für den Frieden in Konfliktgebieten und als treibende Kraft bei den Bemühungen, den Einsatz von Hunger als Waffe in Kriegen und Konflikten zu verhindern.

2019: Äthiopiens Ministerpräsident Abiy Ahmed für seine Bemühungen für Frieden und internationale Zusammenarbeit und vor allem für seine Initiative zur Lösung des Grenzkonflikts mit dem Nachbarland Eritrea.

2018: Denis Mukwege (Kongo) und Nadia Murad (Irak) für ihren Einsatz gegen sexuelle Gewalt als Waffe in Kriegen und bewaffneten Konflikten.

2017: Die Internationale Kampagne zur atomaren Abrüstung (Ican) für ihre Bemühungen, die Aufmerksamkeit auf die katastrophalen Folgen des Gebrauchs von Atomwaffen zu richten sowie ihren bahnbrechenden Einsatz für einen Vertrag zum Verbot von Atomwaffen.

2016: Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos für seine entschlossenen Bemühungen, den mehr als 50 Jahre währenden Bürgerkrieg in seinem Land zu beenden.

2015: Das Quartett für den nationalen Dialog in Tunesien für seinen entscheidenden Beitrag zum Aufbau einer pluralistischen Demokratie in Tunesien nach der sogenannten Jasmin-Revolution 2011.

2014: Malala Yousafzai (Pakistan) und Kailash Satyarthi (Indien) für ihren Kampf gegen die Unterdrückung von Kindern und jungen Leuten sowie für das Recht aller Kinder auf Bildung.

2013: Die Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW) für ihren Einsatz gegen die weltweit geächteten Massenvernichtungswaffen.

2012: Die Europäische Union (EU) für ihren mehr als sechs Jahrzehnte währenden Beitrag für Frieden, Demokratie und Menschenrechte in Europa.

2011: Ellen Johnson-Sirleaf und Leymah Gbowee (beide Liberia) sowie Tawakkul Karman (Jemen) für den gewaltfreien Kampf zur Stärkung der Rechte von Frauen.