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Drogenkartelle: "Narco-Ladies" sind "Opfer UND Täterinnen"

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Von su  mit AFP
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Drogenkartelle: "Narco-Ladies" sind "Opfer UND Täterinnen"
Copyright  Fotograma de AFP

Und wieder ein Tabu geknackt. In “Emma und die anderen Narco-Ladies” (“Emma y las otras señoras del narco”) nimmt sich die mexikanische Investgativ-Journalistin und Autorin Anabel Hernández die Ehefrauen von Drogenbossen in Kartellstrukturen vor – besonders Emma Coronel (32), die Frau von Joaquín „El Chapo“ Guzmán (64), die Anfang Dezember zu drei Jahren Haft verurteilt wurde, wegen Drogenhandels und Geldwäsche.

Die frühere Schönheitskönigin und Drogensboss Guzmán haben 2 Kinder (9). Er stand 25 Jahre lang an der Spitze des mexikanischen Sinaloa-Kartells und wurde 2019 in New York zu Lebenslang + 30 Jahren verurteilt.

Die Staatsanwaltschaft warf Emma Coronel auch vor, Guzmán bei der Flucht aus einem mexikanischen Gefängnis im Jahr 2015 geholfen zu haben. Sie soll demnach insgesamt von 2011 bis 2017 an den Aktivitäten des Sinaloa-Kartells beteiligt gewesen sein. Ein Bundesrichter (Washington) entschied zudem auf anschließend vier Jahre Bewährung und eine Geldstrafe in Höhe von 1.499.970 Dollar (rund 1,33 Millionen Euro), so das US-Justizministerium.

Anabel Hernández, Journalistin und Autorin:

„Emma (Coronel Aispuro, Ehefrau von ‚El Chapo‘) ist die erste Frau von der Spitze der Drogenkartelle, eine der First Ladies der Organisierten Kriminalität in Mexiko, die sich schuldig bekannt hat. Ich halte das für eine Art Durchbruch. Damit können andere Frauen aus dieser kriminellen Welt herauskommen und anfangen, ihre Geschichten zu gestehen und das Schweigen zu brechen.“

Drogenbosse wie Guzmán, Rafael Caro Quintero oder Edgar Valdez Villarreal wollten “wie jeder Mensch” Freunde haben, so die Spezialistin für Organisierte Kriminalität. Sie seien aber auf die Zuneigung und Bewunderung ihrer Mütter oder Partner angewiesen.

Anabel Hernández:

"Sie (die Ehefrauen) sind wichtig, weil sie die emotionalen, psychologischen, affektiven, sexuellen Stützen dieser Männer des organisierten Verbrechens sind."

"Wir sprechen von Frauen, die Opfer und Täterinnen sind, sie sind nicht nur Sexobjekte, die Ehemänner sind auch Sexobjekte für sie. Sie ziehen auch ihren Teil ab, sie haben auch ihren Nutzen, sie sind nicht nur Opfer."

"El Chapo" (mexikanisch für „Der Kleine“, Körpergröße 1,68 Meter) wurde 2009 von der Zeitschrift Forbes auf Platz 41 der Liste der mächtigsten Menschen der Welt geführt, im Jahr 2012 war er auf dem 63. Platz. El Chapo verfügte demnach 2012 über ein Vermögen von etwa einer Milliarde Dollar. Vor seiner Auslieferung an die USA war er zweimal aus Hochsicherheitsgefängnissen in Mexiko entkommen. 

Sie (die Ehefrauen) sind wichtig, weil sie die emotionalen, psychologischen, affektiven, sexuellen Stützen dieser Männer des organisierten Verbrechens sind
Anabel Hernández
Journalistin, Autorin

Wegen des eher milden Urteils gegen Coronel vermutet Autorin Hernández, dass die im Februar in den USA Festgenommene möglicherweise mit der Justiz zusammenarbeitet – was, so Hernández, „das Paradigma bricht“ und „sie in Gefahr bringt“.

su mit AFP