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Spanien will Drehkreuz für Flüssiggas werden

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Von Euronews  mit AFP
Gaspipeline
Gaspipeline   -   Copyright  AFP

Mit dem Krieg in der Ukraine wird der Zugang zu russischem Gas immer komplizierter. Angesichts der Gefahr, dass russisches Gas für Europa immer weiter wegbricht, sieht Spanien seine große Chance, ein wichtiger Knotenpunkt für den Energietransport zu werden.

Regierungschef Pedro Sánchez: "Wir glauben, dass Spanien die Möglichkeit hat, ein Drehkreuz für Flüssiggas zu werden, für viele Länder der Europäischen Union, eine Alternative zu russischem Gas."

Spanien hat ohnehin bereits die meisten Flüssiggasterminals, sie machen 35 Prozent der gesamten Speicherkapazität der EU aus.

Großbritannien liegt dahinter mit 22 Prozent. Gefolgt von Frankreich, Belgien und Italien.

Außerdem verfügt Spanien über ein ausgedehntes Netz von Gaspipelines, die Verbindungen nach Algerien, Marokko, Südwestfrankreich und Portugal darstellen.

Spanien würde nun gerne Verbindungen in den Nordosten Frankreichs, nach Belgien, in die Niederlande und nach Deutschland ausbauen, zu den größten Gasverbrauchern in Europa.

Aber kann Spanien das? Der ehemalige Präsident der Expertenkommission Energiewende Jorge Sanz: "Das Ganze ist nicht realistisch. Die Versorgung Nordeuropas soll doch zu möglichst geringen Kosten gewährleistet werden. Es gibt grundsätzlich zwei Möglichkeiten: Die eine besteht darin, direkt in Deutschland oder im Baltikum eine Anlage zu bauen zum Entladen von Schiffe oder - zweite Möglichkeit - eine Pipeline, die das spanische Netz mit der französischen Seite der Pyrenäen im Südosten verbindet. Und da reicht der Bau einer Pipeline nicht, denn sie muss ja auch an das europäische Gashochdrucknetz angeschlossen werden."

Die angedachte Gas-Pipelineverbindung zwischen Spanien und Frankreich könnte nach Angaben der Regierung in Madrid in weniger als einem Jahr funktionstüchtig sein. In Paris hält man sich jedoch bedeckt und zeigt kein großes Interesse.

Jorge Sanz warnt vor den Risiken, diese Art von Projekten ohne die Zustimmung der EU zu starten.

Sanz erklärt: "Das größte Risiko besteht darin, dass Spanien die Verbindungsinfrastruktur selbst baut, dass diese Infrastruktur dann nicht genutzt wird und dass Spanien die Zeche zahlt. Es wäre wichtig, dass bestimmte Länder sich dann auch zur Gasabnahme verpflichten. Oder die EU soll das Projekt finanzieren, oder beides, aber Spanien sollte sehr vorsichtig sein, bevor es in diese Pipeline investiert."

Diskutiert wird auch eine Verbindung von Spanien nach Italien. Auch dies würde helfen, den Gasfluss nach Mitteleuropa und somit Deutschland zu erleichtern.

Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine sucht die EU fieberhaft Alternativen zu russischen Gaslieferungen, die momentan stark eingeschränkt sind.