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COVID in Europa: Der Osten verliert die Kontrolle, der Westen das Vertrauen

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Von Aleksandar Brezar  mit AP, AFP
Covid-19-Isolationsraum im Universitätskrankenhaus in Bukarest, Rumänien
Covid-19-Isolationsraum im Universitätskrankenhaus in Bukarest, Rumänien   -   Copyright  Vadim Ghirda/Copyright 2021 The Associated Press. All rights reserved.

In vielen Teilen Europas nehmen die Fälle von COVID-19-Infektionen wieder deutlich zu, die kalte Jahreszeit begünstigt die Ausbreitung des Coronavirus.

Die betroffenen europäischen Staaten versuchen, den Anstieg mit verschiedenen Maßnahmen einzudämmen - diese reichen vom Versuch, die Impfquoten anzuheben, über Zugangsbeschränkungen für Veranstaltungen bis hin zu strengen Lockdowns für Ungeimpfte.

Im Folgenden finden Sie eine Übersicht über die aktuelle Situation in einigen europäischen Ländern:

Slowakei

Die Slowakei plant neue Beschränkungen für Ungeimpfte, um die jüngste Welle von Coronavirus-Infektionen in den Griff zu bekommen, die in den Krankenhäusern des Landes eine "kritische" Situation verursacht hat, sagte der Ministerpräsident Eduard Heger am Dienstag.

Seine Regierung wird am Donnerstag über die Vorschläge einer beratenden Gruppe medizinischer Expert:innen abstimmen. Werden sie genehmigt, bleiben die Maßnahmen für drei Wochen in Kraft.

Zu den vorgeschlagenen Maßnahmen gehört ein Zutrittsverbot für nicht geimpfte Personen, in alle nicht lebensnotwendigen Geschäfte, Einkaufszentren, Fitnessstudios, Schwimmbäder und Hotels. Sie dürfen auch nicht an öffentlichen Massenveranstaltungen wie Sportevents teilnehmen. Allerdings können ungeimpfte Personen mit einem negativen Coronatest an ihren Arbeitsplatz gehen.

Sollte sich die Situation in den nächsten drei Wochen nicht bessern, ist die Regierung bereit, noch mehr Einschränkungen zu verhängen, so der Ministerpräsident.

Die Zahl der COVID-19-Patient:innen, die in Krankenhäusern behandelt werden müssen, stieg auf insgesamt 2.826, von denen nach Angaben des Gesundheitsministeriums allein am Montag 225 aufgenommen wurden. Über 81 % der Krankenhauspatient:innen sind nicht vollständig geimpft.

Die Slowakei, eines der am stärksten betroffenen Länder der Europäischen Union, hat eine der niedrigsten Impfraten unter den 27 Mitgliedsstaaten. Nur etwa 45 % der fast 5,5 Millionen Einwohner:innen sind vollständig geimpft.

Italien

Italien hat die Vorschriften für seinen "grünen Pass" verschärft, um die Infektionsrate vor den Winterferien zu senken.

Den neuen Beschränkungen zufolge können Züge nun angehalten werden, wenn einer der Fahrgäste Symptome von COVID-19 zeigt. Alle Taxifahrer müssen einen gültigen grünen Pass haben und dürfen maximal zwei Fahrgäste auf dem Rücksitz chauffieren.

Italien hat seine internationalen Reisevorschriften bereits Ende Oktober aktualisiert. Das fünfstufige System kann je nach Stufe des Herkunftslandes die Einreise verbieten, außer aus beruflichen und familiären Gründen. Bislang befinden sich die meisten europäischen Länder immer noch in der mittleren Stufe "C". Dies könnte sich jedoch bis zum 15. Dezember ändern, wenn die Regeln aktualisiert werden sollen.

Die Behörden des Landes meldeten am Montag 44 Todesfälle im Zusammenhang mit dem Coronavirus, ein Anstieg gegenüber 36 am Vortag. Die Zahl der Infektionen ging von 7.569 am Sonntag auf 5.144 zurück. Mit 132.819 COVID-Toten ist Italien nach Großbritannien immer noch das Land mit der zweithöchsten Opferzahl in Europa.

Ukraine

Als die Zahl der täglichen Todesfälle in der Ukraine am Dienstag einen Rekordwert von 832 erreichte, kündigte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj an, dass jeder und jede, die sich zweimal impfen läßt, 1.000 Griwna bekommt, umgerechnet etwa 33 Euro. Die Ukraine kämpft gegen eine Impfzurückhaltung.

Der durchschnittliche Lohn in der Ukraine lag zu Beginn des Jahres 2021 bei 13.000 Griwna, während der Mindestlohn nach Angaben des staatlichen Statistikamtes bei 6.000 Griwna liegt.

