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18 Jahre Haft für Sergej Tichanowski - "vielleicht ist es Rache"

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Von su  mit dpa
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18 Jahre Haft für Sergej Tichanowski - "vielleicht ist es Rache"
Copyright  Sergei Kholodilin/BELTA

Der Ehemann der belarussischen Oppositionsführerin Swetlana Tichanowskaja, Sergej Tichanowski, ist in seiner Heimat Belarus zu 18 Jahren Haft verurteilt worden. 

Der 43-jährige Blogger müsse wegen «Vorbereitung und Organisation von Massenaufständen» unter besonders harten Haftbedingungen ins Straflager, meldete die staatliche belarussische Nachrichtenagentur Belta unter Berufung auf das Gericht der Stadt Gomel.

Tichanowski hatte ursprünglich bei der Präsidentenwahl im vergangenen Jahr gegen Machthaber Alexander Lukaschenko kandidieren wollen, wurde dann aber festgenommen. An seiner Stelle kandidierte seine Frau Swetlana, die viele als die wahre Siegerin der Wahl ansehen und die ins EU-Land Litauen geflohen ist. Tichanowskaja hatte das Urteil gegen ihren Mann, das im Gefängnis unter Ausschluss der Öffentlichkeit verlesen wurde, bereits zuvor als «rechtswidrig» bezeichnet.

Swetlana Tichanowskaja, Oppositionsführerin:

“Ich wusste, dass es eine sehr harte Strafe werden würde, aber auf so etwas kann man nicht vorbereitet sein. Ich war in einem Meeting, als mir einer meiner Assistenten “18 Jahre” sagte und ich alles verstanden habe. Ich konnte nicht in Tränen ausbrechen, weil das das Meeting weiterging, aber natürlich ist etwas in mir zerrissen.”

Ich konnte nicht in Tränen ausbrechen, weil das das Meeting weiterging, aber natürlich ist etwas in mir zerrissen.
Swetlana Tichanowskaja
Oppositionführerin, Belarus

Wenn Sergej Tichanowski nach der vollen Haftstrafe auf freien Fuß kommt, ist er 61 Jahre alt, seine beiden Kinder 29 und 24.

Swetlana Tichanowskaja, Oppositionsführerin: 

“Es ist schwer vorstellbar, es ist unmöglich, sich diese Zahl vorzustellen, weil es die längste Haftstrafe ist, die ein politischer Gefangenen je bekam. Und ich meine, es ist eine persönliche Rache an meinem Mann dafür, dass er es geschafft hat, Menschen um sich herum zu organisieren und Leute auf die Barrikaden zu bringen ... und vielleicht ist es eine Rache an mir.”

ZWEISTELLIGE URTEILE

Auch fünf weitere Männer wurden zu vielen Jahren Freiheitsentzug verurteilt. So muss etwa der prominente Oppositionspolitiker Nikolaj Statkewitsch für 14 Jahre ins Straflager. Belarussische Gerichte

stehen in der Kritik, immer wieder politisch motivierte Urteile gegen Oppositionelle und Andersdenkende zu fällen.

Ungeachtet internationaler Proteste wurden in Belarus in den vergangenen Monaten bereits mehrere prominente Oppositionelle verurteilt. So erhielt etwa Maria Kolesnikowa, die lange als Kulturmanagerin in Stuttgart arbeitete, elf Jahre Lagerhaft. Der Oppositionspolitiker Viktor Babariko wurde zu 14 Jahren verurteilt.

Swetlana Tichanowskaja hatte davor gewarnt - die humanitäre Migrantenkrise an der EU-Außengrenze, deretwegen Lukaschenko kritisiert wird, sollte nicht vom Leiden in Belarus ablenken.

Die deutsche Außenministerin Annalena Baerbock nannte die aktuellen Urteile "skandalös".

su mit dpa