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Algerien investiert in seine gesellschaftliche Entwicklung

Von Cyril Fourneris  & Sabine Sans
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Algerien investiert in seine gesellschaftliche Entwicklung
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In Algeria Tomorrow zeigen wir Ihnen, wie Algerien in sein Bildungssystem investiert, um das Wirtschaftswachstum anzukurbeln, aber auch um die Aus- und Weiterbildung einer zunehmend gebildeten und weltoffenen Jugend zu fördern. 

Algeriens entwicklungspolitische Herausforderung

Am Vorabend der Unabhängigkeit vor 60 Jahren gab es nur ein paar hundert algerische Studenten an der Zentraluniversität von Algier, der einzigen im Lande, die auf Französisch lehrte. Heute gibt es in Algerien mehrere Dutzend Universitäten und Forschungszentren, mehr als eineinhalb Millionen Studenten und viele neue Herausforderungen.

Eine der Prioritäten des unabhängigen Algeriens war, die gesellschaftliche Entwicklung zu fördern und den damals massiven Analphabetismus -1962 schätzungsweise 85 Prozent der Bevölkerung - zu bekämpfen. Dank der kostenlosen, obligatorischen Schulbildung stieg die Alphabetisierungsrate auf über 81 Prozent. In der Altersgruppe der 15- bis 25-Jährigen liegt sie jetzt bei nahezu 100 Prozent. 

Ein weiteres Ziel war es, die wirtschaftliche Entwicklung des Landes selbst in die Hand zu nehmen. 1974 entwarf der Architekt Oscar Niemeyer die Universität der Wissenschaften und der Technologie Houari Boumediène in Algier. Mehr als 100.000 ihrer Absolventen arbeiten heute in Algerien oder anderswo, zum Stolz des Rektors. Er gehörte zu den ersten Studenten. Seitdem ist viel passiert, erzählt Djamal-Eddine Akretche, Rektor der Universität der Wissenschaften und Technologien Houari-Boumédiène (USTHB):

"Wir waren damals 2.000 Studenten in der Anfangszeit dieser Universität, die lange Zeit die Rolle der Ausbildung von Führungskräften hatte. Jetzt sind es 50.000." Und es gibt auch immer mehr Studentinnen: "Wir__stellen fest, dass fast 60 Prozent der Studierenden weiblich sind. Das ist neu, denn ich erinnere mich, dass es in den Siebziger und Achtziger Jahren in den technologischen Wissenschaften und in den Grundlagenwissenschaften nicht mehr als 10 Prozent waren."

Auf die Frage nach der Zukunft der algerischen Universität, meint der Rektor: "Es ist viel von Unternehmertum, Inkubatoren und Start-ups die Rede. All diese Begriffe wird sich die USTHB aneignen, das hat mit vielen Interaktionen mit dem sozioökonomischen Sektor einerseits begonnen und andererseits die Denkweise der Studierenden verändert, nach dem Motto: Man muss Wohlstand schaffen und nicht nach Arbeitsplätzen suchen."

Unternehmergeist unter den Studenten

Diese Idee hat sich in den 73 Forschungslabors der Universität gut verbreitet. Rym Arabdiou aus dem Pharmakologielabor testet eine kosmetische Creme und hat dabei eigene Vorstellungen im Hinterkopf: 

"Dank dieser Ausbildung kann ich vielleicht eines Tages mein eigenes Unternehmen gründen, vielleicht meine eigene Creme erfinden, die jeder kauft - das ist mein Ziel!"

In Partnerschaft mit Unternehmen wurde ein berufsbezogener Masterstudiengang ins Leben gerufen: Das Land strebt eine regionale Führungsrolle bei der Herstellung von Arzneimitteln an. Der Chemiker, Lehrer und Forscher an der USTHB Kamel Daoud erklärt: "Heute können wir in Algerien bis zu 70 % des Bedarfs der algerischen Bevölkerung mit Generika decken und wir planen auch, uns an Exporten nach Ost- und Westafrika zu beteiligen."

Bei algerischen Studenten ist Unternehmergeist immer stärker ausgeprägt. Das gilt besonders an der Algerischen Hochschule für Wirtschaft. Mit 20 Jahren im ersten Studienjahr hat Rania mit ihrem Kommilitonen Aymen den Wirtschaftsclub der Schule gegründet. Die beiden Studenten wollen Unternehmer werden. Aymen Ait Hamouda will erst Erfahrungen in einem Unternehmen der Big Four sammeln und dann Unternehmer werden, "ich__habe eine Vision, die auf Länder südlich der Sahara ausgerichtet ist." Rania Benzerhouni sagt: "Ich denke, dass die Veranstaltungsbranche derzeit ein sehr trendiger Bereich ist. Ich würde gerne etwas in Algerien aufbauen, denn es gibt nicht sehr viel in diesem Bereich, das Land steckt in der Entwicklung. Es würde mich sehr interessieren, in diesem Sektor Fuß zu fassen und mein Projekt hier in meiner Heimat Algerien zu entwickeln, für die Zukunft!"

Weltoffenheit ist in der DNA verankert

Die ESAA, eine 2004 gegründete staatliche Schule, die aus einer französisch-algerischen Kooperation hervorgegangen ist, gehört zu den zehn besten Wirtschaftsschulen in Afrika. Die Weltoffenheit ist in ihrer DNA verankert. Und viele ihrer Studenten setzen ihr Studium im Ausland fort, so Karim Kiared, Generaldirektor der algerischen Hochschule für Wirtschaft (ESAA):

"Mobilität ist ein fester Bestandteil jeder Ausbildung und des Berufsalltags. Weggehen, um besser zurückzukommen, gehört zum Credo der Studenten und Alumni der Schule. Wir haben keine Angst vor dieser Offenheit. Der Beweis dafür ist, dass ein großer Teil unserer Alumni immer noch hier ist und in sehr hohen Positionen arbeitet."

Für Algerien liegt eine der Herausforderungen der gesellschaftlichen Entwicklung darin, möglichst vielen Studenten die Möglichkeit zu geben, sich in ihrem Land weiterzubilden.