Die Statistiken darüber, wie viele Menschen beide Impfdosen erhalten haben, variieren stark, einige geben eine Quote zwischen 20 und 28 Prozent an. Das 41 Millionen Einwohner zählende Land leidet seit Wochen unter der jüngsten Welle. In mehreren Städten, darunter Kiew, wurden wieder erhebliche Beschränkungen eingeführt.

Österreich

Am Montag hat das Alpenland eine landesweite Ausgangssperre für seine ungeimpften Bürger:innen verhängt. Die Regelung trat am 15. November um Mitternacht in Kraft. Sie verbietet allen ab 12 Jahren, ins Freie zu gehen, außer zur Arbeit, zum Unterricht, Einkaufen oder für Spaziergänge.

Die Zahl der Polizeistreifen wurde erhöht, und wer gegen die Vorschriften verstößt, muss mit einer Geldstrafe von bis zu 1.450 Euro rechnen.

"Das ist ein dramatischer Schritt", erklärte Bundeskanzler Alexander Schallenberg gegenüber dem österreichischen Radiosender Oe1. "Langfristig ist der Ausweg aus diesem Teufelskreis, in dem wir uns befinden - und es ist ein Teufelskreis, wir stolpern von Welle zu Welle, und das kann nicht endlos so weitergehen - nur die Impfung", so Schallenberg.

Etwa 64% der Bevölkerung sind vollständig geimpft, eine Quote, die Schallenberg als "beschämend niedrig" bezeichnete.

Österreich verzeichnete am Sonntag 849,2 neue Fälle pro 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen.

Deutschland

Mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von 319,5 Fällen pro 100.000 Einwohner wurde in Deutschland am Dienstag ein neuer Negativrekord aufgestellt. 294 weitere Menschen starben im Zusammenhang mit dem Virus binnen 24 Stunden.

Berlin und Brandenburg hat für ungeimpfte Personen den Zutritt zu Restaurants, Museen und anderen öffentlichen Einrichtungen verboten - auch wenn sie negativ auf Covid-19 getestet wurden.

Das Land erlebt nach den Herbstferien eine besonders heftige Infektionswelle. Die scheidende Bundeskanzlerin Angela Merkel appellierte erneut an die noch Unentschlossenen, sich impfen zu lassen.

"Wenn wir zusammenstehen, wenn wir daran denken, uns zu schützen und uns um andere zu kümmern, dann können wir unserem Land in diesem Winter viel ersparen", sagte Merkel in ihrem wöchentlichen Podcast. "Es sind sehr schwierige Wochen, die vor uns liegen."

Das Robert-Koch-Institut rief zuletzt dazu auf, größere Veranstaltungen abzusagen und auch die Rückkehr zur Telearbeit wird in Betracht zu ziehen.

Nur etwas mehr als zwei Drittel der Bevölkerung sind vollständig geimpft. Deutschland bemüht sich, seiner Impfkampagne neuen Schwung zu verleihen und den Prozentsatz der Auffrischungsimpfungen zu erhöhen.

Niederlande

Als Reaktion auf den schnellen Anstieg der Zahl positiv auf COVID-19 getesteten Personen von 16.364 am Freitag hat die niederländische Übergangsregierung am Samstagabend einen teilweisen Lockdown verhängt. Dieser soll mindestens drei Wochen lang gelten und zwingt Bars und Restaurants, um 20 Uhr zu schließen.

In dem Land mit 17,5 Millionen Einwohnern steigt die Zahl der Fälle sprunghaft, obwohl mehr als 84 % der erwachsenen Niederländer:innen vollständig geimpft sind.

In der nördlichen Stadt Leeuwarden versammelten sich Hunderte von Jugendlichen auf einem zentralen Platz, um gegen die Maßnahmen zu protestieren. Sie zündeten Feuerwerkskörper und Fackeln, die Polizei versuchte, die aufgeheizte Situation zu kontrollieren.

Krankenhäuser in der südlichen Provinz Limburg, der am stärksten betroffenen niederländischen Region, erklärten in einem Schreiben an das Gesundheitsministerium, dass sie "geradewegs auf einen Kollaps der Gesundheitsversorgung zusteuern und das gesamte System zum Stillstand kommen könnte".

Belgien

Die Zahl der Krankenhauseinweisungen steigt in Belgien um 30 % pro Woche. Die belgische Regierung hat ihre Sitzung zur Umsetzung strengerer Maßnahmen von Freitag auf Mittwoch verschoben.

Die Zahl der Patient:innen auf der Intensivstation ist auf über 500 gestiegen, was das Gesundheitssystem des Landes weiter belastet.

