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Ukraine-Krieg: Brasilien will Dünger bei Ureinwohnern abbauen

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Von su  mit dpa
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Ukraine-Krieg: Brasilien will Dünger bei Ureinwohnern abbauen
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Der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro will nach dem russischen Angriff auf die Ukraine den Abbau von Kalium für Düngemittel in indigenen Regionen im Amazonasgebiet vorantreiben. «Angesichts des Krieges zwischen Russland und der Ukraine besteht heute die Gefahr, dass es zu einer Verknappung des Kaliums oder einem Anstieg des Preises kommt», so Bolsonaro auf Twitter.

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Der rechtspopulistische Politiker meinte, der Abbau von Mineralien in indigenen Gebieten – diese lokalen Gemeinschaften und Umweltschützer lehnen das vehement ab – sei notwendig, um die Abhängigkeit von Import-Produkten zu verringern.

Tereza Cristina Corrêa da Costa Dias, Brasiliens Ministerin für Landwirtschaft, Viehzucht und Versorgung:

„Es wurden einige Sanktionen verhängt (gegen Russland und Weißrussland, Anm. d. Red.), aber im Düngemittelsektor wissen wir immer noch nicht, was kommt, wenn es denn kommt, also müssen wir im Moment sehr vorsichtig sein."

AGRARRIESE

Der Agrarriese Brasilien importiert mehr als 80 Prozent der verwendeten Düngemittel, und bei kaliumhaltigen Düngemitteln sind es laut Landwirtschaftsministerium 96 Prozent. Knapp 20 Prozent des importierten Düngers stammen aus Russland.

Russland, einer der weltgrößten Exporteure von Düngemitteln, hatte Anfang Februar ein zweimonatiges Ausfuhrverbot für Ammoniumnitrat verhängt. Harnstoff und Ammoniumnitrat sind die weltweit am häufigsten verwendeten Stickstoff-Dünger.

Ein Besuch in Russland – inklusive Treffen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin in Moskau Mitte Februar – sollte Bolsonaro zufolge der Verbesserung der Handelsbeziehungen dienen. «Brasilien hängt in großen Teilen von Düngemitteln aus Russland und  Belarus ab», so Bolsonaro (Sender „Radio Tupi“). Der Besuch hatte in Brasilien angesichts des Zeitpunkts Empörung ausgelöst.

Terras Indígenas, vorwiegend im Amazonasgebiet, sind unveräußerlicher Besitz der indigenen Völker, nicht der Einzelpersonen, genau wie das Recht, die Territorien zu bewirtschaften und Nutzen daraus zu ziehen, was mit wenigen Einschränkungen ihrer freien Bestimmung unterliegt. Die Beteiligung von Nicht-Indigenen an Nutzung und Gewinn ist (Stand August 2021) nicht möglich. Nur in den Bereichen von Bergbau und Wasserwirtschaft bedarf die Bewirtschaftung einer Genehmigung durch bundesstaatliche Behörden.

Andererseits wird der Lebensraum indigener Völker durch die Abholzung des Urwalds rapide zerstört. Dabei werden die erwirtschafteten Erlöse aus dem Amazonasgebiet heraustransferiert, es mangelt an Investitionen vor Ort, auch an Entschädigungen. Bergleute und Goldgräber belasten nicht nur Flüsse und Böden mit schwerem Gerät und giftigen Chemikalien, sie bringen auch Krankheiten und Gewalt. An an die hundert indigene Völker meiden möglichst jeden Kontakt.

su mit dpa