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Mobile "BioNTainer" sollen Impflücke in Afrika schließen

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Von Euronews  mit DPA/AFP
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Biontech präsentiert den "BioNtainer", eine mobile Produktionsstätte des Corona-Impfstoffs für Afrika
Biontech präsentiert den "BioNtainer", eine mobile Produktionsstätte des Corona-Impfstoffs für Afrika   -   Copyright  AP Photo

Das Mainzer Unternehmen BioNTech, das zusammen mit Pfizer den ersten mRNA-Impfstoff gegen das Coronavirus entwickelt hat, will mit mobilen Produktionsanlagen in Containergröße die Herstellung von Impfstoffen in Afrika voranbringen.

Die sogenannten "BioNTainer", bestehend aus zwei Modulen werden schlüsselfertig geliefert und bieten Raum für alle nötigen Geräte für den Herstellungsprozess. Nach der Inbetriebnahme sei mit einer Produktionskapazität von bis zu 50 Millionen Dosen gegen das Coronavirus pro Jahr zurechnen.

Schlüsselfertig, aber zunächst unter der Kontrolle von BioNtech

Die erste Anlage soll Mitte des Jahres in Afrika eintreffen - ein wichtiger Schritt, um die Impflücke auf dem afrikanischen Kontinent zu schließen, "als Ergänzung des WHO-Hubs" für den Transfer von mRNA-Technologie, unterstrich WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus bei der Vorstellung des "BioNTainers" in Marburg.

Die Steigerung der lokalen Produktion sei von entscheidender Bedeutung. Denn: "116 Länder werden das Impfziel von 70%, das wir uns für Mitte dieses Jahres gesetzt haben, möglicherweise nicht erreichen. Das muss in Angriff genommen werden."

Geplant ist laut BioNTech, die Fertigungsstätten an Ruanda, Senegal und gegebenenfalls Südafrika zu liefern, in enger Abstimmung mit dem jeweiligen Land und der Afrikanischen Union. Der Produktionsbeginn werde zwölf Monate nach der Lieferung an den Zielort erwartet. 

Die "BioNTainer" seien auch für mögliche künftige mRNA-Vakzine gegen Malaria oder Tuberkulose von Biontech geeignet - sollten diese entwickelt, zugelassen und genehmigt worden seien. 

Die Eröffnung einer konventionellen Fabrik dieser Art dauert derzeit drei Jahre.

Hier geht es um Technologietransfer"

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen nannte die Initiative von Biontech laut Mitteilung einen "echten Wegbereiter in unserem globalen Kampf gegen die Pandemie". 

Entwicklungsministerin Schulze verwies darauf, dass derzeit nur ein Prozent der in Afrika verwendeten Impfstoffe auch dort hergestellt würden. Das sei weder fair noch nachhaltig. Auch sie begrüßte das Vorhaben der Mainzer. Es gehe nicht um neue Märkte. "Hier geht es um Technologietransfer - darum, dass mehr Länder als bisher selber Impfstoffe herstellen." 

Die Bundesregierung unterstützt nach Angaben eines Ministeriumssprechers Ghana, Ruanda, Senegal und Südafrika dabei, die Voraussetzungen für eine Impfstoffproduktion zu schaffen.

Seine Container-Anlagen will Biontech zunächst selbst betreiben und personell besetzen, "um die sichere und zügige" Aufnahme der Produktion der Impfstoffe "unter strenger Einhaltung" der Richtlinien zu unterstützen. 

Die Mainzer wollen zudem örtliche Fachkräfte ausbilden, "um die Produktion langfristig an die afrikanischen Partner zu übergeben", so Biontech-Chef Ugur Sahin. Die in den Anlagen hergestellten Impfstoffe sind laut Unternehmen fürs Inland sowie den Export in andere Staaten der Afrikanischen Union für einen gemeinnützigen Preis bestimmt.

"So viel Zeit haben wir in der fortschreitenden Pandemie nicht"

"Ärzte ohne Grenzen" begrüßte grundsätzlich die Schritte hin zu einer Produktion von mRNA-Impfstoffen in afrikanischen Ländern, äußerte aber auch Kritik. Der Plan des Unternehmens dauere zu lange, sagte die Impfstoff-Expertin der Organisation, Lara Dovifat. 

"So viel Zeit haben wir in der fortschreitenden Pandemie nicht." 

Man habe in einer Studie 120 Pharmafirmen im globalen Süden identifiziert, die in der Lage seien, innerhalb von Monaten in die Produktion von mRNA-Impfstoffen einzusteigen, würde Biontech einem Technologietransfer zustimmen.

Kritik kam auch von der Entwicklungsorganisation Oxfam. Container seien keine Antwort auf den globalen Impfstoffmangel. Es sei nicht hinnehmbar, dass Biontech und andere Unternehmen den mRNA-Hub der WHO in Afrika ignorierten, der jetzt bereit wäre, Impfstoffe zu produzieren und die Herstellung anzukurbeln. 

"Und das zu Gunsten von Impfstoff-Container-Modulen unter Biontechs Kontrolle, die noch über ein Jahr brauchen werden, um in Produktion gehen zu können", monierte die Oxfam-Expertin für Gesundheitspolitik, Anna Marriott nach einer Mitteilung.