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7-Tage-Inzidenz in Deutschland laut RKI bei 372,7 - doch sind es viel mehr Infizierte?

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Von Euronews  mit dpa, SPIEGEL, NDR
In einem Bus in Frankfurt
In einem Bus in Frankfurt   -   Copyright  Michael Probst/Copyright 2021 The Associated Press. All rights reserved

Das Robert Koch-Institut meldet an diesem Sonntag 42.727 bestätigte Neuansteckungen mit dem Coronavirus in 24 Stunden. Die 7-Tage-Inzidenz steigt deutschlandweit auf 372,7. Zudem werden 75 weitere Todesfälle durch Covid-19 verzeichnet. Die Zahl der Todesfälle insgesamt wird vom RKI mit 99.062 angegeben.

Neben mehreren Landkreisen in Bayern, Sachsen und Thüringen mit Ansteckungs-Inzidenzen von über 1.000 liegt die 7-Tage-Inzidenz jetzt auch in Elbe-Elster in Brandenburg bei 1.300.

Doch wie vor einigen Tagen aus Österreich gibt es inzwischen auch aus Deutschland Berichte von überlasteten Gesundheitsämtern, die mit dem Melden der Zahlen nicht nachkommen. Zudem werden nach Ansicht von Expertinnen und Experten vielerorts nicht mehr genug Tests durchgeführt, nachdem die kostenlosen Bürgertests im Oktober abgeschafft wurden und erst jetzt wieder eingerichtet werden.

Der auf Datenanalyse spezialisierte Journalist Holger Dambeck schreibt auf Spiegel Online, dass die explodierenden Zahlen Mediziner, Labore und Behörden an ihre Grenzen bringen. Deshalb spiegeln die Infektionszahlen die Dynamik der Pandemie immer schlechter wider, meint Dambeck. Als Beispiel nennt er Dresden: Dort war am Mittwoch (17.11.) mehr als die Hälfte aller Meldungen mindestens vier Tage alt, neuere Fälle fehlen - dadurch ist die vom RKI berechnete Inzidenz laut Dambeck viel zu niedrig.

Wegen der überlasteten Behörden findet Kontaktverfolgung vielerorts kaum noch statt.

Auch bei der jetzt für die Coronaregeln in Deutschland ausschlaggebenden Hospitalisierungsinzidenz gibt es Meldeprobleme. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach schreibt auf Twitter: "Die Hospitalisierungsdaten, auf die jetzt alles ankommt, sind unvollständig, zu spät, unsystematisch erhoben und unvergleichbar zwischen den Ländern. Es werden sogar Patienten nie erfasst, wo Abstand PCR und Einweisung zu gross. Und das jetzt."

Korinna Hennig und ein Team des NDR haben herausgefunden, dass es eine ernorme Verwirrung um die Krankenhausdaten gibt: "Ein wochenlanger Meldeverzug sorgt dafür, dass Fälle in der jeweils aktuellen Hospitalisierungsinzidenz eines Landes womöglich gar nicht berücksichtigt werden. Der Grund dafür ist, dass das RKI zur Berechnung nicht das Datum der Einweisung eines Covid-19-Patienten benutzt, sondern das Datum des positiven PCR-Tests. Dieses liegt aber Tage vor einer Hospitalisierung und würde, wenn es älter als sieben Tage ist, in der Sieben-Tage-Inzidenz nicht berücksichtigt werden."

Den NDR-Bericht leitet der Intensivmediziner Christian Karagiannidis auf Twitter weiter. Den von ihm erhobenen Daten zur Belegung der Intensivbetten zufolge gibt es aber auch eine gute Nachricht - nämlich dass der Anstieg der Zahl der Patientinnen und Patienten, die wegen Covid-19 intensivmedizinisch betreut werden müssen zumindest nicht exponentiell steigt. Das liegt laut Karagiannidis am Schutz durch die Impfungen, der verhindert, dass viele vollständig geimpfte Infizierte auf die Intensivstation müssen.

Dennoch bleibt die Lage auf den Intensivstationen in den besonders betroffenen Regionen katastrophal. "Wir befinden uns am Rande des Zusammenbruchs.“ Das sagt Stefan Rath, der Ärztliche Direktor des Donau-Isar-Klinikums in Deggendorf der FAZ. Andere Ärztinnen und Ärzte sprechen von einem "nie endenden Albtraum" oder davon, dass "wir uns mitten im Aufprall befinden".

Und Christian Karagiannidis relativiert seine positive Feststellung mit den Worten: "Auch lineares Wachstum ist nicht gut und führt zu hohen Belegungen, nur rauschen wir nicht ganz so schnell hoch..."