In Belgien steigt die Zahl der Fälle seit etwa einem Monat an, nachdem die Regierung vor einigen Wochen einige Maßnahmen einführte, sie aber schon kurz darauf wieder lockerte. Die Zahl der Infektionen hat seitdem zugenommen, in der vergangenen Woche wurden täglich mehr als 10000 Fälle gemeldet.

Schweiz

Nachdem am Freitag fast 4.000 neue Fälle gemeldet wurden, sagte Tanja Stadler, Leiterin der COVID-19-Task Force des Landes, dass die Krankenhäuser in diesem Winter möglicherweise bis zu 30.000 Covid-Patient:innen aufnehmen müssen, wie die Schweizer Zeitung Le Matin berichtet.

Nach den neuesten Zahlen sind 64,9 % der Bevölkerung des Alpenlandes vollständig geimpft. In der Zwischenzeit demonstrierten "Anti-Vaxxer" gegen die von der Regierung durchgeführte Impfkampagne. Die Polizei musste öffentliche Impfstellen in Orten wie Zürich vor Angriffen schützen.

Bulgarien

Bulgarien führt die Liste der Länder an, in denen die Zahl der COVID-bedingten Todesfälle weltweit am höchsten ist. Mit der jüngsten Zahl von 283,68 Todesfällen pro eine Million Einwohner ist die Welle in diesem Balkanland noch immer nicht abgeebbt.

Die düstere Lage hat sich so weit verschlimmert, dass die bulgarischen Krankenhäuser gezwungen sind, vorübergehend alle Operationen, die keine Notfälle sind, auszusetzen, damit mehr Ärzte den Zustrom von COVID-19-Patienten bewältigen können.

Gleichzeitig haben Eltern im ganzen Land gegen eine Maßnahme protestiert, nach der Schulkinder einmal pro Woche getestet werden müssen, damit der Unterricht wieder aufgenommen werden kann. Auch die Proteste gegen die Grünen Pässe gehen in die dritte Woche.

Bulgarien, wo am Sonntag zum dritten Mal in diesem Jahr Parlamentswahlen stattgefunden haben, hat mit rund 23 % die niedrigste Impfquote in ganz Europa.

Rumänien

Wie Bulgarien hat auch Rumänien mit einer tödlichen Häufung von Fällen zu kämpfen. Berichten zufolge hat die Leichenhalle im Hauptkrankenhaus der Hauptstadt in den letzten Tagen keinen Platz mehr für die Toten.

Fünf europäische Länder - Italien, Deutschland, Ungarn, Österreich und Polen - boten an, Rumänien bei der Behandlung so vieler Patient:innen wie möglich zu helfen, die sich in einem kritischem Zustand befinden. Vergangenen Mittwoch wurden vier Rumänen mit schweren Symptomen nach Italien geflogen.

Obwohl die Zahl der Fälle offenbar leicht zurückgeht, sind 724,42 Bürger:innen, die im Schnitt alle zwei Wochen positiv auf COVID-19 getestet werden, viel für das Land mit 19,29 Millionen Einwohnern.

Serbien

In Serbien hat sich der Anteil der vollständig geimpften Bürger:innen seit Mai deutlich verlangsamt und liegt weiterhin bei 43 %, obwohl es der Regierung bereits im Januar gelungen war, eine große Anzahl von Impfstoffen von mehreren verschiedenen Herstellern zu beschaffen.

In dem Land mit fast 7 Millionen Einwohner:innen sind seit Mitte September im Durchschnitt mindestens 5.000 Fälle pro Tag aufgetreten.

Die Regierung reagierte mit vergleichsweise lockeren Maßnahmen. In Bars, Cafés und Restaurants müssen Gästen nach 22 Uhr einen COVID-Ausweises vorlegen.

Die Erklärung der serbischen Ministerpräsidentin Ana Brnabić: Sie glaube nicht an eine Rückkehr zu den Maßnahmen, aus der Zeit vor den Impfungen. Wozu sollten diesen dann überhaupt gut gewesen seien, wenn weiterhin ein Lockdown notwendig sein.

Für ihre Aussage wurde sie heftig kritisiert. Einige Ärzte drohen damit, sie zu verklagen. Brnabić hatte sich am Donnerstag gegen die Kritik gewehrt und erklärt, sie sei stolz auf die Reaktion ihrer Regierung.

Die Friedhofsbehörden in Belgrad meldeten, dass sie im Durchschnitt 65 Beerdigungen pro Tag durchführen, vor der Pandemie waren es 35 bis 40.

