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Schüsse auf zivile Pkw, Verstärkung aus Belarus: Anspannung in Kasachstan

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Von Euronews mit AP, dpa
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Ein Demonstrant in Almaty wird von einem Polizisten gestellt
Ein Demonstrant in Almaty wird von einem Polizisten gestellt   -   Copyright  AP Photo/Vasily Krestyaninov

In mehreren kasachischen Städten gleichen sich die Bilder: Zerstörte Geldautomaten an einem Bankgebäude und eine verwüstete Parteizentrale in Almaty. Hier residiert die regierende und von Präsident Kassym-Schomart Tokajew geführte Nur Otan.

Tokajews Schießbefehl scheint umgesetzt zu werden und nicht nur die anvisierten Demonstrierenden zu treffen.

Rentner Leonid Kiselyov berichtet um Fassung ringend an einer Tankstelle, um acht Uhr morgens sei sein Auto von Schüssen aus der Richtung des Bürgermeisteramtes von Almaty getroffen worden. Mindestens ein Einschussloch ist an seinem Pkw zu sehen. In der Hand hält Kiselyov wie zum Beweis eine Patronenhülse.

Militär überwacht den Ausnahmezustand

Die Lage in Kasachstan bleibt so instabil wie unübersichlich. Neue Angaben zu Todesopfern machte die Regierung nicht. Zuvor hatte sie von 40 Todesopfern und hunderten Verletzten berichtet. Unabhängige Informationsquellen gibt es praktisch nicht. Erschwerend kommt hinzu, dass das Internet landesweit lahmgelegt ist.

In der Wirtschaftsmetropole Almaty, einem Zentrum der Unruhen, sichert das Militär ganze Straßenzüge. Landesweit gilt der Ausnahmezustand.

Doch Volkes Stimme scheint noch nicht zum Schweigen gebracht. Passant Rustam Nogmanov stellte sich in Almaty moralisch an die Seite der Demonstrierenden:"Ich glaube, die Menschen sind aufgewacht. Es wird keinen Präsidenten mehr geben, der nochmal 30 Jahre regiert."

In Almaty trat eine russische Touristengruppe die Rückreise an, organisiert vom russischen Verteidigungsministerium. Die 25 Männer und Frauen wollten eigentlich Neujahr in Kasachstan zelebrieren, wurden dann aber von den Unruhen und der Schließung des internationalen Flughafens in Almaty überrascht.

Einer der Urlauber sagte am Eingang zum Frachtraum einer Militärmaschine: "Wir wollten hier Neujahr feiern und Skifahren. Jetzt werden wir an Bord eines Militärflugzeugs nach Russland zurückgebracht. Wahrscheinlich gibt es keine andere Möglichkeit."

Verstärkung aus Belarus

Die sogenannten Friedenstruppen in Kasachstan sind jetzt auch durch Einheiten aus Belarus verstärkt worden. Sie zählen zum Kontingent des OVKS-Militärbündnisses, der Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit, das mit rund 2.500 Soldaten vor Ort ist.

Für die kommenden Tage ist ein Videogipfel der OVKS-Staats- und Regierungschefs geplant. Auch zu dessen Vorbereitung führte der russische Präsident Wladimir Putin nach Kremlangaben "ein langes Telefonat" mit seinem kasachischen Amtskollegen Tokajew.

Nach Angaben des kasachischen Staatsfernsehens von diesem Samstag hat es bislang 4.400 Festnahmen in dem Konflikt gegeben. Der Staatssender Khabar 24 berichtete, der "Anti-Terror-Einsatz" dauere an.