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Warum stößt Gazprom die deutsche Tochter Germania ab?

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Von Euronews
Eine zerfledderte Werbung für ein Schalke-Trikot mit dem Logo des Hauptsponsors Gazprom vor der Schalke-Arena in Gelsenkirchen, Deutschland, Montag, 28. Februar
Eine zerfledderte Werbung für ein Schalke-Trikot mit dem Logo des Hauptsponsors Gazprom vor der Schalke-Arena in Gelsenkirchen, Deutschland, Montag, 28. Februar   -   Copyright  Martin Meissner/AP

Der russische Staatskonzern Gazprom hat am Freitag überraschend die deutsche Tochter Gazprom Germania GmbH abgestoßen. In einer Mitteilung des Unternehmens heißt es, die Beteiligung in Deutschland sei zum Ende des Monats März beendet worden. 

"Am 31. März beendete die Gazprom-Gruppe ihre Beteiligung an der Gazprom Germania GmbH und an allen in ihrem Besitz befindlichen Vermögenswerten, einschließlich der Gazprom Marketing & Trading Ltd.

An wen die Anteile abgetreten wurden und zu welchem Preis ging aus dem Statement der Gazprom-Gesellschaft nicht hervor.

Welche Folgen das für die Gasversorgung in Deutschland hat, war zunächst völlig offen. Laut Bundesnetzagentur war die Gasversorgung in Deutschland am Freitag stabil.

Gazprom Germania sitzt in Berlin und ist eine Holdinggesellschaft für Gashandel und Logistik und wiederum Eigentümerin weiterer Unternehmen der deutschen Gaswirtschaft. Dazu gehören etwa die Handelsgesellschaften Wingas und WIEH, der Gasspeicherbetreiber Astora, der den größten Gasspeicher Deutschlands in Rehden betreibt, und eine Minderheitsbeteiligung am Gastransportunternehmen Gascade.

Auf der Internetseite des Unternehmens und den Social Media Kanälen waren zunächst keine Informationen zu finden.

Was steckt hinter der Entscheidung?

Über die Strategie hinter dem Abstoßen von Gazprom Germania könne man nur spekulieren, sagte der Gasmarktexperte Fabian Huneke vom Beratungsunternehmen Energy Brainpool der Deutschen Presse-Agentur. 

"Die physischen Assets (Gasspeicher, Gasleitungen) die mit dem Abstoßen von Gazprom Germania aus russischer Sicht verloren gehen, können das Bauernopfer sein, um die Gaslieferverträge neu zu verhandeln."

Denn Gazprom Germania halte über die beiden Töchter Wingas und WIEH einen Großteil der Importverträge in der Hand. Die noch bestehenden Importverträge bänden Gazprom Export aktuell noch an Währung, Preis und Menge. 

"Diese Vertragsbindung könnte nun aufgehoben werden, etwa über das Vehikel einer Insolvenz von Gazprom Germania und ihren mit dem Gashandel befassten Töchtern", so Huneke.