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Verharmlost und vergessen: 30 Jahre Pogrom von Rostock-Lichtenhagen

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Von Euronews  mit dpa, afp
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Rassistische Angriffe in Rostock-Lichtenhagen 1992
Rassistische Angriffe in Rostock-Lichtenhagen 1992   -   Copyright  Thomas Haentzschel/AP 1992

August 1992: Im Rostocker Stadtteil Lichtenhagen kommt es vier Tage lang zu massiven fremdenfeindlichen Ausschreitungen. Im Zentrum der Krawalle steht die Asylunterkunft im Sonnenblumenhaus. Dort sind rund 120 Menschen aus Vietnam untergebracht, Vertragsarbeitende der früheren DDR.

Fünf Tage Gewalt

Wolfgang Richter ist damals Ausländerbeauftragter der Hansestadt Rostock und bekommt die Gewalt hautnah mit. In Archivaufnahmen des ZDF ruft er: "Die Chaoten sind unten durch die Tür eingedrungen, ich habe schon telefoniert. Die Polizeiinspektion hat es nicht begriffen, was hier vorgeht."

Fünf Tage lang dauert die Gewaltorgie des Mobs – darunter bekannte Neonazis. Sie werfen Steine und Brandbomben, zertrümmern Fensterscheiben, rufen rechtsradikale Parolen. Die Anwohner:innen applaudieren, Polizei und Politik schauen weg. 

"Ich begriff die Welt nicht mehr"

Die Asylsuchenden sind der wütenden Menge schutzlos ausgeliefert, können sich in letzter Minute aufs Dach der brennenden Unterkunft retten. 

So auch Nguyen Do Thinh, der sich heute gemeinsam mit Wolfgang Richter zurückerinnert: "Ich persönlich begriff die Welt nicht mehr. Denn sowas hab ich noch nie zu DDR-Zeiten erlebt. Das Vertrauen in den Staat und die Regierung war weg."

Richter erklärt: "Wir wussten, wir können uns nur selber helfen und haben dann die Treppenaufgänge verbarrikadiert, damit sie uns nicht im Haus angreifen können."

Politik, Polizei und Medien versagen

Die Polizei war vor Ort, zog sich zum Höhepunkt der Eskalation aber zurück. Auch die Medien versagten, gaben fremdenfeindliche Parolen ungefiltert wieder und stachelten teils sogar zur Gewalt an. 

Richtig aufgearbeitet wurde das Fiasko nie. Das müsse geändert werden, mahnte die deutsche Innenministerin Nancy Faeser zum 30. Jahrestag. Pro Asyl warnte davor, Rassismus als Problem der Vergangenheit anzusehen.

Weitere Quellen • ZDF