Dieser Inhalt ist in Ihrer Region nicht verfügbar

"Sie haben ihn einfach überfahren": Angehörige in Borodjanka trauern um ihre Toten

Access to the comments Kommentare
Von Valérie Gauriat
euronews_icons_loading
Täglich werden neue Tote in Borodjanka geborgen, 20.04.2022
Täglich werden neue Tote in Borodjanka geborgen, 20.04.2022   -   Copyright  Euronews

Borodjanka, rund 50 Kilometer von der ukrainischen Hauptstadt entfernt, wirkt wie eine Geisterstadt. Die Ortschaft im Großraum Kiew wurde schwer durch russische Luftangriffe beschädigt. Rund 50 Leichen sind bislang aus den Trümmern geborgen worden - doch die Aufräumarbeiten dauern weiter an, und täglich werden es mehr.

In Borodjanka werden Leichen aus provisorischen Gräbern geholt. In diesem Teil der Stadt wurden neun Menschen auf dem Gelände eines Krankenhauses begraben. Darunter der leblose Körper von Alexanders Vater. Sein Kopf fehlt.

"Es gab Beschuss. Am Abend sagte er uns, dass er losziehen würde, um die russischen Truppen aufzuhalten. Er sprach Russisch. Er kommt aus Russland. Er ist rausgegangen, um die Kolonne aufzuhalten. Er stellte sich vor das gepanzerte Fahrzeug. Und sie haben ihn einfach überfahren", sagt Alexander Sergeowitsch.

Nadja hat ihren 34 Jahre alten Sohn verloren. Er war Bauarbeiter. Sie erzählt:

"Er war auf dem Heimweg...es war am 28. Februar. Sie schossen von einem Geländewagen auf ihn, mit einem automatischen Gewehr, und er legte sich nicht schnell genug auf den Boden. Der Schuss ging durch seine Brust und seinen Magen.

Wir haben ihn am 15. März beerdigt, früher ging es nicht, er lag in der Leichenhalle. Der Kommandant hat uns nicht erlaubt, ihn zu begraben, also taten wir es am 15. März, hier, im Garten."

Der Leiter der nationalen Polizei in der Region Kiew, Andrii Niebytov, sagt es gerade heraus, er denke, dass es möglich und notwendig sei über einen Genozid an der Bevölkerung der Ukraine zu sprechen:

"Es ist ein weiteres Beispiel für die Kriegsverbrechen der Russischen Föderation, wenn sie Zivilisten erschießen. Diese Menschen waren nicht beim Militär und gehörten auch nicht zur territorialen Verteidigung, sie waren normale Bürger. Sie wurden auf der Straße erschossen. Das verstößt gegen alle internationalen Konventionen und das Völkerrecht, das solche Handlungen gegen Zivilisten verbietet."

Ein schwacher Trost für Angehörige, die um ihre Kindern trauern. Euronews-Korrespondentin Valérie Gauriat berichtet: "Es sind sehr schwierige Momente, die inzwischen zum Alltag gehören. Mehr als 1.000 tote Zivilisten wurden bislang in der Region um Kiew geborgen. Die Polizei berichtet, dass sie täglich derartige Funde macht. Die Zahl der Toten wird also weiter steigen. "