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"Ich stecke hier einfach fest" - Ukrainer berichten

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Von Katharina Sturm
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"Ich stecke hier einfach fest" - Ukrainer berichten
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In der südostukrainischen Stadt Mariupol bilden sich am Donnerstag lange Schlangen an Tankstellen und Geldautomaten. Nachdem Russland einen umfassenden Angriff auf das Land gestartet hatte, bei dem Städte und Stützpunkte mit Luftangriffen und Granaten beschossen wurden, erkennen die Bewohner die Schwere der Lage und versuchen sich entsprechend vorzubreiten.

Die Menschen vor Ort berichten, dass sie seit morgens unterwegs sind, um vergebens Bargeld and Geldautomaten abzuheben, oder ihre Autos vollzutanken. Viele können nichts tun und stecken einfach in Mariupol fest.

Der Bürgermeister von Mariupol sagte, dass die Situation unter Kontrolle sei und es keine Panik geben sollte. Außerdem versichert er, dass Mariupol unter der ukrainischen Flagge bleiben wird.

Die Stadt Mariupol war, ist und bleibt unter ukrainischer Flagge
Wadym Boitschenko
Bürgermeister von Mariupol

Aber die Bürger sind dennoch verängstigt und selbst die Ruhigsten erkennen offenbar spätestens jetzt die Schwere der Situation. Sie eilen, um Treibstoff, Lebensmittel und Bargeld zu besorgen.

Wadym Boitschenko fügte hinzu, dass der Flughafen der Stadt angegriffen und dass ein Wohngebiet in der Nähe des Flughafens getroffen worden sei. Dabei seien offenbar drei Zivilisten getötet worden.

Eine Bewohnerin von Mariupol sagt, dass sie 2014 mehr Angst hatte und die Situation nicht zu vergleichen sei. Sie habe nur Angst um ihre Mutter, die in Urzuf, einer Stadt außerhalb von Mariupol lebt. Sorgen macht sie sich trotzdem, obwohl ihre Mutter wohl ihren Vorratskeller aufstocken und das Haus nicht verlassen würde. Die Frau aus Mariupol sagt, dass es keinen Ort gäbe, an den sie fliehen könnten.

Auch die Straßen von Kiew sind voller Menschen, die mit allen Mitteln versuchen die Stadt zu verlassen. Autos, die im Stau stehen, Busse voller Passagiere und Menschen mit Koffern auf dem Weg aus der Stadt.

Menschen fliehen aus der Hauptstadt Kiew

Immer mehr Menschen berichteten auch dort, dass sie kein Benzin finden oder kein Bargeld von Geldautomaten abheben können.

Maksym, ein 35-jähriger Arbeiter in Kiew, hat die Angriffe in der Nacht auf Donnerstag miterlebt:

Es war 5 Uhr morgens und sie bombardierten die Militäreinheit in Brovary, wo wir wohnen. Wir haben es nicht gesehen, aber wir haben es gehört. Die Wände haben gewackelt, also haben wir unsere Sachen genommen und sind gegangen
Maksym, 35-jähriger Arbeiter in Kiew

Auch Natalya Kovalenko, eine in Kiew arbeitende Krankenschwester findet die Lage vor allem für die Kinder beängstigend. Sie findet es schlimm, dass die Menschen so in Panik geraten.

Im Gespräch mit ausländischen Journalisten fragen die meisten Ukrainer nach Informationen über diplomatische Entwicklungen und die Unterstützung durch die internationale Gemeinschaft.

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Er drohte jedem fremden Land, das versucht, sich einzumischen, mit "Konsequenzen, die Sie noch nie gesehen haben".

Putins Drohungen an sich einmischende Länder