Kroatien

Der Anstieg der Infektionszahlen scheint in Kroatien ein Weckruf gewesen zu sein, denn in den vergangenen Tagen bildeten sich ungewöhnlich lange Schlangen vor den Impfstellen.

Die Behörden teilten am Mittwoch mit, dass mehr als 15.000 Menschen am Vortag ihre erste Dosis erhalten haben - ein deutlicher Anstieg, nachdem die Impfungen in dem 4,2 Millionen Einwohner zählenden Land an der Adria fast zum Erliegen gekommen waren.

Gleichzeitig hielten Impfgegner in einer Reihe von Städten des Landes Mahnwachen ab: Die Menschen protestierten gegen die Einführung eines obligatorischen COVID-Ausweises für Angestellte der Regierung und des öffentlichen Dienstes, einschließlich Lehrer:innen. Die Regierung hatte diese Maßnahme kürzlich angekündigt. Einige Demonstranten trugen einen gelben Davidstern wie die Website Index.hr berichtete.

Griechenland

Auch in dem Mittelmeerland ist eine neue Welle der Pandemie ausgebrochen, ausgelöst vermutlich von Touristen, die während der Urlaubssaison an die griechischen Küsten strömten.

Die Zahl der Fälle ist auf einen Wochendurchschnitt von 6.710 pro Tag angestiegen, während in Krankenhäusern in Orten wie Thessaloniki und Volos die Betten auf der Intensivstation so knapp wurden, dass die Patienten auf Fluren und Parkplätzen intubiert werden mussten.

Die Regierung und das Gesundheitsministerium drängten daraufhin auf mehr Impfungen und verlangten von den Ärzten in Privatkliniken, dass sie den staatlichen Krankenhäusern freiwillig aushelfen, um den Andrang zu bewältigen.

Obwohl Griechenland im Hinblick auf die Impfungen relativ gut dasteht und etwa zwei Drittel der Bevölkerung beide Impfungen erhalten haben, sind die Zahlen in den einzelnen Regionen sehr unterschiedlich. Vor allem in den nördlichen Regionen ist die Impfquote sehr niedrig - mancherorts liegt sie deutlich unter 50 %.

Nordmazedonien

Nach Berichten lokaler Medien vom Dienstag müssen die Gesundheitsbehörden des Landes möglicherweise etwa 30 Tausend Dosen von AstraZeneca-Impfstoffen entsorgen, die demnächst ablaufen werden.

Die demnächst ablaufenden AstraZeneca-Dosen waren als Zweitimpfung für Personen ab 60 Jahren verwendet vorgesehen.

Gesundheitsexperten warnen, dass Nordmazedonien in den kommenden Wochen auf einen großen Pandemie-Höhepunkt zusteuern könnte, vor allem wegen der relativ niedrigen Impfrate von 37 % und der Wellen in Nachbarländern wie Serbien, Griechenland und Bulgarien.

Lettland

Der baltische Staat mit 1,9 Millionen Einwohnern hatte im vergangenen Monat eine nächtliche Ausgangssperre von 20:00 bis 05:00 Uhr verhängt. Die meisten Geschäfte waren geschlossen, und Versammlungen im Innen- und Außenbereich, einschließlich Unterhaltungs-, Sport- und Kulturveranstaltungen, waren nicht erlaubt.

Diese Beschränkungen wurden erst am Montag aufgehoben. Die Regierung hat ihre Maßnahmen überarbeitet und entschieden, dass Personen mit Impf- oder Genesungsbescheinigungen Zugang zu allen Dienstleistungen haben.

Für Ungeimpfte gelten nach wie vor Einschränkungen. Sie können seit Montag nur noch ihre Wohnung verlassen, um Lebensmittel einzukaufen oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren.

In Lettland gibt es immer noch eine beträchtliche Anzahl von Fällen, im zweiwöchigen Durchschnitt 1.533,33 positive Tests pro 100.000 Einwohner.

Dänemark

Am Freitag hat Dänemark seinen digitalen Corona-Pass wieder eingeführt. Für den nächsten Monat ist der Pass nötig, um in Nachtclubs, Cafés oder Restaurants zu kommen.

Personen über 15 Jahren müssen ihren Pass vorzeigen, wenn sie Veranstaltungen im Freien besuchen, bei denen die Anzahl der Personen 2.000 übersteigt.

Die dänische Pass-App zeigt einen QR-Code mit einem grünen Banner an, wenn der Inhaber vollständig geimpft ist oder die erste Dosis vor mindestens zwei Wochen erhalten hat, sich kürzlich von COVID-19 erholt hat oder in den letzten 72 Stunden einen negativen Test hatte. Eine Papierversion ist ebenfalls erhältlich.